Ach ja, Metalcore der 2000er, welch wunderbare Zeit. Und Atreyu waren ein Teil davon. Nach 20 Jahren, vielen Hits, einem Sängerwechsel und leicht poppigen Anwandlungen, möchten die Amerikaner nun wieder zurück zu ihren Wurzeln – und soviel sei schon mal vorweg genommen: Es gelingt! Spätestens seit dem Ausstieg von Frontmann Alex Varkatzas und der Neuausrichtung am Mikrofon – nun mit dem ehemaligen Schlagzeuger Brandon Saller als Frontmann – steht die Band ohnehin vor der Frage, wie viel Vergangenheit noch in ihrer Zukunft steckt.
Doch first things first. Mit „The End Is Not The End” veröffentlichen die Jungs aus Kalifornien bereits ihr 10. Studioalbum. Dass dieses Album laut eigenen Angaben der Band teilweise wie im Tunnel entstanden ist, merkt man dabei mit jeder Note. Die Rückbesinnung auf die härteren Töne ohne dabei wie generischer Metalcore aus den 2000ern zu klingen, funktioniert einwandfrei, wenngleich auch die Alben dazwischen ihren Einfluss haben. Aber so soll es ja auch sein, wenn eine Band sich selbst immer weiter entwickelt.
Das Album beginnt für mich mit einem Schmunzeln. Nach ein paar Geräuschen und Statik wird man nämlich erst einmal angeschrien. Ja, gefällt, so werde ich doch gerne begrüßt. Bitte weiter so! Nach dem Intro geht es mit „Dead“ direkt in wunderbaren Metalcore über. Die Halle bebt, der Pit tobt und singt den absolut catchigen Chorus lautstark mit, nichts anderes stelle ich mir live hier vor. ATREYU zeigen hier direkt, wo die Reise hingeht. „Break Me“ hingegen schlägt langsamere und noch härtere Töne an. Emotional, düster, mitreißend. Die Singleauskopplung „All For You“ erinnert ein bisschen an das hymnische, was BEARTOOTH auch gerne mal haben, jedoch mit dem ganz eigenen ATREYU-Anstrich. Sollte live ebenfalls ein echter Banger werden, bei dem alle miteinstimmen. Mit „Ghost in Me“ und „Glass Eater“ geht es wieder mit breiter Brust und in wahrer Metalcore-Manie weiter. Beides super spaßige Songs. „Wait My Love, I’ll Be Home Soon” geht hingegen eher auf Kuschelkurs und stellt sich als Ballade mit Chor-Anteilen heraus. Muss man mögen. Sollte das jedoch nicht ganz den Geschmack treffen, vergisst man das dank „Ego Death“ schnell wieder, denn hier geht es im Kontrast zum vorherigen Track erst einmal voll zur Sache. Ob der Anteil an Gitarrensolos in Hinblick auf den berühmten gleichnamigen Track von POLYPHIA beabsichtigt ist, wage ich zu bezweifeln, der Gedanke war dennoch kurz da. „Deathrattle“ zeigt eine ganz andere, erfrischende Dynamik in seinem Sound, führt so aber in seiner leichten Andersartigkeit zum wohl besondersten Song des Albums hin. Für „Children of Light“ arbeitete man mit Max Cavalera von SOULFLY zusammen. Hier dominiert ein hartes, sich immer wiederholendes Riff ganz klar zu Beginn, welches dann von einem subtileren, elektronischen Bass-Riff abgelöst wird. Darüber wird mit recht hoher Clean-Stimme gesungen, die sich teilweise fast in Epiphanie verliert, bevor dann doch das düstere Geschoute losgeht. Es folgt mit „In The Dark“ der In Flames-Song des Albums. So glaubt man jedenfalls zu Beginn. Was am Ende das Saxophon in dem Song macht, erschließt sich mir nicht komplett (Und ich bin wirklich großer Fan von Saxophon, Paledusk wissen das!) und auch der etwas platte „In The Dark“ Chorus macht es nicht besser. Für mich wohl der schwächste Song des Albums. Was nun folgt ist die Ode an die Struktur früher Metalcorealben schlechthin. Der vorletzte Song als emotionales, ruhigeres Statement gegen die Ermüdung. In diesem Falle in der Form von „Afterglow“. Nun aber die spannende Frage: Closer? Banger? ATREYU entscheiden sich selbstverständlich für die einzig wahre Lösung: Den Banger. „Break the Glass“ will es noch einmal richtig wissen. Treibend, dröhnend, beißend, dabei aber keinesfalls auf den Catchy-Chorus verzichtend. Dabei zum Ende hin düster abflachend und ein Gitarrensolo gibt es auch noch. Wenn das nicht der Song für das Ende nach dem Ende (also der Zugabe) wird, weiß ich auch nicht.
„The End is Not the End” ist definitiv kein Revival der 2000er Metalcorezeiten, aber es stellt eine schöne, wieder härtere Weiterentwicklung und Rückbesinnung von ATREYU dar. Nicht jedes Experiment glückt dabei, insgesamt ist es aber ein wirklich gutes, unterhaltsames Metalcorealbum, das besonders live seinen Effekt nicht verfehlen wird.