
Moshquito – Dies Irae
Der Bandname lässt es bereits erahnen, dass man es bei MOSHQUITO mit Veteranen zu tun hat. Oder wissen heutige Metalheads noch, dass wir uns in den 90ern Mosher nannten? Und obwohl die Wurzeln weit in die Zeit des Kalten Krieges reichen, legen die Zwickauer mit „Dies Irae“ erst ihr sechstes Album unter dem Namen MOSHQUITO vor. Das hat es dafür in sich…
Kurz nachdem die Band ihr erstes Album angekündigt hatte, brach sie Anfang der 90er Jahre auseinander. Von der Urbesetzung ist heute nur noch Gitarrist Ingo Lohf dabei. Sänger Thomas Berthel gibt auf „Dies Irae“ seinen Studioeinstand, obwohl er nun auch schon mehr als sechs Jahre am Mikro steht. Stimmliche Unterstützung gibt es nach wie vor von Tieftöner André Nebel, der nach Lohf das dienstälteste Bandmitglied ist. Mittlerweile haben die Bandmitglieder auch schon ein gesetzteres Alter erreicht, doch davon ist der Musik rein gar nichts anzumerken.
Die Ostdeutschen haben sich mit Haut und Haaren dem thrashigen Death Metal verschrieben und sie verstehen ihr Handwerk. Zugegeben, das Album hat nicht gleich beim ersten Hören gezündet, aber spätestens ab Runde 2 bleiben immer mehr Passagen beim Hörer hängen – zum Beispiel das semi-akustische Zwischenspiel in „Product of Society“, bei dem es dann auch noch ein gelungenes Gesangsduo gibt. Aber auch das Riffing ist absolute Spitzenklasse und Songs wie „Drones“ (abermals mit viel Variation beim Gesang und teilweise deutschen Lyrics) oder das titelgebende „Dies Irae“ entwickeln sich schnell zu echten Ohrwürmern. Zwar blastet die Truppe auch hier und da mal freudig los (bspw. in „Hang ´Em High“), doch meist bewegt man sich im drückenden Midtempo, was mir besonders gut gefällt. MOSHQUITO geben ihren Kompositionen ausreichend Raum und so werden Intros, Zwischenspiele und Soli nicht unnötig verstümmelt. Längen entstehen dadurch aber nicht, da die Band durchweg songdienlich schreibt und arrangiert („Descent“, „Bread and Games“). Dabei kommen Melodien ebenfalls nicht zu kurz (z. B. „Steadfast“). „The End Is Nigh“ bekommt durch das Wechselspiel von cleanem Gesang und Growls eine besondere Note und der Kontrast erinnert mich fast ein wenig an DEPRESSIVE AGEs Evergreen „Eternal Twins“. Wer befürchtet, dass MOSHQUITO gegen Ende des Albums auf Füllmaterial zurückgreifen würde, der wird mit dem bockstarken „The Flock“, dessen Anfang an eine Mischung aus alten METALLICA und BLIND GUARDIAN erinnert, eines Besseren belehrt.
MOSHQUITO standen nie so richtig im Rampenlicht der deutschen Metalszene, was möglicherweise an der etwas unruhigen Biografie der Zwickauer liegt. Mit „Dies Irae“ liefern MOSHQUITO ein bärenstarkes Thrash-Death-Album, welches Vergleiche mit großen Namen nicht zu scheuen braucht. Wer seinen Hartmetall gerne eingängig und abwechslungsreich, dabei aber klischeefrei und druckvoll mag, der dürfte mit „Dies Irae“ ausgesprochen glücklich werden. Für mich ist das Album auf jeden Fall einer der Geheimtipps des Jahres 2026.
