Agathodaimon

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genommen, weil leider viel zu viele Menschen zu engstirnig denken und der Meinung sind, Nu Metal muß amerikanisch sein, melodischer Death möglichst aus Schweden kommen und Black Metal gar am besten aus Norwegen. Das aber durchaus sehr qualifizierte und innovative Bands aus unseren Landen stammen können, vergißt man dann oft oder will es eigentlich gar nicht wissen. Um so erstaunter war dann die Musiklandschaft, als im Jahre 1998 eine junge aufstrebende Band, (hauptsächlich aus Deutschland stammend) plötzlich mit ihrem Debüt „blacken the angel“ den großen Wurf hierzulande errungen hatte und sogar mal eben das erfolgreichste Black Metal Album seit jeher in good old Germany veröffentlichten. Plötzlich wurde man auf Agathodaimon aufmerksam und merkte, daß selbst wir hierzulande es vermögen guten, wenn nicht sogar grandiosen mystischen Black Metal zu fabrizieren. Mystisch hört sich sicher auch der Bandname an, aber mindestens genauso mystisch ist die Geschichte um deren rumänischen Sänger Vlad, alias Andrej Rusu, der auf Grund vieler Umstände auf der neuen Scheibe „Chapter III“, ähnlich dem Debüt, leider wieder nicht zum Einsatz kam. Um ein bißchen Licht ins Dunkle zu bringen, habe ich mich aufgemacht und versucht das Geheimnis um ihre Lebensgeschichte und vor allem um das neue, zum Teil sogar ruhigere Werk zu ergründen. Leider ist aber nur ein Telefoninterview mit dem sympathischen Mainzer Gitarristen Sathonys (alias Martin Wickler – Freier Redakteur beim Hammer, Anm. des Verfassers) herausgekommen. Erstmal muß ich ein wenig schleimen, denn das neue Album ist euch echt super gelungen, gefällt mir persönlich immer besser !! Am Anfang war ich noch ein wenig irritiert, denn nach meiner Meinung zeigen sich bei "Chapter III" zwei Gesichter von euch, die für Agathodaimon typischen Black Metal Songs und zum anderen fast schon Crematory-lastige ruhigere Songs, die im zweiten Teil der CD auftreten...ich hoffe ich verletze dich damit jetzt nicht??! Nein, nein...(lacht)...Ich find's nur lustig!! Ich denke das bezieht sich auch auf den cleanen Gesang bei einigen Songs. Das mit dem cleanen Gesang ist auch eine interessante Geschichte, denn bei zwei Songs hat unser Produzent Kristian Kohlmannlehner gesungen, der sich fast so anhört, wie der Sänger, der mit Crematory unterwegs war. Das Witzige daran ist, daß unser Produzent außerdem bei der Band Century Gitarre spielt, dort aber wiederum nicht singt. Da aber bei Century der Schlagzeuger von Crematory Markus Jüllich dabei ist, ist da schon eine gewisse Querverbindung vorhanden. Das ist im dem Sinne obskur, weil es ja wiederum nichts mit dem Gesang zu tun hat. Trotzdem hieß es plötzlich von vielen, daß es wie Crematory klingen würde...aber nee!! Das muß ja nicht sein!! Ich denke, das ist einfach Geschmacksache. Es klingt zwar ein wenig süßlich, aber live werde ich dann den Gesang übernehmen, damit es etwas rauher klingt!! Ist denn diese Entwicklung der ruhigeren Passagen auf dem neuen Album als eine Art Konsequenz des Fehlens vom Sänger Vlad zu betrachten? Hmm...Ich meine Vlad ist immer noch ein Teil der Band - das war er auch immer. Beim ersten Album hat er wegen Probleme mit der Einreisegenehmigung ja auch nicht gesungen. Auf dem neuen Album ist es ähnlich, es gab einfach zu wenig Zeit, um gemeinsam an den Songs zu arbeiten. Anfangs sollte die Platte „Architectura Apocalipsei“ heißen und wir hatten auch schon begonnen an einigen Songs zu arbeiten, aber unser rumänischer Sänger Vlad hatte einfach nicht die Zeit und die Geduld diesen Papierkram mit der Einwanderungserlaubnis, mit Visa usw. wieder mitzumachen. Insofern haben wir uns entschlossen die