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Frontline – Rebirth

VÖ: 15. Mai 2026  •   Label  Frontiers Music
Die Geschichte von FRONTLINE reicht bis ins Jahr 1984 zurück, nahm aber erst richtig Fahrt auf, als sie mit „State of Rock“ den Grundstein für ihre Karriere legten. Das Jahr 2022 darf als Zäsur in der Band-Historie angesehen werden, denn mit dem Tod von Robby Böbel verlor die Band nicht nur ihren Gitarristen, sondern auch einen wichtigen Songwriter. 16 Jahre nach „Ultimate Salvation“ soll „Rebirth“ nun die Wiedergeburt der Melodic Rocker kennzeichnen.

Christian Mühlroth hat nicht nur den Posten des Gitarristen übernommen, sondern zeichnet auch für die Produktion verantwortlich. Im Label-Info ist zu lesen, dass der neue Mann in der Band zudem die neue Ära mit frischer Energie und neuen musikalischen Visionen geprägt habe. Das Ergebnis kann sich auch tatsächlich hören lassen. Nicht umsonst erinnert das Artwork von „Rebirth“ an das Debüt, denn stilistisch ist man sich weitgehend treu geblieben und liefert eine gute Dreiviertelstunde AOR-Hardrock ab. Soundtechnisch sticht das Debüt den aktuellen Silberling jedoch aus, denn „State Of Rock“ klang deutlich erdiger und kerniger. Und auch auf „Against The World“ sorgt der etwas rohere Gitarrensound für mehr Ecken und Kanten. Dafür klingen die 14 Songs auf „Rebirth“ natürlich zeitgemäßer und voluminöser, aber eben auch synthetischer. Ich fühle mich vor allem an schwedische Bands wie CREYE erinnert, auch wenn FRONTLINE weniger melancholisch klingen.
Schlechte Songs gibt es auf „Rebirth“ im Grunde nicht. Alle Kompositionen haben Hand und Fuß und man kann das Album von A bis Z immer wieder durchhören, ohne die Skip-Taste bedienen zu wollen. Dennoch fehlt es „Rebirth“ an wirklich großen Momenten. Zwingende Chorusse gibt es eigentlich nicht. Kein Song will bei mir so wirklich im Ohr hängen bleiben und am Ende des Tages bleibt die Feststellung, dass doch alles etwa zu gleichförmig klingt. Dieses Problem wird der Band nicht unbedingt helfen, um sich gegen ihre Kritiker zu behaupten. Denn jüngst war in den sozialen Medien eine Diskussion über den offenbar „nicht deklarierten“ Einsatz von KI-Tools bei der Herstellung des Albums entbrannt. Ein spanisches Online-Magazin berichtete darüber und der Karlsruher Produzent Alex Frey (der auch bei DeVicious spielte) hat den Artikel auf seiner Facebook-Seite geteilt und kommentiert. Das Echo kam umgehend und bekannte Namen wie Carsten Lizard-Schulz (u. a. ex-DOMAIN, ex-SANVOISEN), Hans Ziller (BONFIRE) oder der ehemalige Frontiers-Haus- und Hof-Produzent Alessandro Del Vecchio haben ihren Senf dazu gegeben. Ob sich der durchschnittliche Fan an dem Einsatz von KI stört oder in Zukunft stören wird, wird die Zeit zeigen. Ich vermute, dass es vielen Fans gar nicht bewusst sein wird, ob und in welchem Maße technisch bei einer Produktion getrickst wird und wurde.
Was bleibt also von „Rebirth“? Für die Band stellt das Album sicherlich einen wichtigen Meilenstein dar. Ich höre es mir momentan gerne an, weiß aber auch, dass in wenigen Wochen wahrscheinlich wenig davon in meinem Gedächtnis übrig sein wird. Dafür drängen einfach zu viele talentierte Bands jeglicher Couleur auf den Markt und umgarnen den Fan mit mal mehr, mal weniger gelungenen Kompositionen. Um sich da dauerhaft durchzusetzen und das eigene Revier wirklich nachhaltig zu markieren, muss die Duftmarke vielleicht etwas einprägsamer ausfallen.
Fazit: Mit „Rebirth“ liefern FRONTLINE ein passables Album mit recht guten Songs ab. Der ganze große Wurf gelingt ihnen aber nicht.
Frontline - Alone (Official Audio)