In der Regel enden norwegische Bands, die sich von Land, Leuten und Folklore ihrer Heimat inspirieren lassen, als garstige Black Metal Combo. Dies bleibt uns mit TOMORROW’S OUTLOOK Gott sei Dank erspart. Stattdessen sind die Nordmänner überzeugt, mit „Black Waves“ endgültig ihren eigenen Stil gefunden zu haben: Artic Heavy Metal.
Machen wir uns nichts vor. Als erster Vergleich werden jedem Hörer zunächst Bruce Dickinson und IRON MAIDEN in den Sinn kommen, wenn Tony Johannessen loslegt. Der Mann hat einfach ein göttliches Organ, kann sich aber eben natürlich auch nicht vom „Vorwurf“ freimachen, dem Briten Dickinson nachzueifern.
Musikalisch gehen TOMORROW’S OUTLOOK aber eine ganze Ecke zackiger zu Werke als IRON MAIDEN und erinnern daher eher an US-Metaller wie ATTIKA, düstere Power Metaller wie SYMPHONY X oder melodiöse Mitstreiter wie CRYSTALLION zu „Hundred Days“-Zeiten. Die Band erzählt auf ihrem dritten Album die Geschichte einer norwegischen Küstenregion und die Songs drehen sich im Wesentlichen um Folklore und Aberglauben. Thematisch passt das gut zum düsteren Melodic Power Metal der Norweger.
Während der Vorgänger „A Voice Unheard“ noch von Roy Z produziert wurde, hat die Band „Black Waves“ selbst produziert und Mix und Mastering in die Hände des Wolfsburgers Sascha Paeth gelegt. Das Ergebnis kann sich hören lassen und das Album klingt kraftvoller, organischer und kompakter als der Vorgänger.
Die Reaktionen auf „Black Waves“ im digitalen Blätterwald sind weitgehend positiv, auch wenn die Kollegen von www.metalcrypt.com der Meinung sind, dass dem Album große Refrains und eingängige Melodien fehlen würden und somit letztlich auch wenig hängen bliebe. Ganz Unrecht hat der Kollege MetalMike mit seinem Urteil nicht. Denn das Album benötigt auf jeden Fall einige Anläufe und auch dann setzen sich kaum Melodien oder Songs im Ohr oder Gedächtnis fest. Eine Ausnahme stellt nach meinem Dafürhalten „Oceans of Sadness“ dar, welches wohl der eingängigste Song auf dem Album ist. Dessen ungeachtet, handelt es sich bei Nummern wie „The Monument“ oder „Silver Ghost“ um klasse Metal Songs, die dem Schlager-Metal-verwöhnten Hörer aber eben auch etwas mehr Hingabe abverlangen, als POWERWOLF und SABATON es tun.
Randnotiz: Auch auf „Black Waves“ gibt es mit „The Still“ wieder – wie auf „A Voice Unheard“ – einen Song der russischen ARIA. Die Band wird von vielen westlichen Metalbands immer wieder als großer Einfluss genannt – so hatten bspw. auch CRUEL FORCE die Band als Einfluss genannt.
Rado Javor hat „Black Waves” mit einem erstklassigen Artwork versehen und es ist schade, dass das Album nur digital oder als CD erhältlich ist. Das Cover schreit regelrecht nach einem großen Format wie Vinyl.
TOMORROW’S OUTLOOK liefern mit „Black Waves” ein rundum gelungenes Album ab – und zweifellos das bislang stärkste ihrer bisherigen Karriere. Wem IRON MAIDEN seit Jahrzehnten zu lasch sind und wer bereit ist, sich auf düsteren Metal mit progressiver Kante einzulassen, der wird an „Black Waves“ seine Freude haben.