Songs alleine auszuarbeiten und das Konzept für "Arctitettura" eventuell für die nächste Platte zu verwenden. Eigentlich sehen wir es im Nachhinein sogar positiv, denn die Platte ist mitunter das Härteste was wir bislang gemacht haben, obwohl eine Halbballade darauf zu finden ist. Die klingt übrigens etwas softer, als die waschechte Ballade auf dem letzten Werk „higher art of rebellion“, weil sie nicht so Power Metal angehaucht ist, eher in die Gothic Richtung tendiert. Das kam wiederum daher, daß das Stück ursprünglich ein reines Instrumental war, das nur aus einer Akustik Gitarre bestand. Das wurde dann im Studio immer ein bißchen mehr verfeinert, so daß wir gesagt haben, dann laß uns doch Gesang hinzu nehmen. Bei den anderen Stücken sind die ruhigen Passagen nur im Refrain zu finden. Jedenfalls war das anfangs nicht so geplant, nur die Songs sind halt zum Teil sehr melodiös geworden, aber nachdem wir das dann im Studio in der Vorproduktion einfach ausgetestet haben, hat uns das gefallen und deswegen haben wir es auch einfach so gelassen! Du sagtest vorhin, daß Vlad keine Lust auf den ganzen Streß und so weiter hatte - ist ja auch zum Teil verständlich. Aber seid ihr dann nicht auch in der Lange gewesen, ein bißchen sauer zu sein? Das habe ich vielleicht vorhin etwas falsch ausgedrückt. Was heißt keine Lust? Es gab mehrere Gründe: zum einen hatte er sein Abitur nachgemacht, weswegen er auch die Prüfung nicht sausen lassen wollte, und zu anderen hatte er mitunter schon immer Probleme mit dem ganzen Behördenkram gehabt, weswegen er auch zeitweise nicht so leicht nach Deutschland hat kommen können. Wie ich aber gehört habe, ist es in naher Zukunft sowieso der Fall, daß Rumänien kein Visum mehr benötigt, um für eine bestimmte Zeitspanne in die EU einzureisen - dann wird das ganze auch ein bißchen lockerer werden. Es war halt bisher immer so, daß man pro Jahr offiziell nur einen Monat nach Deutschland durfte, und das ist halt einfach nicht genügend Zeit, um zusammen an Songs zu arbeiten. Deswegen haben wir uns auch gedacht, bevor wir wieder recht improvisiert an die Lieder herangehen wie beim letzten Album, daß wir stellenweise erst in Rumänien die Songs im Studio fertiggestellt haben, wollten wir es diesmal lieber mit einer Vorproduktion und genügend Zeit probieren , damit die Songs auf uns wirken können, wie sie nachher klingen sollen. Das war uns einfach lieber, anstatt wieder so ein halbgares Produkt abzuliefern. Beim letzte Album „higher art of rebellion“ fand ich zwar einige Songs schon sehr gelungen, allerdings hat es dann an der Produktion und an dem Sound gehapert. Das ist dann schon 'n bißchen ärgerlich, wenn man nicht rundum zufrieden ist mit seinem Werk!! Aber verbrochen hat der gute Vlad doch nichts, daß er so viele Probleme mit der Einreise hat? ...äähm...Die Aussage verweigere ich jetzt mal (lacht)! Nicht direkt verbrochen, es gab zwar schon einige Probleme, aber das hing eher mit seinem Engagement was die Band betrifft zusammen. Er wollte möglichst schnell nach Deutschland zurück, was Geschichte dann noch ein wenig erschwerte, ...weil nicht alles nach den Vorschriften ging - sagen wir es mal so!! Also du findest, daß sein Fehlen dem Album gar nicht so viel geschadet hat? Nja...ich würd‘s fast auch so sehen. Ich war eigentlich immer derjenige in der Band, der großen Wert auf das Input von Vlad gelegt hat, nicht zuletzt weil ich seine Art die Songs zu arrangieren und seine Beiträge was Riffs und Texte betrifft, sehr schätze. In der ganzen Zeit, in der wir zusammen gearbeitet haben, hat sich auch so eine Art gemeinsamer Stil entwickelt, den wir dann versucht haben, auf unsere Art und Weise fortzuführen. Ich meine die Band besteht aus sechs