
Servant - Lux Ex Inferis
Neues Licht aus der Unterwelt - vierter überragender Streich der niedersächsischen Black-Metal-Formation
Als ich Servant zum ersten Mal live sah, wurde ich mit dem Sänger nicht so recht warm. Sein Auftreten wirkte auf mich etwas gekünstelt und stellenweise fast ein wenig zu selbstbewusst. Mittlerweile sehe ich das deutlich entspannter und finde seine Bühnenpräsenz sogar ziemlich cool. Vielleicht liegt das auch daran, dass er mich mit seinem Corpsepaint ein wenig an eine Mischung aus Eric Draven aus „The Crow“ und Imperator Palpatine aus „Star Wars“ erinnert.
Farago, der Kopf der Band, bringt auf der anderen Seite aber auch genau die richtige Mischung aus Ausdrucksstärke, Bedrohlichkeit und Geheimnis mit. Neben SERVANT ist er übrigens auch bei ÜBERGANG und UNDER THE NIGHT SKY aktiv, zuvor spielte er unter anderem bei ANCIENT WARGOD, IN HER EMBRACE und NAILHEAD. Man merkt also schnell, wie tief er in der Szene verwurzelt ist. Diese Erfahrung spiegelt sich auch in der Entwicklung von SERVANT wider: Fünf Jahre nach ihrer Gründung haben sich die Musiker aus Hannoversch Münden vom Geheimtipp zu einer festen und respektierten Größe im europäischen Black Metal entwickelt.
Auf ihrem vierten Album „Lux Ex Inferis“ bleiben sie ihrem melodischen und zugleich kompromisslosen Black Metal treu, führen ihn aber konsequent weiter. Intensität, Atmosphäre und Leidenschaft verschmelzen dabei zu einem eigenständigen Klangbild. Epische Songstrukturen und schwermütige Melodien treffen auf wuchtigen Schwarzmetall und ergeben einen vielschichtigen Sound. Allen voran die Singles „Tabula Rasa“, mit genialer Unterstützung vom Shouter der Oberbayern GROZA und „De Profundis“ mit der Sängerin der Sachsen von NORNÍR. Beim erstgenannten zeigt bereits der Titel, wo es langgeht, komplettiert mit unsterblichen Tonlinien. Überhaupt ist das Gespür für die besagten epischen, eindrucksvollen und atmosphärischen Melodien deutlich hervorzuheben, genauso wie die Kunst, fast alle Songs punktgenau und nicht zu lang entstehen zu lassen.
Die Band selbst versteht das Album als Balance zwischen Kontinuität und Weiterentwicklung: Es klingt vertraut, blickt aber dennoch nach vorn – unnachgiebig, kraftvoll und von dunkler Anziehungskraft geprägt. Inhaltlich geben bereits die lateinischen Titel „De Profundis" und „Tabula Rasa“, aber auch der Albumname („Licht aus der Unterwelt“) die Richtung vor. Für zusätzlichen Gastgesang auf den beiden Stücken holte sich die Band - wie schon erwähnt - Lethian (von NORNÍR) und P.G. (von GROZA) ins Boot. Lohnenswert sind auch beide Videos der Singles - eine übernatürliche Bedrohlichkeit perfekt in Szene gesetzt.
Produziert und gemischt wurde das Album von Sänger und Gitarrist Farago selbst, was einmal mehr das ambitionierte Werk der Niedersachsen untermauert. Die Aufnahmen entstanden im Katzbach Studio, wo Dennis Poschwatta auch das Mastering übernahm. Komplettiert von einem verträumten Artwork der Gestaltungsschmiede Misanthropic-Art als Gegenpart zur musikalischen „Raserei“.
FAZIT:
Nach dem international beachteten „Death Devil Magick“ steht SERVANT mit „Lux Ex Inferis“ nun vor der nächsten Bewährungsprobe. Die Voraussetzungen stimmen jedenfalls: eine klare stilistische Handschrift, ein eingespieltes Line-up und der Mut, das eigene Songwriting behutsam weiterzuentwickeln, ohne die melodische DNA der Band aufzugeben. Ob das Album die Fans am Ende überzeugt, muss wie immer die Zeit zeigen. Das Potenzial dazu - inkl. beeindruckender Erscheinung und Performance des Sängers Farago - hat „Lux Ex Inferis“ auf jeden Fall!
