„Ein starkes Statement und wahrscheinlich eines der ambitioniertesten Symphonic Power Metal Alben des Jahres 2026.“ Große Worte, die die Erwartungen an das zweite Album der deutschen Symphonic Power Metal Recken von TIMESLESS RAGE nicht gerade vermindern. Aber heutzutage soll man ja groß denken…
Der Sechster aus Villingen-Schwenningen hat sich in seiner Karriere zwar nicht als besonders produktiv gezeigt, weshalb „My Kingdom Come“ nach der Gründung im Jahr 2012 erst das zweite Album ist, will dieses dafür aber besonders ambitioniert angehen. Inhaltlich wurde deshalb zum Rundumschlag ausgeholt: Religiöse und gesellschaftliche Strukturen werden ebenso hinterfragt wie der Kreislauf von Leben und Tod in den Blick genommen. Der Rest der Songs beschäftigt sich mit den Themen Macht, Freiheit, Rebellion, Liebe, Schuld und Krieg. Mehr geht nun wirklich nicht. Doch Obacht: Es sollen sich auch schon Bands an ihren Ambitionen verhoben haben.
Doch TIMELESS RAGE scheinen gut aufgestellt zu sein. Mit Nicolaj Ruhnow (u. a. ex-TOKYO BLADE, ex-DOMAIN) steht ein neuer Mann am Mikro, der seinen Job absolut professionell erledigt und wirklich gute Vocals abliefert. Der 52-Jährige ist erst relativ spät in seinem Leben in die Profimusik eingestiegen, legt nun aber seine ganze stimmliche Bandbreite in die Songs. So klingen TIMELESS RAGE schließlich auch dank des guten Gesangs nicht nach einem bloßen EDGUY- oder HELLOWEEN-Klon. Vielmehr wird der Versuch unternommen, mit den Songs Geschichten zu erzählen, was einen gewissen Variantenreichtum der Stimme erfordert. Ruhnow wird dieser Aufgabe gerecht.
Musikalisch bewegen sich die Süddeutschen irgendwo zwischen EDGUY, SEVENTH AVENUE, NARNIA, TAD MOROSE, BLOODBOUND und MYSTIC PROPHECY. Die Keyboards werden meist dezent eingesetzt, was den Songs gut zu Gesicht steht. Trotzdem darf es bei Songs wie „A Vampire’s Legacy“ auch mal eine Portion mehr sein. Doch letztlich werden alle Elemente des Stils bei TIMELESS RAGE mit gutem Augenmaß eingesetzt, so dass die Band stets mit beiden Beinen im Metal bleibt und nicht droht, in kitschiges Geplärr abzurutschen. Dass die Musik der Band auch reduziert funktioniert, wird in „Regrets“ unter Beweis gestellt.
Ihren stärksten Moment heben sich TIMELESS RAGE allerdings bis zum Schluss auf, denn „The Pale Death“ entpuppt sich für mich als der stärkste und eingängigste Song des Albums. Ohne in Schlager-Metal-Gefilde abzudriften, kann „The Pale Death“ nicht nur durch ein abwechslungsreiches Arrangement überzeugen, sondern vor allem mit einem großen Refrain, der sich schnell im Ohr festsetzt. Man darf sich sicher sein, dass sich dieser Song zum Live-Liebling entwickeln dürfte.
TIMELESS RAGE liefern mit „My Kingdom Come“ einen starken Nachfolger zu „Untold“ (2022) ab, auf dem Neuzugang Nicolaj Ruhnow glänzen kann. Optisch wird das Ganze durch ein schönes Artwork aufgewertet. Und obwohl das Album keine Stinker enthält, erreichen die meisten Songs aber leider auch noch nicht die Champions League, weshalb man sich für den Moment noch hinter den Großen des Genres einreihen muss. Wenn man auf dem nächsten Album mehr Songs vom Kaliber des Rausschmeißers „The Pale Death“ präsentiert, dürfte sich das aber schnell ändern.