Leuten und einer davon hat halt gefehlt, dennoch denke ich, wir können das intern sehr gut kompensieren, vor allem durch unsere eigene Art an die Songs heranzugehen. Davon abgesehen, ist es ja sowieso unser Ziel, uns in gewisser Weise stetig weiterzuentwickeln und deswegen war es auf keinen Fall ein Fehler ohne Vlad die Sache durchzuziehen. Im Nachhinein bin ich aber doch sehr zufrieden, obwohl ich anfangs sehr skeptisch war, ob das überhaupt hinhauen könnte, wie wir uns das so vorstellen. Aber wir wollten nicht noch länger tatenlos zusehen und nach zwei Jahren endlich mal einen Nachfolger präsentieren. Denn irgendwann kommt’s man auch ins Grübeln und fragst nach dem Sinn des Ganzen, wenn man eh nicht vorankommt - wir wollten auch ganz einfach mal die Songs loswerden!! Mir gefällt natürlich die neue Scheibe um Längen besser, vor allem was die Produktion des Vorgängers betrifft. Auch wenn die "rauhe" Produktion von „higher art of rebellion“ vielleicht etwas gewollt war! Es ging einfach nicht anders. Wir sind in das rumänische Studio gegangen, was vom Technischen einwandfrei war - es hatte ein gutes Equipment und war sehr schön hergerichtet. Das Problem war nur, daß die Produzenten leider keine Erfahrung mit Metal hatten. In Rumänien gibt es zwar einige Metalbands, die aber wiederum meistens kein Geld haben, um sich eine größere Produktion leisten zu können, weil das soziale Einkommen dort (im Schnitt verdient man da 200 DM im Monat) logischerweise sehr niedrig ist. Also trifft man hauptsächlich auf Pop oder Techno Bands in solchen Studios. Wenn man den Produzenten dann allerdings etwas von z.B. Rob Zombie vorspielt, meinen sie zwar das auch hinzubekommen, die Erfahrung erweist sich aber dann leider als das Gegenteil! Es hat halt schon daran gehapert, daß zu viel am Grundgitarrensound herumexperimentiert wurde, die verschiedensten Effekte ausprobiert wurden und als ich dann vorgeschlagen habe einfach mal ein Mikro vor den Verstärkern zu setzten und das dann aufzunehmen, klang es letztendlich besser, als alles dagewesene! Was den neuen Sound angeht: der Unterschied ist, daß wir erstmals eine richtig aufwendige Vorproduktion gefahren haben. Wir haben die Songs vorher aufgenommen, durcharrangiert und wieder umstrukturiert. Letztlich wußten wir dann schon vorher, was wir im Studio wollen. Es war halt nicht so improvisiert wie bei der letzten Scheibe und wir haben mit Leuten zusammen gesessen, die sich auch wirklich damit auskennen. Abgemischt haben wir es bei Gerhard Magin, der schon mit Bands wie Crematory (aha! Da haben wir es wieder!!) und Teatre of Tragedy gearbeitet hat. Er hatte uns übrigens schon beim Debüt geholfen, wodurch man letztendlich ein sehr relaxtes Gefühl im Hinterkopf erhielt und sich keine Sorgen mehr um den Sound machen brauchte. Das einzige, was wir jetzt nur noch machen mußten, war uns auf die Lieder zu konzentrieren!! Man hört deutlich Parallelen zwischen dem Debüt und der aktuellen CD „Chapter III“! Einmal soundtechnisch, das hast du uns ja eben erklärt, aber auch textlich bzw. musikalisch gesehen. Wer schreibt denn bei euch eigentlich die Musik oder die Texte? Das ist diesmal richtige Gruppenarbeit gewesen. In der Vergangenheit sah es so aus, daß Vlad immer das Grundgerüst der Songs lieferte und wir nachher gemeinsam den Rest ausgearbeitet haben. Bei der neuen CD waren aber gleich alle Mitglieder eingebunden. Also jeder Gitarrist hat zum Beispiel noch seinen persönlichen Stil mit eingebracht, Melodien hinzugefügt oder wir haben zusammen die Riffs verändert. Aber im Endeffekt hat Vlad immer einen großen Input gehabt, was uns auf diesem Album letztlich gefehlt hat! Das heißt, wir haben diesmal so ziemlich alles benutzt, was wir