Zum Hauptinhalt springen

Brymir - What We Leave Behind

VÖ: 02. Oktober 2026  •   Label  Napalm Records

Brymir - What We Leave Behind

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich die Herren aus Helsinki und Uusimaa bis zum Jahr 2022 überhaupt nicht kannte. Durch Zufall wurde mir damals das Album Voices in the Sky vorgeschlagen und was soll ich sagen? Ich war von der ersten Sekunde an schockverliebt. Die Melodien, die Refrains, das Drumming, die Gitarren – einfach der Wahnsinn. 

Wenn mich jemand fragen würde, wie Brymir denn so klingen, wäre meine Antwort wohl: Wenn Blind Guardian Modern Melodic Death Metal spielen würde, würden sie vermutlich so klingen.

Umso gespannter war ich deshalb auf die neue Scheibe. Mit What We Leave Behind melden sich Brymir am 02.10.2026 via Napalm Records nach dem bereits grandiosenVoices in the Sky aus dem Jahr 2022 zurück – und liefern wieder ein bärenstarkes Album ab. Für mich persönlich gehören die Finnen damit spätestens jetzt zur Speerspitze des modernen Melodic Death Metal.

Nach dem Intro "Slaying Star" folgt mit „Sleipnir“ schon direkt der erste Kracher. Gaspedal auf Anschlag und ab gehts. Bereits hier wird deutlich, dass Brymir genau da weitermachen, wo sie mit ihrem Vorgänger aufgehört haben. Der Song lebt vom Wechsel aus tiefen Growls, orchestralen Refrains und dem typischen Gitarrenspiel von Jarkko Niemi. Genau diese Mischung ist es, die ich an Brymir so liebe.

Danach folgt mit „Tempestbound“ die zweite Singleauskopplung. Auch hier bleibt die Band ihrem bewährten Songwriting konsequent treu: die für die Band typischen Melodiebögen und hymnische Passagen prägen das Stück und sorgen für den gewohnt epischen Charakter. Stilistisch fügt sich „Tempestbound“ für meinen Geschmack nahtlos in das bisherige Schaffen der Finnen ein – der Song hätte ohne Weiteres locker auch auf dem starken Vorgänger seinen Platz gefunden.

Und dann kommt er: der Titeltrack „What We Leave Behind“, gleichzeitig auch die erste Auskopplung des Albums. Spätestens jetzt ist mir das Grinsen endgültig nicht mehr aus dem Gesicht zu bekommen. Denn genau dieser Song weckt unweigerlich Erinnerungen an den Vorgänger und dessen Titeltrack. Hier zeigt sich all das, was Brymir für mich so besonders macht und was ich an der Band seit 2022 schätze: eine packende Dynamik die seinesgleichen sucht und diese ganz eigene Mischung aus Härte und Melodien. Was für eine grandiose Nummer!

Mit „True Darkness“ wird es anschließend etwas düsterer. Gerade die ersten Takte erinnern mich doch leicht an Amon Amarth, bevor das Gitarrenspiel spätestens ab der Hälfte deutlich in Richtung Dimmu Borgir geht. Trotzdem bleibt der Song fest im typischen Brymir-Sound verankert und verbindet die nötige Härte mit den bereits erwähnten großen Melodien, für die die Band bekannt ist. Eine abwechslungsreiche und gleichzeitig sehr starke Nummer.

Mit „Moment of Silence“ ist erstmals auch eine rein instrumentale Nummer vertreten. Eine kleine, aber durchaus angenehme Verschnaufpause, bevor es mit „Buried Legion“ wieder härter zur Sache geht.

„Buried Legion“ ist der erste Song des Albums, der fast komplett auf den sonst so typischen hymnischen roten Faden verzichtet. Hier stehen erstmal die tiefen Growls von Viktor Gullichsen deutlich stärker im Vordergrund. Ganz ohne geht es dann gegen Ende wohl doch nicht. Große Melodien und orchestrale Elemente sind zum Schluss hin auch hier wieder mit an Bord.

Mit „Thy Self The Highest Love (Prelude)“ folgt anschließend ein kurzes, Brymir-typisches Zwischenspiel und damit eine zweite kleine Verschnaufpause, bevor das Album in die letzte Runde geht.

Mit „The Roaring King“ präsentieren uns Brymir auch hier eine interessante Nummer. Im Vergleich zu den vorherigen Songs schalten die Finnen bewusst ein bis zwei Gänge runter, ohne dabei auf die typischen großen Melodien und eine ordentliche Portion Bombast zu verzichten. Und genau das macht den Song so interessant. Trotz des etwas ruhigeren Tempos bleibt „The Roaring King“ unverkennbar Brymir.

Und dann kommt „Broken Dawn“.

Bei diesem Song bekomme ich ein letztes Mal Gänsehaut. Mit über siebeneinhalb Minuten ist er gleichzeitig der längste reguläre Song des Albums und nimmt sich bewusst die Zeit, die er braucht. Statt einfach nur von Anfang bis Ende mit Volldampf durchzupreschen, entwickelt sich „Broken Dawn“ Schritt für Schritt und baut eine richtig schöne Dramaturgie auf. Einfach die Augen schliessen und treiben lassen. 

Hier könnte man schon fast von einer filmreifen Nummer sprechen. Oder anders gesagt: Man merkt dem Song an, dass Viktor Gullichsen auch als Film-Sounddesigner aktiv ist. Der Song wächst kontinuierlich und entwickelt sich schließlich zu einem majestätischen Finale. Gerade hier zeigt sich ein letztes Mal eindrucksvoll, wie stark die Finnen bei großen, cineastischen Arrangements sind.

Den Rausschmeißer macht dann schließlich „How Much Is The Fish?“ – ein Coversong von Scooter. Und ja, wenn man das liest, denkt man vermutlich erst einmal: Was soll denn das?

Aber … genial umgesetzt!

Der Song macht einfach unglaublich viel Laune und sollte meiner Meinung nach auf jeder Metal-Party laufen. Live kann ich mir die Nummer echt richtig gut vorstellen, wenn das Publikum gemeinsam mitgrölt.

Abschließend kann ich eigentlich nur eines sagen:
Trotz vieler guter Releases in diesem Jahr hauen die Finnen mit What We Leave Behind für mich einen ganz heißen Anwärter auf das Album des Jahres raus.
Album des Monats wird es bei mir auf jeden Fall. 

Anspieltipps : "Tempestbound", "What We Leave Behind", "The Roaring King", "Broken Dawn", „How Much Is The Fish?“

BRYMIR - What We Leave Behind (Official Video)
BRYMIR - Tempestbound (Official Video)