
Necrocene – Scumocracy
Unter „Antrophozän“ versteht man ein Zeitalter, in dem der Mensch die wichtigste Kraft der Veränderung der Welt ist. Davon ausgehend beschreibt das „Nekrozän” das Endzeitalter, in dem der Mensch die Verantwortung für das weltweite Sterben und den Niedergang trägt. Den passenden Soundtrack zu dieser Endzeitvorstellung liefern NECROCENE mit ihrem Debüt-Album „Scumocracy“.
Ihre Wurzeln haben die Italiener in der Punkszene, auch wenn Gitarrist Alex Rossi nebenbei noch bei der Metal-Band KONQUEST in die Saiten greift. Die entsprechende politische Einstellung, gepaart mit einer Vorliebe für aggressive Sounds, führte den Fünfer zurück in die 90er und zu den Wurzeln des Death Metal. Der Fokus liegt dabei deutlich hörbar auf der amerikanischen Morissound-Szene, aber auch auf dem Frühwerk der Engländer von CANCER. HM2-Sägen sucht man hier indes vergebens. Ganz ihrer Punk-Attitüde entsprechend, hat man sich bei der Produktion um Rohheit und Minimalismus bemüht, um möglichst nah an den Sound der Vorbilder heranzukommen. Wer hochglanzpolierte Produktionen liebt, der wird sich hier enttäuscht abwenden. Wer jedoch die naive Rohheit und Unbefangenheit des frühen Death Metal schätzt und zudem auf drückende Riffs im Midtempo-Bereich steht, der wird „Scumocracy“ lieben. NECROCENE streben weder beim Songwriting noch bei der Produktion nach technischer Perfektion, sondern lassen viel mehr die naive Unbedarftheit der Anfangsjahre des Genres wieder aufleben. Das gefällt!
Inhaltlich geht es in den Songs von NECROCENE zwar auch um Tod, Teufel und das Ende der Welt, jedoch mit dem ernüchternden Blick auf den Zustand der Welt und das Handeln der Menschheit. Irgendwie jagt mir das eher einen kalten Schauer über den Rücken als die blutgetränkten Metzel-Poesie von CANNIBAL CORPSE und Co.
GRUESOME, INHUMAN CONDITION, LEFT TO DIE & Co. sorgten bereits in den letzten Jahren dafür, dass die Fahne des Death Metal hochgehalten wird. Und auch NECROCENE tun alles, um das Erbe von BOLT THROWER, CANCER („Human lithification“), DEATH (alles) oder OBITUARY in Ehren zu halten, während man inhaltlich eher auf NAPALM DEATH-Pfaden wandelt. Das Artwork aus der Feder von Samuele Scalise rundet das Gesamtbild ausgesprochen stimmig ab.
NECROCENE liefern mit ihrem Debüt „Scumocracy“ eine perfekte Hommage an ihre Death-Metal-Helden aus den 90er Jahren ab und sind doch so viel mehr als bloß ein lauwarmer Aufguss des Altbekannten. NECROCENE verstehen es, Songs zu schreiben und diese auch mit Inhalt zu füllen, der jenseits der bloßen Gore-Stangenware liegt.
Den Italienern NECROCENE ist mit „Scumocracy“ ein herausragendes Debüt gelungen, denn selten hat Altbekanntes so frisch, lebendig und gut geklungen.