einzeln erarbeitet haben und dann zusammen daran gefeilt. Es war mehr denn je eine Zusammenarbeit innerhalb der Band. Was auch sehr interessant für uns war zu merken, daß es auch ohne ihn klappt. Abgesehen davon waren es auch zum Teil Ideen, die wir schon lange mit uns herumgetragen hatten, aber immer dachten, ok...wir warten bis der Vlad da ist und dann schauen wir, wie wir alles in den Topf werfen können. Aber je weiter die Zeit voranschritt, desto mehr hatten wir das Gefühl im Hinterkopf, wir müssen jetzt was tun - wer weiß wie lange sich das ganze noch hinzieht. Insofern sind wir aber recht glücklich, daß alles so gut verlaufen ist!! Gibt es eigentlich ein Lieblingslied auf der CD für dich? Jein...das komische bei der Scheibe ist, daß ich nicht wüßte welche der Songs mir mißfallen. Bei den letzten beiden Cd's hätte ich mindestens drei bis vier Stücke erstmal wegstreichen können und sagen, die finde ich nicht so toll. Bei der neuen Platte gibt es halt Lieder je nach Stimmung, wo ich dann sage: „ok, das finde ich gerade nicht so gut“, oder „das gefällt mir im Moment besser". Dadurch, daß einige Musiker mal an den einen, mal an den anderen Song mehr Input hatten, sind die Unterschiede zwischen den Songs größer. Jedes Lied besitzt quasi dadurch eine eigene Atmosphäre, weswegen ich dann nicht sagen kann, welcher Song nun besser oder schlechter ist. Natürlich sieht fast jeder seine Songs als die besseren an, aber ich meine für Black Metal Fans wäre der Opener "an angels funeral" wahrscheinlich einer der interessantesten Songs. Mir gefällt zum Beispiel "past shadows" sehr gut, obwohl es der primitivste ist, d.h. sehr simpel, straight, gleichzeitig aber auch sehr groovig! Wie wichtig ist es für dich Emotionen beim Schreiben der Musik oder auch der Texte auszudrücken? Das ist ein ganz wichtiger Punkt für mich! Ich sehe es auch so, daß Artwork, Texte und Musik in einer kleinen Einheit zueinander stehen sollten, damit eine gewisse Grundatmosphäre ausgestrahlt wird. Denn gerade Black Metal ist für mich die leidenschaftlichste, emotionalste Musikform, die mir persönlich am meisten gibt und auch am meisten ausstrahlt. Das ist u.a. der Punkt, was wir versuchen mit unserer Musik auszudrücken. Auch wenn wir uns auch nie so hundertprozentig zum Black Metal dazuzählen, weil es zu viele Stimmen aus der True Black Metal Szene gibt, die uns wiederum vorwerfen, wir würden irgendwie den Black Metal verraten, oder was auch immer, nur weil wir mal über den Tellerand rausschauen wollen. Wir wollen keine Texte schreiben, die einen kalt lassen, weil sie über irgendwelche Wälder handeln oder plumpe "tötet alle Christen" Geschichten wiedergeben. Also speziell die Texte, die ich jetzt beigesteuert habe, sind sehr emotionale Texte geworden. Jeder hat ein wenig seine Persönlichkeit mit in die Geschichten einfließen lassen. Achtest du bzw. ihr auch beim Songschreiben darauf, eine gewisse düstere oder emotionale, melancholische Atmosphäre zu erzeugen? Ja, ich denke schon. Wir wollen zwar nicht die Melancholie erzeugen, wie es vielleicht bei vielen Gothic Bands der Fall ist, eher aber eine Düsterkeit, eine gewisse Tristess. Trotzdem soll es auf keinen Fall weinerlich wirken, vielmehr ein bißchen Schwermut tragen. Für mich persönlich war genau das in den letzten Jahren eine Stimmung, die mich lange begleitet hat und die man gut in der Musik umsetzten kann. Zusätzlich ist aber auch viel Aggressivität in den Songs zu finden - das ist auch einer der Wurzeln im Black Metal. Ich versuche immer gewollt Stimmung mit in die Musik einzubringen. Wenn man dann die Texte parallel dazu liest, wird einem die Stimmigkeit doch recht deutlich. Zwar eine oft gestellte Frage, aber was bedeutet