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Oomph! - Der Schulz und Flux im Interview

Drei Tage nach Release ihres neuen Albums hatte ich das Vergnügen, mit “Der Schulz” und Flux von Oomph! über ihr neues Album, über ihren Auswahlprozess des neuen Frontmannes und Freundschaften innerhalb der dunklen Szene zu sprechen.

Hallo ihr zwei, erst einmal Glückwunsch zum neuen Album. “Richter und Henker” ist seit Freitag draußen, wie fielen denn bisher die Reaktionen aus?

“Der Schulz”: Dankeschön. Sehr gut. Die Reaktionen unserer Fans fallen insgesamt sehr positiv aus. 

Wenn man als Band nach über 30 Jahren Musik mit neuer Besetzung einen Neustart wagt, fällt der Release bestimmt nicht wie jeder andere aus. Wart ihr nervöser als sonst?

Flux: Ja natürlich. Die Situation ist ja völlig ungewöhnlich, deswegen war der Freitag auch besonders. Man muss sich auch mal überlegen, was das für den Schulz bedeutet, hier ins kalte Wasser zu springen. Aber unsere Fans nehmen das gut an, deswegen sind wir auch sehr zufrieden.

Wie lief denn der Prozess des neuen Albums? Zu welchem Zeitpunkt ist der Schulz eingestiegen und welchen Anteil hatte er an der Entstehung der neuen Songs?

Flux: Der Schulz hatte einen großen Anteil an den Songs. Wir haben vor ungefähr eineinhalb Jahren angefangen, an den Songs zu arbeiten, der Schulz hat zu vielen Songs noch Texte und Gesangsmelodien beigesteuert.

Der Schulz: Ich war ja damals der Erste, den die beiden gefragt haben. Ich verfolge Oomph! ja auch schon sehr lange, spätestens seit dem Album “Plastik”. Ich bin dann zu ihnen gefahren und hab drei Songs gesungen. “Das weisse Licht”, “Augen auf” und “Träumst du”, das hat sofort gepasst. Später haben wir das Album dann gemeinschaftlich geschrieben, Cr4p und Flux hatten aber schon viele Arrangements fertig entwickelt. Manche Songs sind auch einfach so stehen geblieben.

Ihr seid auf den vergangenen Alben nie besonders politisch gewesen, auf dem letzten Album waren es die Songs “Europa” und “Tausend Mann und ein Befehl”. Davor wart ihr eher provokativ und kritisch, besonders in Richtung Glauben und Kirche. Jetzt haben wir auf “Richter und Henker” drei Songs (“Richter und Henker”, “Nur ein Mensch”, “Wut”), die sehr aktuell sind. Ist das eine neue Richtung, die ihr einschlagt?

Der Schulz: An diesen Themen kommt man ja kaum vorbei, deswegen war es uns wichtig, das auch in Songs zu verarbeiten. Mit “Richter und Henker” thematisieren wir den zunehmende Hasskultur, die sich in den letzten Jahren entwickelt hat. Wie wir mittlerweile miteinander umgehen, ist wirklich erschreckend. “Wut”, den wir zusammen mit Joachim Witt aufgenommen haben, behandelt auch dieses Thema, allerdings eher damit, wie wir mit unserer eigenen Wut umgehen. Es gibt da so ein Zitat “Aus altem Groll wird Hass” oder so ähnlich, das passte aber nicht so gut ins Versmaß, deswegen mussten wir etwas Eigenes daraus entwickeln.
“Nur ein Mensch” behandelt die Tragik von Kriegen, was ja auch wieder sehr aktuell ist. Wer konnte sich vorstellen, dass so etwas auf einmal wieder vor unserer Tür stattfinden wird. Und wie hat sich unser Umgang damit verändert. Damals in Syrien haben alle gesagt “Ja, bleibt bloß zu Hause und kämpft mal da”, da wollte niemand etwas mit zu tun haben, während wir jetzt mit der Ukraine ganz anders umgehen, was natürlich richtig ist.

Du hast eben die Zusammenarbeit mit Joachim Witt für den Song “Wut” angesprochen. Wie ist das eigentlich zustande gekommen?

