
Uwe Lulis Project – Analog
Uwe Lulis? Klar, kenn ich den. Ehemals Gitarrist bei (GRAVE) DIGGER und REBELLION sowie bei ACCEPT. Der Mann schwitzt den Teutonenstahl aus jeder Fingerkuppe. Wer aufgrund der Biografie des Hessen blind zum ersten Soloalbum greift, dürfte einigermaßen erstaunt aus der Wäsche gucken, wenn die ersten Töne des Openers „You Don’t My Name“ ertönen.
Albumtitel und Opener könnten glatt als Antithese durchgehen, denn das Album begrüßt den Hörer zunächst mit elektronischen Sounds, die man auf einem 90er-Jahre-Pop-Album erwartet hätte. Doch der Song mausert sich schließlich zu einem handfesten Rocker, der dennoch kaum etwas mit Lulis‘ bisheriger Vita zu tun hat. Mit „Faust (To Hell And Back)“ widmen sich Lulis und Band einem Klassiker der Literatur und kreuzen musikalisch stellenweise die DNA von Metal und Gothic Rock. Da dürfte „Midnight In The Night Of Ghosts“ den Metalfan noch eher abholen. Doch schon in „Shadowking“ und „Lady Nosferatu“ tobt sich Lulis wieder nach Herzenslust aus und mischt seinen Riffs jede Menge Keyboards und Programmings unter, was den Songs einen Hauch von M’ERA LUNA Festival verleiht.
Die zweite Albumhälfte fällt dann insgesamt weniger experimentell aus und die Songs sind im Wesentlichen für traditionelle Metalfans leichter verdaulich.
Schon nachdem man „Analog“ das erste Mal durchgehört hat, wird einem klar, dass diese Songs nicht ins Konzept von ACCEPT oder einer anderen Teutonic Metal Band gepasst hätten. Insofern tut Lulis auch gut daran, das Ganze als Soloprojekt unter seinem Namen zu veröffentlichen. Mir erschließt sich das musikalische Gesamtkonzept des Albums nicht so ganz. Die Songs sind nicht schlecht, so richtige Kracher habe ich aber noch nicht ausmachen können. Dass das UWE LULIS PROJECT mit „Analog“ in der Metalgemeinde ähnlich viel Zuspruch erfahren wird wie etwas D.A.T.O.G. mit „Babylon“ wage ich etwas zu bezweifeln. Unterm Strich bleibt „Analog“ wohl ein Album, auf dem sich Uwe Lulis mal so richtig ausgetobt und einfach das gemacht hat, wozu er Bock hatte. Und das ist sicherlich sein gutes Recht.