eigentlich für dich persönlich der "Black Metal"? Das habe ich ja eben schon so halb angesprochen, daß Black Metal für mich die intensivste Musikform ist und da ich mich sowieso als kleinen Musikfetischisten bezeichnen würde, ist für mich die Musik so ziemlich das Wichtigste für mich, sei es aktiv oder passiv. Seit ich das erste mal Iron Maiden gehört habe, wollte ich quasi alles mal gemacht haben, sei es für ein Magazin zu schreiben, selber ein Instrument beherrschen oder irgendwas anderes, was damit zu tun hat, wie zB. Bands live zu photographieren. Insofern denke ich, daß Black Metal auch was besonderes ist, da es sich von dem typischen Gebaren in der Musikszene abhebt. Es ist u.a. eine Musikform, die sich nicht jedem erschließt und genau dadurch stellt es für mich was besonderes, was mystisches dar! Das ist wiederum auch ein Grund, wieso wir in der Band mitunter auch Pseudonyme benutzen, denn nur um einen Vergleich zu nennen: bei Venom z.b hört es sich auch ganz anders an, wenn man sich anstatt Konrad Lamb lieber Cronos nennt. Einfach die Atmosphäre hat schon was Großes, was diesen zusätzlichen Reiz ausmacht. Welche Band favorisierst Du dann, mehr die nordisch angehauchte Variante oder auch deutsche Bands wie zB. Mystic Circle? (lacht)...ja...ähh...nein. Ich hab früher zu Zeiten von Immortals "pure holocaust" oder "in the nightside eclipse" von Emperor versucht so ziemlich alles reinzuziehen, was man damals bekommen konnte - das ganze Feeling, die Produktion, der Hall, der auf allem lag, war wirklich beeindruckend, fast schon mächtig!! Wir haben uns sogar in den Anfangszeiten überlegt, ob wir nicht lieber in so eine Richtung tendieren wollten. Da ich aber ein großer Fan von älteren Samael, also bis zu der "Passage" bin, hat mich ihre riffbasierte, schwere und druckvolle Musik sehr beeinflußt. Ich glaub aber jeder von uns hat einen sehr weiten Musikgeschmack. Mittlerweile langweilt mich norwegischer Black Metal zum Teil schon, weil sich jeder daran orientiert. Bands wollen möglichst "Underground" klingen und wieder andere Gruppen wie „Mayhem“ oder „Darkthrone“ kopieren. Dabei ist ihre Suche nach einem eigenem Stil nebensächlich, weil es sich nach ihrer Meinung nicht gehört. Es ist ja auch ok, jeder soll die Musik schreiben und ausführen, wie er will, aber man hat es einfach schon in den verschiedensten Varianten gehört und irgendwie wird es halt schon ein wenig langweilig! Dazu kommt noch, daß das Feeling der alten Tage sowieso nicht mehr vorhanden ist. Deswegen höre ich mir auch mitunter andere Sachen an, das reicht von „Alice in Chains“ über „Slayer“ bis zu den „Doors“. Außerdem war der Death Metal ein sehr großer Einfluß für mich, als zB. die "left hand path" von Entombed veröffentlicht wurde florierte die Szene und meine Begeisterung wuchs. Aber auch alte Trash Bands, wie Slayer, Megadeth, Overkill begeistern mich immer noch. Also stehst Du dann den deutschen Black Metal Bands, die jetzt das Feeling der nordischen Bands aufgreifen wollen, mit einem argwöhnischen Auge gegenüber? Nein, eigentlich nicht. Generell ist es mir prinzipiell egal aus welchem Land die Band kommt, für mich steht schon die Musik im Vordergrund. Das erfahren wir bei unserer Band ja auch immer am eigenen Leibe, daß Leute uns argwöhnisch gegenüber stehen, nur weil wir nicht aus Skandinavien stammen. Denn der Prophet zählt ja schon im eigenen Lande nicht so viel, aber gerade im Ausland steht man den deutschen Bands leider auch sehr argwöhnisch gegenüber. Daher ist es da auch nicht wirklich leicht, Fuß zu fassen. Trotzdem denke ich, es ist das wichtigste in der Musik ein bißchen offen zu sein. Wie gesagt, Musik ist starke Geschmacksache, darüber kann man nicht diskutieren, aber