Samiam

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SAMIAM haben aber insbesondere in Europa eine treue, eingeschworene Fangemeinde. Ich setzte mich mit Gitarrist John bei einem Bier zusammen und der wünscht erstmal aus vollem Herzen „Prost“. Da stellt sich die Frage, wie weit die sonstigen Deutschkenntnisse gediehen sind.

Scheißkaff, Du bist ein kleiner süßer Hampelmann, Lieben ist ein Ponnyhof – das habe ich extra geändert.

Ok, Schluss mit dem Deutschtest. Der Tourmanager hat mir gesagt, dass das Interview verschoben werden musste, weil ihr alle beim Tätowierer ward. Was hast Du Dir stechen lassen?

Unser Booker, der ein guter Freund von uns ist, hat heute Geburtstag und wollte, dass wir uns alle einen Anker tätowieren lassen. Als wir dann da waren, hat es aber sehr lange gedauert und nur Jason und Charlie haben ein neues Tattoo bekommen.

SAMIAM sind nicht mehr so populär wie sie mal waren. Was ist es, das Euch antreibt, all die Jahre weiterzumachen?

Es macht Spaß und wir sind glücklich. Wir spielen gern die Musik, die wir machen und wir kommen viel rum. Es ist eher ein Hobby. Wir verdienen damit nicht viel Geld. Alle verdienen mit ihren regulären Jobs mehr, aber es macht einfach Spaß in Europa vor Leuten zu spielen, die deine Musik mögen.

OK, das versteh ich und was motiviert Euch, auch neue Platten aufzunehmen? Ihr könntet ja auch so touren, genug Klassiker gibt es ja.

Es wird einfach langweilig, immer dieselben alten Songs zu spielen. Ich schreibe immer Songs; zuhause habe ich noch drei andere Bands und Sergie schreibt auch andauernd neues Material. Es macht Spaß, eine Platte aufzunehmen. Wir hatten ein tolles Studio und die Aufnahmen waren eine gute Zeit. Es ist das, was mir am meisten Spaß macht. Du probierst zu Hause Sachen aus, die schrottig klingen und wenn du dann sieht, was daraus wird, das ist klasse.

Auch auf dem neuen Album gibt es eher krachige und eher ruhige Songs. Plant Ihr das nach dem Motto „Oh wir haben bisher nur schnelle Songs, jetzt müssen wir noch ruhiges Material schreiben“?

Nein, man läuft herum und hat eine Idee für einen Song. Das ist Zufall, wir haben da keinen statischen Plan. Es gibt vorher keine Überlegungen, in welche Richtung die Platte gehen soll. Es soll einfach nach SAMIAM klingen. Das ist halt dieser California Post Punk Einschlag, den wir haben. Ich persönlich mag eher die harten Sachen, finde die langsameren Songs aber auch gut.

Du hast gesagt, dass SAMIAM mehr ein Hobby für Euch ist. Ihr hattet ja auch mal einen Major Deal. Seid Ihr froh, dass das Ganze wieder etwas geschrumpft ist? Welche Vorteile siehst Du darin?

Wenn du als Band immer größer wirst, verlangt dir das einiges ab. Wenn du es richtig wissen willst, tourst du acht bis neun Monate im Jahr, das ist mörderisch. Man fängt an, die Leute aus der Band zu hassen, du zerstörst alle deine Beziehungen. Jasons Beziehung ist deswegen auseinander gegangen. Das ist eine schwere Sache.
Dass wir inzwischen weniger machen, heißt aber nicht, dass wir SAMIAM nicht ernst nehmen, es bedeutet uns viel. Wenn du größer bist, kannst du es dir nicht leisten, weniger zu machen. Wir haben eine gute Balance gefunden. Wir machen Musik und können auch unser normales Leben leben.

Du hast gerade gesagt, dass ihr die Musik sehr ernst nehmt. Sergie hat mal in einem Interview gesagt, dass man aufpassen muss, die Dinge nicht zu ernsthaft zu sehen, weil das die Gefahr birgt, den Spaß zu verlieren.

Wir sind ja zwei verschiedene Personen. Wir sehen nicht alles gleich. In gewisser Weise stimme ich ihm zu. Es ist kein gewöhnliches Hobby wie das Sammeln von Eisenbahnsets, es ist Kunst. Und ich finde, dass man Kunst schon in gewisser Weise ernst nehmen muss. Wir arbeiten sehr viel an Details und fragen uns oft, ob es gut genug ist. Da sind wir perfektionistisch. Es macht uns aber gleichzeitig viel Spaß.

Wie seid Ihr damals eigentlich an Burning Heart gelangt, das wegen der Stilvielfalt von Nasum bis SAMIAM immer eines meiner Lieblingslabels war.

