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Danielle Nicole - Fireflies

VÖ: 28. August 2026  •   Label  Forty Below Records/Bertus

Danielle Nicole - Fireflies

Grammynomierung, mehrfach mit Blues Music Award ausgezeichnet. Tja, trotzdem wohl "nur" einem überschaubaren Publikum bekannt. Vielleicht unter ihrem Geburtsnamen Danielle Nicole Schnebelen, vielleicht durch die Band Trampled Under Foot (so heißt auch ein Lied Led Zeppelins). Ich kannte die singende Bassistin nicht, als ich mein Postfach aufräumte und selektierte, was ich reviewe und was nicht. Das Cover strahlt Retrocharme aus. Neugier obsiegte. Spoiler: Bereut habe ich es nicht.
Mastodons aktuelles Werk entstand nach menschlichem Verlust. Und auch bei Danielle Nicole trifft das zu, vielleicht sogar eine Spur schwerwiegender, denn es war einer ihrer Brüder, nämlich Kris Schnebelen, der verstarb. Auf dem Album hört man sein Drumming.
Die Schnebelens stammen aus dem Westen Missouris, aus Kansas City. Bei dem Namen könnte man deutsche Wurzeln, zumindest alemannische vermuten, irgendwo Elsass oder Breisgau (also die Ecke um Freiburg), grob im Südwesten. Schnabel bzw. durch den Deminutiv "en" kleiner Schnabel oder - wir erinnern uns an Friesen - Sohn des Schnabel, sind Bedeutungen des Nachnamens. Mit einem Wink Richtung Monty Python ist man auch schnell dabei als Übername damit eine Person mit auffällig spitzem oder großen Riechkolben, Zinken zu bezeichnen. Rübennase? Ende etymologischer Exkurs. Ach, Alliteration! Ihre eigene Nase ist eher zart stupsig. Sie selber ist im Jahr 1983 auf die Weltgekommen. Die 2012 verstorbene Etta James ist wahrscheinlich das größte Vorbild. Sie ist eine der großen amerikanischen Sängerinnen des Blues', R&B, Souls, Gospels und trat einst in Kansas City auf, als ein Bluesfestival stattfand. Obwohl die Familie der Schnebelens sehr musikalisch war, die Eltern waren Musiker in Coverbands, war es erst der furchtlose Auftritt jener Etta James', der Danielle Nicole Schnebelen die Klarheit gab, zu singen und aufzutreten. Wie wichtig ihr Etta James wurde, zeigt eine Etta-Tätowierung auf dem linken Oberarm. Sie selber ist Linkshänderin und spielt auch ihren Bass mit links. Ihr Bruder Nick, Gitarrist, ist auch Linkshänder. Ungewöhnliche Häufung.
Mit diesem Review ergeben sich ein paar Verweise, wie eingangs angedeutet. Den einen haben wir bereits mit dem Todesmotiv, der andere ist der Bezug zu Albert Castiglia, der vor ein paar Wochen im Twilight Magazin besprochen wurde. Kris Schnebelen spielte nämlich bei Albert Castiglia einst Drums. Wenn man das Netz bedient, findet man einen Post Danielle Nicole Schnebelen-Millers, so heißt sie komplett, auf Facebook, in der sie die Krebserkrankung (im fortgeschrittenen Stadium) ihres Bruders Kris thematisiert und zum Spendensammeln aufruft. Seine Tochter war zu dem Zeitpunkt gerade zwei Jahre alt, seine Partnerin erwartete die Geburt von Zwillingen im Sommer des selben Jahres. Den Kampf verlor er Anfang Januar 2022. Leben entstand als Leben endete.
Seine Schwester war am Schreiben von Songs. Sie schrieb weiter, dennoch hat - überaus nachvollziehbar - Trauer um Bruder, in jeglicher Hinsicht ihr Seelenverwandter, verhindert, sie fertigzustellen. Es brauchte Zeit und Kraft, die Blockaden zu überwinden. Das Resultat ist das Album Fireflies. 
Trotz dieser Umstände klingt das Album überhaupt nicht schwermütig. Es klingt warm, es klingt kraftvoll. Es hat vor alle Dingen Seele! Abhängig von den Lagen ist die Farbe ihrer Stimme irgendwo zwischen Amy Winehouse (z. B. The Same Love That Made Me Laugh) und Julia Neigel (z. B. Gaslight). Es schwingt lässig (z. B. Take Me Back). Deutlich schlanker instrumentiiert als die Franzosen The SuperSoul Brothers überzeugt das Album Danielle Nicoles genauso wie seinerzeit The SuperSoul Brothers. 

Fazit: Neugierde wird belohnt. Ein von vorn bis hinten stimmiges Werk Danielle Nicoles. 

 

Danielle Nicole - Tug Of War