Flux: Mit Joachim sind wir schon ganz lang befreundet. Damals haben wir natürlich seine Musik gehört, konnten aber mit den verrückten Texten und seinem ausgeflippten Tanzen nicht viel anfangen. 1998 hat er uns dann mal angerufen und hat uns gesagt, dass er jetzt so Musik wie wir macht. Das war damals das Album Bayreuth.Er hat uns dann damals auf unserer Tour supportet und daraus ist dann eine Freundschaft geworden. Als wir den Song Wut aufgenommen haben, klangen ganz viele Passagen sehr nach Joachim, deswegen haben wir ihm den Song geschickt, ob er den als Gast mit uns singen möchte. Damals wusste noch keiner, dass der Schulz unser neuer Sänger ist, er hat aber gleich gesagt: "Das ist doch Luciano, das höre ich doch. Der kleine Luciano” Für Joachim ist der Schulz immer der kleine Pavarotti. Joachim ist dann auch sofort in die Chameleon Studios gegangen und 48 Stunden später hatten wir seinen Beitrag zum Song. Wir freuen uns, das wir, nach Nina Hagen (“Fieber”), eine weitere Ikone auf einem unserer Alben haben.

Das klingt alles sehr unkompliziert, aber wahrscheinlich ist das auch so, wenn man so gut miteinander auskommt. Wir haben im letzten Jahr das Jubiläumskonzert von Unzucht begleiten dürfen, wo die Jungs von Lord of the Lost ja mit dabei waren, und man spürt da schon eine Verbundenheit in der Szene.

Der Schulz: Ja auf jeden Fall, es ist auch nicht einfach nur Verbundenheit, wir sind mit den Lords richtig gut befreundet. Man merkt auch jetzt gerade, wie unser Album von unseren Freunden aus anderen Bands aufgenommen und beworben wird. Der freundschaftliche Umgang untereinander ist in der dunklen Szene schon wirklich einzigartig. 

Kommen wir noch einmal auf die Songs zurück. Ihr hattet in der Vergangenheit immer Songs mit starken Themen, die allerdings immer etwas abstrakt waren, sodass man immer eher Zuschauer war. Jetzt habt ihr Songs, die alle etwas persönlicher ausfallen. Ich vermute da den Einfluss vom Schulz. Speziell mit “Wo die Angst gewinnt” konnte ich mich identifizieren, da ich da viel auf meine vergangene Depression und Angststörung übertragen konnte. Berichtigt mich, wenn das gar nicht die Intention des Songs war.

Der Schulz: Das ist interessant, dass du das sagst.“Wo die Angst gewinnt” ist tatsächlich einer von zwei Songs , der von jemand anderem geschrieben wurde und gar nicht durch uns persönlich beeinflusst ist. Aber ja, er ist sehr persönlich. Jeder von uns kennt das und kann für sich da etwas interpretieren, auch ich hatte gerade während der Pandemie dunkle Gedanken. Wir haben aber auch mit “Schrei nur schrei” einen Song auf dem Album, der sich in das alte Schema einfügt und von dunklen Seiten des Menschseins handelt.

Kommen wir zur letzten Frage. Ihr geht im Herbst auf Tour und wir werden natürlich in Hannover dabei sein…

Der Schulz: Oh, gleich der Heimauftakt, bloß kein Druck.

Worauf können wir uns als Fan denn freuen? Wird es auch alte Songs und Hits von früheren Alben geben?

Flux: Ja natürlich. Wir werden pro Album ungefähr zwei Songs spielen, auch von den ganz alten Alben. Aber natürlich wollen wir dem Schulz auch die Gelegenheit geben, sich mit seinen Songs vom neuen Album zu präsentieren. .

Der Schulz: Ich kenne die alten Songs sehr gut. Ich habe ja oft als Gast DJ aufgelegt und habe da auch schon immer viel Oomph! gespielt. Ich habe da immer hinter dem Pult mitgesungen und getanzt und bin da einigermaßen sicher.

Flux: Wir haben acht neue Songs und 14 Klassiker im Programm, es wird also ein langer Abend.

Dann bedanke ich mich für eure Zeit, für das schöne Gespräch und wünsche euch für eure Tour alles Gute.

Das Album “Richter und Henker” ist seit Freitag inklusive einer Supporters Edition im Handel und auf allen Streamingplattformen erhältlich


Bild Copyright:
Heilemania

Infos

  • Erstellt am

    12. September 2023
  • Line Up

    CR4P (guitars + keyboards)
    FLUX (guitars + sampling)
    DER SCHULZ (vocals)
  • Redakteur

    Sven Niemeyer
  • Tags

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