ich denke halt auch, daß es auf die Musik ankommt und nicht aus welchem Land die Band stammt oder welchen Stil sie prägt. Es ist immer die Qualität, die letztendlich entscheidet und man merkt schnell, ob eine Band wirklich hundertprozentig hinter dem steht, was sie macht, sich auch wirklich mit Herz und Seele hineinlegt. Es gibt in Deutschland sehr viele gute Bands, die mehr Unterstützung von Seiten der Fans und der Industrie gebrauchen könnten. Nagelfar fällt mir da spontan ein... Ja, das ist zum Beispiel eine Gruppe, die es bewußt nicht darauf anlegt, bekannt zu werden. Sie haben auch mit voller Absicht bei einem kleinen Label unterschrieben, obwohl sie durchaus auch einen größeren Vertrag an Land ziehen hätten können. Aber da schlägt die Black Metal Mentalität wieder durch, möglichst Underground zu bleiben, bzw. zu sein! So, jetzt aber genug abgeschweift, mal ein paar Fragen zum Debüt von Agathodaimon, zu "blacken the angel". Betrachtest Du das Album im Nachhinein irgendwie anders, also hätte euer Start vielleicht anders aussehen können? Nein, eigentlich nicht. das Debüt war ein sehr guter Start. Wenn man es jetzt mal von der "industriellen" Seite betrachtet, war es wirklich bis jetzt das bestverkaufteste Black Metal Album aus Deutschland. Es hat uns wirklich sehr viele Türen geöffnet und wir konnten auf einmal mit Bands touren, die wir früher bewundert haben. Insofern sind wir auch im Nachhinein sehr zufrieden vom Debüt. Was uns allerdings gestört hat, war das halt alles so kurzfristig und in Etappen laufen mußte. Wir mußten manchmal die Studiosessions mittendrin verschieben, nachdem schon einige Sachen aufgenommen waren, nur weil wir dachten Vlad kommt in ein Paar Tagen, was dann wiederum nicht der Fall war! Beim zweiten Album war dann das Hin und Her der Punkt. Wie machen wir das Album jetzt? Und nachher in Rumänien dann sehen das alles läuft. Da ist sicher noch ein kleiner Nachgeschmack dabei. Aber, wenn ich zurückblicke, höre ich mir das zweite Album noch lieber an, als das Debüt. Vom Songwriting beim ersten gibt es zwei Songs, die wirklich gut sind, aber auf dem Nachfolger gibt es mehr Songs, die mir beispielsweise zusagen! Noch mal ein paar Fragen zum aktuellen Werk. Gibt es eigentlich einen Grund, wieso ihr das Album so schlicht "Kapitel Drei" genannt habt? Da gibt es jetzt mehrere Gründe; zum einem, weil wir dieses Ursprüngliche Album ("Architectura Apocalipsei“) zu einem späteren Zeitpunkt noch mal aufgreifen wollen und zum anderen haben wir uns lange Gedanken gemacht, wie es schließlich heißen soll. Wir hatten auch schon etliche Lösungsvorschläge, doch die paßten alle nicht zu den Liedern. Die acht, neun Songs, die wir bis zu dem Zeitpunkt vorliegen hatten, standen irgendwie jeder für sich und hatten auch nicht unbedingt viele Querverweise zueinander. Ausgenommen bei einigen, die offensichtlich und beabsichtigt waren, wie zum Beispiel "the ending of our yesterday" und "yesterday's reprise", weil es das Thema, bzw. das Instrumental von vorher wieder aufgreift. Wir fragten uns, was für ein Zweck hat ein Titel bei einer CD? Meist wird der Titelsong von den Fans eine besondere Beachtung geschenkt, weil sie denken, es ist vielleicht der beste oder der wichtigste Song des Albums. Also wird dadurch eine Wertung gelegt, die wir versuchten zu vermeiden. Das Album sollte jedenfalls nicht durch die Namengebung durch irgendeinen Song von dem Rest der Lieder auf dem Album ablenken. Deswegen haben wir uns für einen Titel entschieden, der unsere dritte Scheibe ankündigt und vor allem einen neutralen Charakter besitzt. Wir wurden jetzt schon in vielen Interviews angesprochen, warum wir unsere Platte recht einfallslos nur Chapter three genannt haben. Aber