
Europe – Come This Madness
VÖ: 02. Oktober 2026 • Label Silver Lining Music, Hell & Back Recordings
Europe – Come This Madness
Im RockHard-Interview zeigte sich EUROPE-Frontmann Joey Tempest überzeugt davon, dass es da draußen eine ganze Menge Leute geben müsse, die sich wundern, dass so alte Kerle noch so ein kraftvoll, frisch und aufgeweckt klingendes Album zustande bringen können. Dabei zeigen die Schweden auf ihrem zwölften Album alle Facetten ihres bisherigen Schaffens.
Ungewöhnlich politisch geht es nicht nur im titelgebenden Track zu, sondern auch in „In the Absence of Grace“. Dennoch will sich die Band nach wie vor vor allem als Entertainer verstanden wissen. Dennoch steht den in Würde gealterten Rockern die etwas ernsthaftere Seite auch sehr gut zu Gesicht. Denn auch musikalisch zeigen sich EUROPE weiterhin erwachsen und selbstbewusst. Man hört jeder Note an, dass man es hier mit einer Band zu tun hat, die niemandem mehr etwas beweisen muss oder möchte. Die fünf Rocker, die nun seit mittlerweile fast 25 Jahren ohne Line-Up-Wechsel auskommen, lassen ihre musikalische DNA zusammenfließen und so schimmern mal bluesige, mal rockige und mal etwas modernere Ideen in den Songs durch. Ein Song wie „Scandinavian Eyes“ versprüht jede Menge 70s/80s-Rock-Vibe (THIN LIZZY, RAINBOW und UFO lassen grüßen, während die emotionale Ballade „This Time of Year“ auch in der ersten hälfte der 90er Jahre hätte entstanden sein können. Für mich ein Höhepunkt auf dem Album.
Während mich der straighte Rocker „The Cult Of Ignorance” mehr abholt als der Opener „One on One”, greift ein Song wie „Takin‘ It Back“ oder „The Devil’s Back“ (aus der Feder von Gitarrist John Norum) sogar Elemente aus der Frühzeit der Bandgeschichte auf. Den passenden Abschluss zu diesem Album finden EUROPE mit „Nothing Can Follow This“ mit seiner eingängigen Mittelpassage.
Ich habe EUROPE seit jeher von vielen Mitgliedern der Metalgemeinde für unterbewertet gehalten. Das „The Final Countdown“-Album habe ich ebenso geliebt wie auch „Out of this World“ oder die großartige Ballade „Prisoners in Paradise“. Heute klingen EUROPE anders und vielleicht musste die – für mich schwer zu ertragende – „Start From The Dark“/„Secret Society“-Phase sein, um dort anzukommen, wo EUROPE heute stehen: außerhalb jeder Kritik. Denn jede Note auf „Come This Madness“ zeigt, dass die Band in sich ruht und zu sich gefunden hat. Möglicherweise hatte man in den 80er Jahren mehr herausragende Hits zu bieten, doch als Gesamtwerk wie auch als musikalisches Statement kann „Come This Madness“ auf ganzer Linie überzeugen.
