
Green Carnation - A Dark Poem, Part lll: The Messiah Complex
Green Carnation - A Dark Poem, Part lll: The Messiah Complex
Mit “The Messiah Complex” veröffentlichen Green Carnation das Finale bzw. den dritten Teil ihrer “A Dark Poem”-Trilogie, dem wohl ambitioniertesten Projekt der Bandgeschichte seit dem 2001er 60-Minuten-Werk “Light Of Day, Day Of Darkness”.
Nach “Part l: The Shores Of Melancholia” vor einem Jahr, welches die auf aufstrebende Kreativität der Band des 2020er-Comebacks “Leaves Of Yesteryear” eindrucksvoll unterstrich, folgte in diesem Frühjahr mit “Part ll: Sangius” ein Highlight, welches die Green Carnation in jedweder Hinsicht auf dem Zenit ihres Schaffens zeigt und zum Besten gehört, was jemals unter dem Banner der einst von Tchort ins Leben gerufenen Band veröffentlicht wurde.
Musikalisch geprägt wurden Green Carnation fortan allerdings vor allem durch Bassist Stein Roger Sordal und Sänger Kjetil Nordhus, die sich samt ihren Mitstreitern Bjørn Harstad, Endre Kirkesola und Jonathan A. Perez mit der “A Dark Poem”-Trilogie zweifelsohne ein einzigartiges Vermächtnis für die Ewigkeit geschaffen haben.
Doch wie endet die Trilogie nun? Setzt “The Messiah Complex” im Vergleich zu “Sanguis” noch einmal einen oben drauf? Endet “A Dark Poem” mit einem überbordenden Finale oder gar einem großen “Knall”…?
Die Antwort ist schlicht und einfach: Weder, noch…!
Das Album enthält “nur” vier Songs. Sowohl der Opener “Unconditional Artificial Chemistry”, als auch der Titeltrack” sind jeweils im Kontext des Materials der Trilogie relativ straffe Sechsminüter, die kompositorisch die Brücke in die Bandphase zu “A Blessing In Disguise” (2003) und “The Quiet Offspring” (2005) schlagen. Dabei knüpfen sie kompositorisch sowie von der Komplexizität der Arrangements an Teil l und ll der aktuellen Trilogie an. So richtig packen und mitreißen vermögen mich Green Carnation damit aber nicht, beide Lieder bleiben qualitativ etwas unter dem Gesamtniveau von “A Dark Poem”. Das ändert sich allerdings mit “Broken Souls, Common Enemies”, bei dem die Band in knapp neun Minuten erneut alle Register in Sachen Spannung und Dramatik zieht und zur Höchstform aufläuft. Auch wenn ich mich wiederhole: Besser als Green Carnation kann man progressiv-rockigen Metal oder progressiv-metallische Rockmusik nicht komponieren, zelebrieren, spielen und produzieren. “Broken Souls, Common Enemies” markiert dann auch schon den Höhepunkt des finalen Teils von “A Dark Poem”.
Was folgt ist mit “A Dark Poem – Orchestral Suite” ein rund 17-minütiges ambitioniertes, cineastisches Stück zwischen Klassik und Soundtrack, welches diverse musikalische Themen der Trilogie aufgreift und in gewisser Weise für sich selbst steht. Also ein Werk für Kopfhörer und die Leinwand vor den geschlossenen Augen.
“A Dark Poem, Part lll: The Messiah Complex” mag für sich allein genommen nicht essenziell sein, im Kontext der Trilogie ist die Scheibe ein Muss und ein würdiger Abschluss.