ich meine, was ist das schon für eine schöpferische Leistung einen Titel für ein Album zu vergeben? Wenn wir gewollt hätten, hätten wir uns sicher was tolles aus den Fingern saugen können, um dann irgendein lustiges Konzept hineinzuinterpretieren, aber wir wollten es diesmal einfach so haben und so ist es ja auch dann gekommen! Das Cover gefällt mir auch wieder ganz gut. Ich habe erst vor kurzen von einem Paris-Trip eine Postkarte mitgebracht, die die andere rechte Seite aus dem Blickwinkel eines der Gargoyles von Paris zeigt. Um so verwundert war ich, als ich das Gegenstück dazu auf eurem neuen Plattencover wiederfand. Bei dem Artwork haben wir wieder mit unserem "Hausfotografen" Gerald Axelrod? zusammengearbeitet, der auch schon die ersten beiden Cover zur Verfügung gestellt hat. Also es gibt wieder ein 20 Seitiges Booklet mit etlichen Fotos dazu. Gerald hat uns wieder mit massig Fotos versorgt und wir haben uns durch Unmengen von Bildern gewälzt und nach einem mystischem Foto gesucht, was uns angesprochen hat. Bei unserem Bandnamen ist auch eine gewisse Zwiespältigkeit gegeben, weil dieser Name in verschiedene Richtungen ausgelegt werden kann. Genauso verhält es sich mit dem Cover, denn diese Dämonenfratze, diese Gargoyles, die auf einigen Kirchen von Paris zu finden sind, haben eine ähnliche düstere Ausstrahlung, fast schon einen dämonischen Charakter. Aber eigentlich sind sie ja genau dafür da, um Dämonen abzuschrecken. Und das ist wieder die Widersprüchlichkeit, daß man das Böse mit dem Bösen vertreiben will. Es gibt also so einige kleine Querverweise, die wir ganz treffend fanden. Und was heißt dann der Bandname „Agathodaimon" genau? Also wir beziehen uns da meistens auf das sogenannte "Rätsel des Agathodaimon". Das ist ein Rätsel, das im Stil des spätantiken sibyllinischen Orakel verfaßt war, also aus dem alten Griechenland stammt. Heutzutage kann man das Rätsel (es ist eine Art Zahlenrätsel) leider nicht mehr korrekt übersetzten, weil dieses alte Griechisch nicht hundertprozentig verständlich ist. Es haben sich viele Gelehrte, wie Leibniz, Morhof und andere daran versucht, leider ohne Erfolg. Der Sage nach soll derjenige, der das Rätsel lösen kann, eingeweiht sein in die göttliche Weisheit. Also ist es für uns ein kleines Symbol, nach Perfektion zu streben, wohlwissend, daß man die speziell in der Musik eigentlich nie erreichen kann. Weil es keinen perfekten Song gibt. Man kann nur versuchen, ein gewisses Ideal anzustreben. Wörtlich übersetzt ist es das Gegenteil von "Kakodaimon" , also Kako - Dämon, sprich Guter Geist! Der Agathodaimon ist auch eine Art Schutzengel. Der Name hat halt viele Bedeutungen, genauso wie wir versuchen wollen, uns nicht in bestimmte Schemata einordnen zu lassen. Spielt denn der künstlerische Aspekt eine große Rolle für eure Musik? JA! Ja, schon. Man kann sich sicherlich streiten, ob das jetzt ästhetische Cover sind, oder nicht. Aber es gibt so viele Bands, die mit irgendwelchen gemalten Bildern erscheinen, die so aussehen, als hätte es der Bruder vom Gitarristen in einer halben Stunde so hingeklattscht. Mich sprechen nur sehr wenige gezeichnete Cover an, es gibt nur sehr wenige Künstler, wie zB Dan Seagrave, der alte Sachen für Morbid Angel gezeichnet hat oder für Entombed (clandestine). Aber gerade bei solchen Geschichten ist es so, du gibst dem Künstler die Idee. Er macht was daraus, wenn es dir nicht gefällt - Pech,...hast du eben ein paar tausend Mark umsonst ausgegeben. Insofern sind halt Fotos eine schöne Sache; man weiß, was man kriegt, und sie sind einfach ästhetischer. Wir hatten das bei "blacken the angel" angefangen und wir wollten diese Linie einfach noch ein wenig weiterführen. Deswegen auch