
Sable Hills - Homura
Ein musikalischer Volltreffer aus Tokio
Eigentlich bin ich mit einer recht klaren Erwartung an die Arbeit gegangen: Metalcore, cleane Refrains und wuchtige Breakdowns. Doch bereits beim ersten Hördurchlauf wurde mir klar, dass hier weitaus mehr geboten wird. Mit „Homura“ verbinden SABLE HILLS beeindruckende Härte und japanische Klangtradition zu einem eigenständigen Metalcore-Album.
Spätestens mit dem Gewinn des Wacken Metal Battle 2022 machten SABLE HILLS international auf sich aufmerksam. Nach „Embers“ (2019), „Duality“ (2022) und „Odyssey“ (2024) folgt nun das vierte Studioalbum. Darauf verbindet die Band ihre Metalcore-Wurzeln mit melodischen Death-Metal-Elementen und einer unverkennbaren japanischen Atmosphäre.
SABLE HILLS verstehen das Metalcore-Handwerk. Das zeigt sich bereits auf „Scars“. Kraftvolle Shouts treffen auf eingängige Clean-Vocals, während Gitarren und Schlagzeug für ordentlich Vortrieb sorgen. Auch „Godforsaken“ und „Closure“ bewegen sich stärker im klassischen Metalcore-Gefilde, ohne austauschbar zu wirken. Im bereits als Single veröffentliche Song „Labyrinth“ erinnert mich der aggressive Gesang stellenweise an Randy Blythe von Lamb of God.
Ihr eigentliche Potenzial entfaltet die Band jedoch immer dann, wenn sie japanische Einflüsse in den Vordergrund rückt. „Namu“ ist dafür das beste Beispiel: Mönchsgesang als ethnisch geprägtes Gesangselement und eine traditionelle Instrumentierung (Ob Shamisen oder Koto kann ich mit meiner Laien-Kenntnis nicht heraushören) verleihen dem Song einen enormen Wiedererkennungswert. Dabei geht die Härte nicht verloren. Auch „Higanbana“ nutzt diese Verbindung und ergänzt sie um einen Breakdown, der stellenweise an die dramaturgische Wucht von Lorna Shore erinnert. Für mich bilden diese beiden Stücke das Herzstück des Albums. Sie zeigen, wie eigenständig Metalcore klingen kann, wenn eine Band ihre kulturellen Einflüsse nicht nur als Dekoration verwendet, sondern sie mit einem Ziel in die eigene Musik einarbeitet.
Eine besondere Stellung nimmt auch der Titeltrack „Homura“ ein. Statt wieder mit maximaler Härte aufzuwarten, setzt die Band zunächst auf eine getragene, beinahe märchenhafte Melodie, die bei mir unweigerlich Assoziationen zu „Chihiros Reise ins Zauberland“ weckt. Das Gesangs-Feature von Fuki (Unlucky Morpheus, DOLL$BOXX) erweitert den Song um eine zusätzliche klangliche Dimension. Mit „Outspoken“ folgt anschließend ein wuchtiger Kontrast mit groovenden Riffs, der mich stellenweise an Five Finger Death Punch und Slipknot erinnert.
Was mich an „Homura“ jedoch am meisten beeindruckt, ist das Gespür der Band für das richtige Maß. SABLE HILLS scheinen genau zu wissen, wann ein Song eine eingängige Hook oder Melodie, einen brutalen Scream oder einen markerschütternden Breakdown benötigt. Technische Fähigkeiten allein machen schließlich noch kein herausragendes Album – entscheidend ist, wie sie im Songwriting eingesetzt werden. Und genau hier überzeugt „Homura“ auf ganzer Linie. Hinzu kommt eine qualitativ hochwertige Produktion, die zum Eindruck beiträgt: This album kicks ass.
Mit „Homura“ liefern SABLE HILLS Härte, Melodik und vor allem Eigenständigkeit ab. Am Ergebnis gibt es kaum etwas auszusetzen. Die klassischen Genre-Elemente sitzen, die außergewöhnliche Verbindung mit japanischen Klangtraditionen hebt das Ganze auf ein nächstes Level. Für mich schon jetzt ein heißer Kandidat für das Album des Jahres.
