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Daily Thompson - Glue

VÖ: 21. August 2026  •   Label  Noisolution (Edel)

Daily Thompson - Glue

Das Dortmunder Trio Daily Thompson lässt im sonnigen August den Grunge aufleben, konkret: "Ein Album, das der Blütezeit der 90er Jahre entsprungen zu sein scheint." Während andere in der Band damals brav Metal konsumierten, gab es einen, der mochte Grunge eine Spur lieber. Schaun mer mal, was das subjektive Kritikerherz für Eindrücke sammelte.

Den Anfang dürfen ein paar der Subjektivität entzogene Fakten bilden. Glue ist Album #8 seit Bandgründung 2013 und das fünfte Album innerhalb einer sechsjährigen Labelzugehörigkeit. Wie das letzte Album auch wurde Glue in Seattle aufgenommen. Das Album wird durch eine Tour begleitet, die im Juli mit einem Auftritt in Italien und einem in Belgien eröffnet wurde. "Auf Schalke", sprich in Recklinghausen, fand am 14. August das Pre-Listening des Albums statt. Im September geht es für einen Auftritt nach Austin, TX, USA, bevor dann ab Oktober mit einem Auftritt in Spanien, mehreren in Großbritannien, einem in Belgien, mehreren in Deutschland (bei uns in der Region: 10. November 2026 in Hannover im Cafe Glockensee), einem Abstecher nach Wien, dann nach Prag und am Ende noch ein paar Konzerten in der Heimat mit dem Abschluss am 4. Dezember 2026 [wie treffend am Tag der Hl. Barbara, Schutzpatronin der Bergleute (Feuerwerker/Artilleristen)]. Und für mich ist Glue der Erstkontakt mit Daily Thompson.

Springen wir auf die subjektive Ebene. Die Person in der Einleitung wurde zwar durch Nirvanas Smells Like Teen Spirit umgehauen, hörte Nevermind rauf und runter. Heute wird Nirvana aber nicht mehr angerührt. Nicht alles, was das Grunge Flannelhemd trug, fand oder findet heute noch Zustimmung. Es ist einfacher, nur die zu benennen, die tatsächlich konsumiert wurden (und bis heute in der "Ewigen Playlist" sind: Temple Of The Dog (nicht aber Soundgarden, obwohl Chris Cornells Stimme grandios war/ist), Pearl Jam, Alice In Chains und Stone Temple Pilots. Andere Vertreter gefielen nicht. Grundsätzlich bestätige ich den Begleittext, nämlich wie einleitend zitiert, dass es so klingt, als sei es der Blütezeit des Grunges, entsprungen. In der gleichen Quelle führt man fort: "Subtil grungy". Ja, Werbung darf propagandistisch sein, monokausal. "Subtil grungy" ist in meinen Augen hingegen eine zarte Untertreibung. Ohne die bisherigen Alben Daily Thompsons in irgendeiner Weise gehört zu haben, wäre ein allergener Warnhinweis auf das Cover opportun [Jedoch nicht, um vor Nuss- oder Selleriespuren (oder -sporen) zu warnen.]: Achtung, das Album enthält deutliche Spuren Nirvanas, Eddie Vedders/Pearl Jams, Alice In Chains'! Dazu eine Prise Smashing Pumpkins und eine stimmliche Nähe zu John Bush, als er bei Anthrax Volume 8: The Threat Is Real am Mikro wirkte. Giftig sind die Spuren allenfalls für die eigene Handschrift der Band. Denn die Metabene ist, dass eine mögliche Inspiration zu deutlich zu einer deutlich wahrnehmbaren Interpretation werden kann. Zu Lasten des Eigenen. 

Im Einzelnen:
Nirvana: Here I Stand  -> Riff der Strophe klingt fast wie das inverse Riff von Lithium nebst Zerrgrad der Gitarre   
Eddie Vedder/Pearl Jam: Chains -> Betonung, Vibrato und Phrasierung in der Strophe 
Alice In Chains: Siam -> Angry Chair-esque mit Art des Gesangs, den Breaks besonders beim Refrain
Smashing Pumpkins: Lovebugs -> Harmonien des Refrains (und by the Way: Pre-Refrain Arpeggiogitarrenriff atmet Pearl Jam/Temple Of The Dog Stil)
John Bush: Workout -> Stimmfarbe im Refrain, besonders bei der 5. und 6. Wiederholung "Do The Workout", allerdings sind ähnliche Timbres dann Zufall, die Art der Betonung erinnerte mich jedoch sofort an John Bush

Der Song BTK, und die Singleankündigung erfolgte im Twilight Magazin, sticht allein schon heraus durch den Leadgesang Mercedes Lalakakis-Bees. Anfangs fand ich das Stück durch die mannigfaltige Rezitation BTKs (und auf dem Weg zum Job überholte ich heute auf der Autobahn zwei LKW der Rosenheimer Spedition BTK - Muah!) eher nervig. Dazu noch der intentional weder exakt intonierte und auf Takt laufende Gesang. Allerdings ist die Bridge nach ca. 2:30 min überaus gelungen, sie entwickelt eine getragene Stimmung, und auch der eruptive Schluss hat eine gute Würze. 

Anspieltipps: Chains, Heart Of Bones, Lovebugs und Fake A Smile (schöner zweistimmiger Refrain).

Fazit: Mir sind etwas zu deutlich die Federstriche anderer in Komposition und Arrangement aufgefallen, daher sollte sich das Dortmunder Trio auf eigene Trademarks fokussieren und reflektieren, was die eigene Herkunft an subtiler Inspiration bereithält. Gut unterhalten wird man vom Album auf alle Fälle (siehe Anspieltipps)! 


Daily Thompson - Heart Of Bones