Zum Hauptinhalt springen

Bruce Soord - Ghosts In The Park

VÖ: 15. Mai 2026  •   Label  Kscope/Edel
Gut ein Jahr ist es her, dass Bruce Soord sein zehnjähriges Jubiläum des Solodebüts mit einem remasterten Re-Release beging. Hauptsächlich war er mit seiner Band The Pineapple Thief auf Tour. Dabei entstand über einen Zeitraum von zwei Jahren dieses Album Ghosts In The Park, was sehr geprägt ist von seinen Eltern.
Wie Anneke van Giersbergen sind es bei Bruce Soord auch die Eltern, die die kreative Phase einer Werkentstehung sehr beinflusst haben. Bei Anneke van Giersbergen starben beide Eltern in kurzer Abfolge. Bei Bruce Soord hatte der Vater eine langes Siechtum bis zum Lebensende, die Mutter erkrankte an Alzheimer, wie jeder weiß, eine progressive Krankheit. Neurogenerativ, korrelliert mit Demenz. Für die Umwelt schlimm, wenn die Person, vor allen Dingen in der Rolle eines Elternteil, die sonst alles wusste, niemanden mehr als den erkennt, der er ist. "How many times did you say, I couldn't recognize your face?", heißt es im Lied You Made A Promise. Versprechen oder Zusagen, die nun einseitig nicht mehr erfühlt werden können. Unwillkürlich und vor allen Dinegn unabsichtlich. Es gibt vielleicht im Wortsinnn lichte Momente. Kurzzeitgedächtnisaufmerksamkeit. Wiederholungen längst Ausgesprochenes. Im Falle Bruce Soords ist diese ganze seelische Last gepaart damit, dass er Tourleben hatte. Sicherlich auch Euphorie. Weniger wahrscheinlich Sex-Drugs-Rock'n'Roll. Ortswechsel. Laufend neues. Obwohl man innerlich lieber zum Beispiel bei erkrankten Eltern wäre. "Augen auf bei der Berufswahl!" zu schreien, geht leicht über Lippen. Die Schutzschicht der Seele ist mitunter sensibler, als wir denken. Erwachsene Härte wird übermannt von Empfindsamkeit durch Reifung oder Ereignisse, die deutlich durchlässiger machen. Bruce Soords Dachbodenaufnahmen im Namen The Pineapple Thiefs während des SARS-CoV2 induzierten Lockdowns führten schon vor Augen, was Bruce Soord ganz alleine auf die Kette bringt. Dieses Album hat es Kerninstrumentarium seine Stimme und eine Akustikgitarre. Als First-Takes entstanden einige Aufnahmen unterwegs in Hotelzimmern. Im Studio wurden Verfeinerungen durchgeführt, Schlagzeug, E-Gitarre, Bass. Einmalig half sein Bandkollege Jon Sykes an diesem Instrument aus. Auch wenn die Aufnahmeorte des Rohmaterials unterschiedlich waren, Chile, Hamburg und Oberhausen erwähnt der Pressetext, bildet die Klammer die dortige Anonymität und Fremde. Die Trennung.
Dadurch kann sich das Gefühl von Stille, Verlust und Erinnerung verstärken. Der Antipode dazu ist sein biographisches Jetzt mit der Bühnenpräsenz seiner Band, der Erwartung des Publikums nach lebendiger Musik, während innen die Seele Stillstand wahrnimmt. Was ist wichtig im Moment. Der physische Verlust des Vaters, der Abbau kognitiver Fähigkeiten der Mutter. Vielleicht auch die eigene Frage, ob die Liebe zur Mutter Verlust geht, wenn sie nicht mehr wiedergegeben wird - weil man gar nicht mehr als das eigene Kind erkannt wird. 
Bereits beim ersten Reinhören fesselte die emotionale Stimmung des Albums - vielleicht bin ich zu empfindlich geworden. Die Songs entwickeln das Gefühl der Seelenverbundenheit durch Sachverhalte, die man selbst erlebt, Sorgen die man selber hat - auch um andere. Depressiv macht Bruce Soords Musik mit Sicherheit nicht, sie lädt zum Gedanken schweifen ein. Trägt. 

Fazit: Bruce Soords Ghosts In The Park kann die Fähigkeit entwickeln, seine Hörer direkt auf eine Seelenreise mitzunehmen. Trotz der Schwere, die der Künstler in der eigenen Motivlage hat, wirken die Lieder dennoch nicht aufgebend, sondern hoffnungsvoll. Solange das Herz schlägt, gibt es immer einen Grund nach vorne - auch in die Ferne - zu gucken und weiter zu gehen. Maximale Empfehlung!  
   
 


   
Bruce Soord - Pillars
Bruce Soord - Meet Me On The Downs