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Lex Legion - Lex Legion

VÖ: 12. Juni 2026  •   Label  MNRK Heavy

Der Rex ruht - lang leben die Legionen des Lex!

Es gibt Momente der Musikgeschichte, in denen eine Ankündigung für sich allein schon ausreicht, um die Aufmerksamkeit einer ganzen Szene zu bündeln. Was habe ich für große Augen gemacht, als ich die News erhielt, dass vier Fünftel der klassischen KING DIAMOND-Besetzung der späten 1980er Jahre nun erneut zusammenkommen, um an glorreiche „Them“-Zeiten anzuknüpfen. Erneut haben sich Drummer Mikkey Dee, die Gitarristen Pete Blakk und Andy La Rocque sowie Bassist Hal Patino zusammengefunden. Fehlte nur noch der King. Der sieht jetzt allerdings etwas anders aus und hört auf den klangvollen Namen Nils K. Rue. Aber das macht die neue Band der drei Freunde nur noch interessanter. Für mich ab sofort „K“ für „King“ - Nils King Rue! Nils ist nämlich ein wahrer Vokalakrobat, der als Frontmann der norwegischen Progressiv-Metal-Institution Pagan’s Mind seit über zwei Jahrzehnten zu den faszinierendsten Stimmen des Genres zählt.

Das Ergebnis dieses Aufeinandertreffens trägt den schlichten Namen LEX LEGION und macht von Beginn an klar, wohin die Reise geht. Wer hier spielt, braucht keine Visitenkarte. Bevor man auch nur eine Note hört, lohnt schon der Blick auf die einzelnen Biographien der Musiker. Andy LaRocque, seit 1985 fester Bestandteil von KING DIAMOND, zählt zu den prägendsten Gitarristen des Metals überhaupt. Er ist Komponist, Produzent, Studiobetreiber (Sonic Train Studios, Varberg/Schweden) und Grammy-Nominierter. Sein Spiel auf DEATHs epochalem „Individual Thought Patterns“ (1993) bewies einmal mehr, dass er weit über das KING DIAMOND-Universum hinausreicht. Schlagzeuger Mikkey Dee, Grammy-Gewinner und jahrzehntelang die treibende Rhythmuskraft hinter Motörhead und den Scorpions, liefert am Schlagzeug jenes kompromisslose Fundament, das man von ihm schlicht erwartet. Pete Blakk und Hal Patino vervollständigten gemeinsam mit La Rocque und Dee jene Besetzung, die auf King Diamonds „Them“ (1988) und „Conspiracy“ (1989) den melodischen progressiven Metal für  eine Generation neu definierte. PAGAN’S MIND-Shouter Nils K. Rue gehört zweifelsohne zu den technisch versiertesten und emotional überzeugendsten Sängern des Progressive Metal-Genres und bringt eine Qualität mit in die Gleichung ein, die ein King Diamond selbst nie einsetzen kann. Und das ist auch der entscheidende Punkt: LEX LEGION versuchen auch nicht, den King zu ersetzen. Vielmehr sind sie einen Schritt weiter. Wo es beim KING DIAMOND schon seit längerer Zeit stockt, will man mit LEX LEGION endlich vorankommen. Und diese Band hat das Zeug dazu. Zeitlos, direkt und aufs Wesentliche reduziert. Das selbstbetitelte Debüt eröffnet mit der starken Single „Sleep Eternally“, laut Andy La Rocques eigener Beschreibung, „wie ein Schlag der Faus ins Gesicht“. Hinzu kommt Rues gewaltige Stimmvielfalt, die gekonnt zwischen Höhenflug und dunkler Bedrohung hin und herpendelt. Stets präsent, Dees präzise Schlagzeugarbeit, die mit gewohnter Wucht ein Gerüst errichtet, auf dem sich der Song aufbaut. Die zweite Single „Gypsy Tears“ unterstreicht anschließend die atmosphärische Bandbreite des Albums. Der Track schwankt zwischen treibender Energie und einer fast unheilsvollen Ruhe – ein Song, der bewusst aus dem Rahmen bricht, ohne sich selbst zu verlieren. Hier zeigt sich ganz deutlich die jahrzehntelange Erfahrung und ein kollektives Gespür für Komposition. Auch der Rest des Albums bewegt sich in diesem Spannungsfeld. Beispielsweise zeigen die Songs „When the Stars Align“, „(I Am) The Resurrected“ und „Saviours“ eine Band, die konsequent auf Melodie und Eingängigkeit setzt, ohne dabei handwerkliche Tiefe aufzugeben. Dagegen sind die letzten beiden Songs „Lost Inside“ und „Far Away“ mit rund drei Minuten die kürzesten Stücke der Platte. Einmal mehr der Beweis, dass „Weniger mehr ist“. Dieses Prinzip, sich auf das Wesentliche zu reduzieren, zieht sich quasi wie ein roter Faden durch alle neun Tracks des Werkes und hebt sich dadurch nochmal deutlich von der Vergangenheit ab.

Natürlich ist dennoch „Lex Legion“ kein Album, das den Metal neu erfindet. Wer hier nach experimentellen Ausflügen oder konzeptueller Ausrichtung sucht, wie sie KING DIAMOND stets auf seinen Studioalben zeigte, wird vermutlich enttäuscht werden. Die Band selbst hat es offen kommuniziert: „Man schreibt, was man schreiben möchte – und wer es nicht mag, dem ist das herzlich egal“. Eben diese Haltung macht das Album so erfrischend authentisch. In einer Zeit, in der Reunion-Projekte und Legacy-Formationen allzu oft von Nostalgie und kommerziellem Kalkül getrieben werden, klingt „Lex Legion“ wie das Werk von Musikern, die schlicht und einfach gemeinsam Spaß haben wollen.

Fazit

Somit ist „Lex Legion“ ein starkes, ehrliches und rundum überzeugendes Debüt geworden. Vier Veteranen mit einer gemeinsamen Geschichte, ergänzt durch einen Sänger von außerordentlichem Format, präsentieren ein Album, das von der ersten bis zur letzten Note auf ganzer Linie zu überzeugen weiß. Sei es die Musikalischen Glanzleistungen aller Musiker, die durchdachten und intelligenten Kompositionen oder die glasklare, druckvolle und zeitlose Produktion. Es ist sicher keine Neuerfindung des Rades, aber es ist verdammt nochmal ein gut gebautes Rad.

Der König mag ruhen und irgendwann wieder wach werden. Aber ob dann die Untertanen noch da sind und sich nicht inzwischen den beständigeren Legionen der Rechtschaffenheit angeschlossen haben?

Lex Legion - Gypsy Tears (Official Music Video)