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The Barbarians Of California - Megatons

VÖ: 21. August 2026  •   Label  Villains For Good/Two Twenty Five Music

The Barbarians Of California - Megatons

Und da flog eine Email ins Postfach. "Naja, evtl [sic!] dann dann was für Martin." stand da kommentiert. Warum ich? Der Kritiker mit der flexiblen Genrepräferenz? Hatte ich nicht gerade bei Mastodon was zu Barbaren geschrieben? Genug der Fragezeichen. Ärmel hochkrempeln, Ohren gespitzt und aufgeschlossen sich dem Unbekannten annähern. 
Das Bandphoto zeigt eine Formation, bei der ich irgendwie gleich an Electric Callboy denken musste. DAS ist kein Aufzug von echten Hardcore-Typen, sondern schrägen Vögeln. Und das Musikvideo zu Earthquake nährt die Annahme. Das ist eher visueller Kontrast zur Musik. Dazu später mehr. Die Formation The Barbarians Of California [TBOC] wurde 2024 von Aaron Bruno gestartet. Bei ihm sei in der Jugendphase ein Aufmerksamkeitsdefizitssyndrom diagnostiziert worden, was ihm den Spitznamen AWOL einbrachte. Eine im Militär geläufige Abkürzung, die als Absence without Leave aufgelöst wird. Bei uns die sog. unerlaubte Abwesenheit bzw. ab drei vollen Kalendertagen die nach § 15 WStG strafbewehrte und an eine zivile Staatsanwaltschaft abgabepflichtige Wehrstraftat. Aaron Bruno verpieselte sich aus Sicht seiner Peer vorzeit von Partys ohne ihnen was zu sagen. Aus seiner Sicht der einfachere Abschied/Abgang. Ganz der Punk. Punk war auch im ersten Ansatz seine bandmusikalische Spielwiese. Um 2010 herum formierte er die Band Awolnation, die stilistisch ein Kessel Buntes aus Alternative Rock, Electronic Rock, Indie Rock, Electropop, Pop-Rock, Dance-Rock, Post-Grunge ist. Wie schon erwähnt, startete er 2024 dann parallel TBOC. In der aktuellen Besetzung sind mit ihm noch Gitarrist Zach Irons und Drummer Linden Reed auch bei Awolnation beschäftigt. Megatons ist Platte Nr. 2 von ihnen. Ihren ursprünglichen Drummer Isaac Carpenter vorloren sie an Guns N' Roses. Allerdings verpflichtete Axl Rose TBOC als Vorgruppe für US Konzerte Guns N' Roses'. Auch haben sie eine Bestätigung für Headlinerspots. Läuft also für die Kalifornier. Die Promoagentur ordnet ihren Stil als "handfester Hardcore - Metal [sic!] Punk" ein. Für mich ist das Gehörte gesanglich unstrittig Hardcore. Punk höre ich musikalisch gar nicht heraus, sondern eher modernen Metal mit Downtunings auf extenteded Range (mehr als sechssaitige) Gitarren. Dazu ein paar Ausflüge in Electrobereiche. Joa, die Spielzeit unter einer halben Stunde oder die Liedlänge von regelmäßig unter drei Minuten ist schon punkig. Zwölf Titel verteilt auf 27:13 min. Davon fallen noch zweimal eine Minute auf musikuntermalte Rezitative [einerseits eine Abhandlung über Megatonnen als Maßeinheit für die Kraft von (Nuklear-) Waffen, anderseits das Wiederholen des Imperativs die Platten im Keller zu verstecken). Also zehn Musiktitel für 25 min. Aaron Brunos gellende Shouts geben der Mucke eine gewisse Aggressivität. Die Ausnahmen sind die beiden Einminüter, das beinahe The Bard’s Song: In the Forest-hafte Shark Out Of Water sowie das letzte Electrodrittel von Really Really Rad. Nochmals zurück zu Shark Out Of Water: Keine Angst! Die hymnische Kraft des Bard's Songs entfaltet es nicht, da haben Blind Guardian einfach unerreichbar vorgelegt und vor allen Dingen bei ihren Konzerten durch Einbezug der Fans - und nimmt man hier alleine ihre W:O:A: Auftritte heran - Goosebumpswirkung konditioniert, wenn allein der Titel genannt wird. Es hechelt der pawlowsche Hund. 
TBOC ist Metal, aber nichts für True Metal Fans. Hier wird eher ein anderes Stereotyp bedient: Keine Kutte, Basecap, T-Shirt, Multipockettrousers, Sneakers. Wer also eher moderne Spielarten des Genres mag, garniert mit Hardcoreshouts, wird Gefallen finden an TBOC. 

Fazit: Ich war gerne Versuchskaninchen für The Barbarians Of California. Die behalte ich auf dem Radar. 
The Barbarians Of California - Earthquake