wieder dieses Blau bzw. dieser Gesamteindruck! Mal eine ganz andere Frage, hattest du eigentlich schon des öfteren Kritik einstecken müssen, vor allem seitens deiner Hammer-Mitarbeiter? Ja, auf jeden Fall. Wie gesagt, Musik definiert jeder für sich anders, was gut und schlecht ist. Gerade in der Black Metal Szene meint jeder, die Weisheit für sich gepachtet zu haben. Wir haben auch schon so ziemlich alles erlebt, das ging von anonymen Morddrohungen bis hin zu achweißnichtwas! Wir würden die Black Metal Szene verraten usw. Wir machen lediglich das, was uns gefällt und ich finde gerade der alte Underground - Spirit ist mitunter ein bißchen verloren gegangen, weil ich denke Bands der gleichen Szene sollten versuchen, sich untereinander zu unterstützen und nicht zu bekämpfen. Was ich wiederum nicht so ganz nachvollziehen kann, denn es ist genug Raumvorhanden, um sich in dieser Szene zu bewegen. Insofern gibt es aber fundierte Kritik, die nehme ich mir sehr zu Herzen und halt Leute, die sagen, eure Musik ist scheiße, ich mag sie halt nicht! - ...aber was soll man dazu sagen?! Kann jeder für sich selbst entscheiden, aber wenn es nicht wirklich begründet ist, bzw. derjenige seine Position nicht irgendwie darstellen kann, das man es auch nachvollziehen kann, dann interessiert mich die Sache weniger. Und was für Vorteile oder Einflüsse ergeben sich denn letztendlich durch deine Tätigkeit beim Hammer? Meistens sind es wahrscheinlich Nachteile, denn andere Magazine o.ä. reagieren vielleicht manchmal voreingenommen, weil sie den Hammer nicht mögen könnten oder es ist Konkurrenzdenken, nach dem Motto: das muß ich nicht auch noch unterstützen oder es heißt halt gerade, ihr werdet ja bestimmt gepuscht. Aber ich bin nur ein kleiner Mitarbeiter, mit der Redaktion habe ich nicht so viel am Hut. Ich bin ein Freier Mitarbeiter, der ab und zu mal eine Kritik beisteuert und vielleicht mal hin und wieder ein Interview. Das Blatt ist auf jeden Fall objektiv genug, da setzt sich keiner hin und sagt: „oh ja, das is' e' Kollesche, da gebe ich mal'n Pünktchen mehr!“ Ich denke mal, das hat man in der Vergangenheit schon deutlich anhand unserer Kritiken gesehen - daß sie halt sehr durchwachsen ausgefallen sind. Also jemand wie der Schöwe, der halt nur True Metal mag, wird bestimmt nicht 5 Punkte geben, das werden dann schon 10 werden bei der neuen Scheibe!!!! Der Einzige Vorteil den man daraus hat, ist folgender, daß man mit bewunderten Bands Interviews führt, mal ins Gespräch über Musik oder im allgemeinen kommt und sagt, hey ich spiel‘ auch in einer Band und dann vielleicht Cd's austauscht und letztendlich im Kontakt bleibt. Das ist aber nur eine andere Möglichkeit der Kontaktaufnahme. Und abschließend, was macht man noch nebenbei außer Musik und Zeitung? Ich arbeite bei MB als Webmanager und Systemadministrator und werde auch versuchen so managemäßig anderen Bands ein wenig unter die Arme zu greifen. Zusätzlich mache ich dann noch hobbymäßige Dinge, wie zB Bands photografieren. Freuste dich denn schon auf die Tour? Ja, sofern sie mal konfirmed ist... Livespielen ist auf jeden Fall das, was mir am meisten Spaß macht, weil der Kontakt zum Publikum vorhanden ist - man bekommt Feedback. Es ist auch einfach die beste Möglichkeit, seine Songs auszuleben und darzustellen. Letztendlich ist es der beste Aspekt im Musikerleben, denn als reiner Studiomusiker kann man auch im Keller bleiben und sich Demos aufnehmen! Da bleibt nur zu hoffen, daß es bald so weit sein wird, die Band mal wieder live auf unseren Bühne zu bestaunen!! Bis dahin gibt es aber noch mal drei Kapitel, in Form der gesammelten Werke von Agathodaimon, durchzuarbeiten; ich glaub..., ich fang gleich wieder damit an...!!