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Yngwie Malmsteen – Hell or High Water

VÖ: 13. November 2026  •   Label  Music Theories Recordings, Artone Label Group

Yngwie Malmsteen – Hell or High Water

Dieser Backenbartträger möchte das Expertenteam im Pulheimer Walzwerk mit einem ganz besonderen Glanzstück überzeugen. „Als ich anfing, Alben aufzunehmen, habe ich einfach die Songs genommen, die ich so herumliegen hatte.“*, erklärt Malmsteen selbstbewusst. Ob es sich bei den neun Stücken tatsächlich um „Geschenke“ handelt, wie Malmsteen angibt, wird nun unser Experte Shred Slaymaneck beurteilen.

„Von wo kommst du denn wech und mit wem habe ich die Ehre?“

„Ich bin der Yngwie und komme ursprünglich aus Schweden, lebe aber seit geraumer Zeit in Florida. Ich habe euch heute etwas ganz Besonderes mitgebracht, meine neue CD namens „Hell Or High Water“.“

„Ja, mein lieber Yngwie, dann bin ich natürlich der Horst und den Shred kennst du ja schon. Sach doch mal, Shred, um was handelt es sich denn hier?“

„Also, der Yngwie hat uns hier eine kleine silberne Scheibe mitgebracht. Das war in den späten 80ern und 90ern der letzte Schrei. Und zwar handelt es sich hierbei nicht um einen Schminkspiegel, sondern um eine sogenannte CD, eine Compact Disc. Und mittels dieser CD kann man Musik über eine Stereoanlage abspielen. So ähnlich wie Streaming, nur eben für ältere Hörer. Ich lege die Scheibe mal ein und drücke die Play-Taste, dann sollte gleich die Musik aus den Boxen ertönen.
Und siehe da: Man könnte meinen, dass sich Vivaldi, Bach und Paganini mit dem Elektroschocker duellieren. Doch tatsächlich haben wir es hier mit einer besonders ausgeprägten Form von Flitzefingeritis zu tun, wie sie seit den 80er-Jahren von verschiedenen Gitarristen praktiziert wird. Dabei verschmelzen neoklassische Einflüsse mit Hard Rock und Heavy Metal. Und ich muss zugeben, dass ich derartige Mischungen schon hier und da gehört habe und man findet solche Musik auch verschiedentlich auf dem Markt. Jedoch darf ich sagen, dass die hier dargebotene Geschwindigkeit und Fingerfertigkeit schon beeindruckend und außergewöhnlich sind. Und natürlich ist der Name Malmsteen für Liebhaber auch kein Unbekannter. Es gibt Sammler und es gibt definitiv auch einen Markt dafür, auch wenn die Alben aus der Feder des Künstlers von unterschiedlicher Qualität sind und vor allem in den letzten Jahren durchaus Anlass zur Kritik gegeben haben. Dies hatte zur Folge, dass die aufgerufenen Preise wirklich nur von absoluten Liebhabern gezahlt wurden, während sich andere Fans doch eher mit dem Frühwerk des Künstlers beschäftigt haben.
Während Malmsteen in der Vergangenheit oftmals hochklassige Sänger (u. a. Jeff Scott Soto, Mark Boals, Joe Lynn Turner oder Göran Edman) verpflichtet hat, zeigt ein Blick in das beigefügte Infoschreiben, dass der Gitarrist das Album im Wesentlichen mal wieder im Alleingang eingespielt, aufgenommen und produziert hat – lediglich an den Drums gab es Unterstützung von Jay Lannerbach. Auch den Gesang hat er selbst übernommen, obwohl es dafür in der Vergangenheit durchaus auch Kritik hagelte. Und tatsächlich muss ich gestehen, dass mich die erste Single zunächst überhaupt nicht überzeugen konnte. „Now Or Never“ ist ein guter Song und der Gitarrensound gefällt, doch Gesang und Drums wurden derart seltsam hineingemischt, dass man zunächst glaubt, eine Fehlproduktion vorliegen zu haben. Es erfordert einige Hördurchgänge, bevor sich das Gehör auf den eigenwilligen Mix eingestellt hat. Immerhin muss man festhalten, dass Yngwie auf diesem Album am Mikro keine schlechte Figur abgibt.
Das Artwork ist denkbar unspektakulär und minimalistisch und rückt dennoch die wesentlichen Merkmale des Albums in den Fokus: Yngwie und seine Strat. Um mehr geht es auf „Hell or High Water“ nicht – jedoch auch nicht um weniger.
Wer dringend eine Dosis neoklassischen Shred benötigt, der bekommt hier genau das in höchster Konzentration. Für mich sticht zwar kein Song – im Sinne eines Hits – sofort besonders heraus, doch als Gesamtwerk weiß „Hell Or High Water“ schon zu begeistern und der Altmeister flitzt dem jungen Shred-Nachwuchs in Nummern wie „Am Caprice/Hell Or High Water“, „Antikythera“ oder „Prestissimo In Bm/Adagio“ regelmäßig davon. Mit „On The Battlefield“ oder „(He is) Living A Lie” gibt es zudem gelungene Hard-Rock-Songs in bester Malmsteen-Manier. Und am Schluss erinnert das fast 8-minütige „Father“ an Malmsteens verstorbenen Vater.“

„Ja, lieber Yngwie, soweit Shreds Expertise. Nun hau mal einen raus. Wie viel hattest du dir denn nun für dein neues Album so vorgestellt?“

„Um ganz ehrlich zu sein, hatte ich mir schon so 15-16 Punkte vorgestellt.“

„Man muss auch mal gönne könne. Lieber Yngwie, du bist ne janz dufte Bursche und wir Bartträger müssen ja auch zusammenhalten, weswegen ich dir sogar die 16 Punkte gönnen würde – auch wenn 15 Punkte unsere Höchstpunktzahl sind. Aber der Shred hier, der kennt sich aus und der wird uns jetzt verraten, was „Hell Or High Water“ wirklich wert ist.“

„Horst, du hast Recht, man muss auch gönnen können. Trotzdem darf man hier nicht übersehen, dass es dem Album an wirklich herausragenden Hits mangelt, die sich sofort im Ohr festsetzen. Zudem muss man die seltsame Produktion berücksichtigen, denn da hätte ein stimmigerer Mix dem Album durchaus gutgetan. Als „sehr Malmsteen-esques“ Gesamtwerk und zum Stillen des Hungers nach neoklassischem Flitzefinger-Hard-Rock weiß „Hell Or High Water“ aber durchaus zu gefallen. Meine Schätzung liegt daher etwas niedriger, bei 10-12 Punkten.“

„Damit kann ich leben, Shred. Wenn sich die Musik für mich gut anfühlt, reicht das. Dass sie anderen gefällt, ist nur ein Bonus. „Scheitern ist keine Option. Ich lasse mich von niemandem in meinem Tun beeinflussen. Denn ich kann dir versichern: Niemand ist ein härterer Kritiker als ich selbst. Ich mache keine Zugeständnisse. Das liegt einfach nicht in meiner Natur.“*

„Na gut, da kann man dir wohl die Händlerkarte geben. Und vielleicht findest du ja im Händlerraum oder unter deinen Fans jemanden, der dir die 15 Punkte gibt. Viel Glück, da drübbe geht’s raus.“

*Zitate aus dem Bandinfo
Yngwie Malmsteen - Now Or Never (Official Music Video)
Yngwie Malmsteen - Beyond Zeta Reticuli (Official Music Video)