Peter (Ahlqvist, der Gründer von Burning Heart -Trille) hat Sergie kontaktiert, nachdem wir den Vertag bei Atlantic verloren hatten. Die Band war da in einer toten Phase. Wir hatten das Album aufgenommen und die Atlantic weigerte sich, es herauszubringen. Peter und Sergie haben das Rechtliche geklärt, ich kenne die Details nicht. Das hat viele Jahre gedauert und wäre fast der Tod der Band gewesen. Das war die schlimmste Erfahrung mit einem Major Label. Denen waren wir als Band egal. Es ist eine Maschine, der egal ist, ob Bands auf der Strecke bleiben. Sie schenken den kleineren Bands kaum Aufmerksamkeit.

Auch ohne den Rechtsstreit hat es wieder fünf Jahre gebraucht, bis das neue Album kam. Woran liegt es, dass es so lange Pausen zwischen den Veröffentlichungen gibt?

Um ehrlich zu sein waren wir uns nicht sicher, ob wir überhaupt noch jemanden interessieren. Nach der letzten Platte waren wir ernüchtert. Wir haben nicht viel getourt und hatten alle unsere Befürchtungen, ehe die Platte rauskam. Einige Leute haben uns dann gefragt, ob wir nicht mal spielen wollten und das Interesse stieg bei den Fans und in der Band. Wir haben dann wieder Blut geleckt. Von da an dauerte es noch 2 Jahre alle Songs zu schreiben und alles Weitere zu organisieren.

Kommen wir zum Cover. Darauf ist ein Elefant, der versucht auf einem Rad durch einen Reifen zu springen. Was ist der Sinn dahinter?

Es gibt ja immer Arbeitstitel und Sergie hat alle nach Ideen für das Cover gefragt und die hat uns am besten gefallen. Die Idee kam durch einen sarkastischen Spruch unseres Drummers auf der letzten Tour. Es geht darum, dass auf einer Tour alles schief gehen kann, eben genau so wie bei dem Versuch eines Elefanten durch einen Reifen zu springen.

Da das Album Trips heißt, habe ich mich gefragt, ob das Cover etwas mit dem Experiment zu tun hat, bei dem man einem Elefanten LSD gegeben hat. Leider hat der Dickhäuter noch einmal getrötet und ist dann verstorben.

Wirklich? Das ist ja unglaublich. Nein damit hat es nichts zu tun, davon habe ich auch noch nie gehört. Ich hab immer gedacht, dass man von LSD nicht sterben kann.

Na ja, man hat dem Guten das 3.000 fache der menschlichen Dosis gegeben und das war wohl selbst für einen Elefanten zu viel. Aber zurück zur Musik. Unsere Leserschaft besteht ja eher aus Metalheads. Bitte sag doch mal, was sie auf einem SAMIAM Album finden, dass es nicht bei AC/DC oder Napalm Death gibt. Warum sollten sie euch mal antesten?

Puh…. Ich dachte immer, dass wir eine gewisse Verbindung zu dem metallischen Sound haben. Ich würde nie sagen, dass man uns überhaupt antesten muss. Aber in unserem Sound gibt es eine Affinität zum Metal. Sergie, Charie und ich sind große Metalheads. Wir hören auf dieser Tour oft ´Reign in Blood´ und spielen beim Soundcheck fast immer Sachen von AC/DC. Es sind immer ein paar Metalheads im Publikum. Wir mögen das Macho Gepose einiger Metal Bands nicht, die sagen, sie sind die bösesten von allen. Wir sich da eher bodenständig. Der AC/DC Vibe ist uns da näher. Ich gehe aber gern aus und schaue mir Metalshows an.

Welche ist für Dich die beste deutsche Metalband?

Die Scorpions und Rammstein.

Eure Songs klingen oft melancholisch, aber nie depressiv. Ihr verbreitet eine positive Energie. Das ist eine Gradwanderung, die neben Euch nur wenige Bands wie Leatherface hinbekommen. Wie wichtig ist es euch, nicht ins Fatalistische abzurutschen?

Es ist ein bisschen wie beim Country. Wir haben schon traurige Texte. Jason schreibt alle Texte und er ist einer von wenigen Menschen, die ich kenne, der eine natürliche Frohnatur ist. Die Texte sind ein Teil von Ihm, aber seine Fröhlichkeit, wenn du mit ihm unterwegs bist, auch. Er ist ein sehr ausgeglichener Mensch.

Da war die Interviewzeit vorbei und leider keine Nachfrage mehr möglich. Die Band ging 10 Minuten später auf die Bühne und lieferte einen absolut überzeugenden Gig. Bei dem Spaß, den die Band hat, scheint es realistisch, dass wir nicht wieder 5 Jahre auf das nächste Album mit anschließender Tour warten müssen.