Kiefer William Frederick Dempsey George Rufus Sutherland macht es einem nicht einfach, wenn man für das Review ein Herkunftsland definieren soll. Er ist schottischer Abstammung, wie ein Kamerad gleichen Nachnamens von mir, der aber gar kein gebürtiger Schotte ist. Kiefer Sutherlands Vater ist gebürtiger Kanadier, elr selbst wurde in London, England, geboren, wuchs in Kanada auf, zog wegen der Schauspielerei nach Kalifornien, lebt aber seit einigen Jahren in seiner Geburtsstadt. Also bekam Großbritannien den Vorzug. Dass er in den 2010er Jahren auch das Musikmachen und Produzieren neben der Schauspielerei ernsthaft betrieb, blieb mir nicht verborgen, weil ein langjährig geschätzter Gitarrist, Michael Gurley (vor allen Dingen bekannt durch das kalifornische Rocktrio dada), an seiner Seite ist. Irgendwann hörte ich durch Zufall sein Lied Not Enough Whiskey, was auf seinem Plattendebüt Down In A Hole [2016] veröffentlicht wurde, das gefiel mir, ich kaufte das Album wie auch die beiden Nachfolger Reckless & Me [2019] und Bloor Street [2022]. Insofern war ich sehr neugierig auf das vorliegende Werk Nr. 4 namens Grey.
Dass (Hollywood-) Schauspieler auch Musik machen und Alben veröffentlichen, ist ja so neu nicht: Kevin Bacon, Johnny Depp, Keanu Reaves, Jared Leto, Will Smith, Jamie Foxx, Jack Black, Jeff Bridges usw. Es erleichtert vor allen Dingen durch die Bekanntheit unter der Prämisse, dass die Musik auch gut ist, den Einstieg in Verkaufscharts. Und gerade die Herren Bacon, Jeff Bridges und Kiefer Sutherland haben die Genres Country bzw. America für sich entdeckt. In Großbritannien stieg dann auch Reckless & Me auf Platz 9 in den Fachcharts ein, Bloor Street erreichte durch Nachfrage sogar Platz 1. Sind auch gute Werke. Um es vorweg zu nehmen: Grey ist gut geworden, aber nicht herausragend. Als sehr angenehm empfinde ich das sehr puristische Setting, als habe man sich einfach im Studio getroffen und ohne Schnickschnack Mikrophone verteilt und aufgenommen. Weniger ist manchmal mehr. Kiefer Sutherlands Stimme und gleichsam erzählerisches Singen. Die Songs sind von der Stimmung her eher schwermütig und nachdenklich, Goodbye California, eine der ausgekoppelten Singles transportiert Aufbruch, Neugier, Aufregung, geht nach vorne. Das Lied entwickelt auch einen kleinen Ohrwurm. Jedoch überwiegt in der Gesamtbetrachtung die nachdenkliche Schattierung des Albums, die auch durch das Cover und den Albumtitel hinreichend illustriert wird. Eine herbstliche Gräulichkeit. Und dann liegt die VÖ im Frühling zum Übergang Sommer, wenn alles grün wird und blüht.
Fazit: Wenn man seine Euphorie und Frühlingsgefühle dämpfen will, ran an das Album Grey von Kiefer Sutherland. Oder bei Dunkelheit hören, wenn die Zapfen der Augen das bunte Sehen eingestellt haben und die Stäbchen nur noch Graustufen abbilden.

