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Interviews

Der Deathkult ist zurück: Ralf von Revel In Flesh im Interview


  • Lineup
    Ralf Hauber – Vocals
    Jonny Pettersson – Guitar / Bass
    Simon Abele – Guitar
    Erik Barthold – Drums
Social Media / Website

„Flesh For The Kult Of Death” ist wieder mehr eine „To the bone“-Death-Metal-Scheibe.
Frontmann Ralf hat ein gutes Gefühl bei "Flesh For The Kult Of Death"

Der Deathkult ist zurück: Ralf von Revel In Flesh im Interview

Auferstanden aus Ruinen. Nach dem 2019er Album „The Hour Of The Avenger” lagen REVEL IN FLESH am Boden und Bandkopf Ralf Hauber sah keinen anderen Weg, als die Band aufzulösen und sich seinen anderen Bandprojekten zu widmen. Doch bereits vor einem Jahr machten sich Gerüchte breit, dass der Hohepriester des Deathkult neue Jünger um sich scharte. Nun steht mit „Flesh For The Kult Of Death“ nach 7 Jahren die Veröffentlichung eines neuen Albums ins Haus. Musikalisch wurden keine Kompromisse gemacht und auch sonst zeigt sich Bandleader Ralf überaus kämpferisch und motiviert. Im Interview sprachen wir über Vergangenes, Zukünftiges und natürlich die Gegenwart.

Hi Ralf, wie groß ist die Vorfreude auf die Veröffentlichung im September?

Moin, Thorsten, und danke für euer ungebrochenes Interesse an REVEL IN FLESH.
Natürlich ist das alles gerade super spannend! Es sind die ersten neuen REVEL-IN-FLESH-Songs seit der Split-7"-EP mit GRACELESS aus dem Jahr 2020. Außerdem ist es das erste Album mit einem neuen Line-up. Die Supporter der Band weltweit haben lange darauf gewartet, und es wird ein Album, das der Deathkult-Diskografie gerecht werden wird. Es steckt viel Arbeit darin, und ich habe ein gutes Bauchgefühl.
Unser Label WAR ANTHEM Records und unser neuer Booking-Partner DOOMSTAR BOOKINGS stehen hinter uns. Die Mission ist also klar: THE DEATHKULT RAGES ON!!!

Wie bist du bei der Suche nach neuen Mitstreitern vorgegangen? Waren Erik Barthold (u. a. ROTPIT, LEFT HAND SOLUTION) und vor allem Jonny Pettersson (u. a. HEADS FOR THE DEAD, ROTPIT, WOMBBATH) naheliegende Optionen, weil du auch in deinen anderen Bands mit ihnen arbeitest?

Der Faktor Vertrauen war für mich das A und O. Zusätzlich wollte ich Leute, die meine Vision teilen und gemeinsam mit mir etwas erarbeiten wollen. Alle drei neuen Mitglieder kennen außerdem die Grundlagen unserer Arbeitsweise: Man muss sich organisieren (!) und es geht auch um eine Art Underground-Networking. Die „Musiker-Nummer“ ist das eine, aber noch wichtiger ist es, Leute in den eigenen Reihen zu haben, die Wertschätzung und Verständnis für den organisatorischen Teil mitbringen.
Mit Jonny Pettersson arbeite ich bereits seit ungefähr 2015/2016 auf freundschaftlicher Basis zusammen. Wir machen HEADS FOR THE DEAD und ROTPIT gemeinsam. Er ist ein klasse Songwriter, kann sich aber auch in die Rolle des Sängers und Drummers hineinversetzen. Für ein umfassendes Verständnis ist das sehr wichtig. Wir „matchen“ einfach super miteinander. Schon bei seiner ersten Mitarbeit hatte ich das Gefühl, dass er REVEL wieder dunkler und brutaler machen würde.
Erik kenne ich von LEFT HAND SOLUTION bereits aus den 90ern. Er ist ebenfalls Teil von ROTPIT. Für mich ist er ein echter Freund und zugleich einer der besten Drummer, mit denen ich bisher gearbeitet habe. Es gibt viele Drummer, die schnell spielen können oder wollen, aber nur wenige, die grooven und gleichzeitig vielschichtig agieren können. Vom Know-how her ist Erik auch aus professioneller Sicht ein echter Musiker.
Simon (Abele, u. a. INNER EARTH - T.Z.) ist ein langjähriger Freund, quasi noch aus der Metal-Clique meiner Schulzeit. Er bringt ebenfalls einiges an Banderfahrung mit und ist ein sehr talentierter Gitarrist. Für Leads und Soli ist er ein großartiger Teamplayer. Für mich ist es wichtig, dass Songs in der Gitarrenarbeit gezielte Höhepunkte haben – eine zusätzliche Ebene. Das hat nichts mit einer Technik-Show zu tun, sondern damit, dass an der richtigen Stelle etwas passieren muss.

Wenn ich dich in unserem letzten Interview richtig verstanden habe, hältst du nun die Zügel bei REVEL IN FLESH fest in der Hand. Inwieweit konnten sich die anderen Bandmitglieder in die musikalische, thematische und optische Gestaltung von „Flesh For The Kult Of Death“ einbringen?

Ich lenke, aber jeder respektiert die Meinung und vor allem die Kompetenzen der anderen. Jeder hat seine Stärken und auch seine Freiräume. Das ist aktuell sehr ausgewogen, und ich denke, man hört es dem Album auch an!
Ich arbeite mit Jonny und Erik schon länger zusammen – wir wissen, wie wir ticken. Dadurch ist vieles zu einem gewissen Maß unkompliziert, was allen guttut. Simon ist ebenfalls ein Teamplayer, und ich habe allen gegenüber auch offen ausgesprochen, was ich bei REVEL nicht mehr haben möchte. Ich bin guter Dinge!

Wie darf man sich die Zusammenarbeit praktisch vorstellen? Habt ihr irgendwann gemeinsam irgendwo im Studio gestanden, oder hat jedes Bandmitglied seine Parts separat eingespielt und wurden diese anschließend zusammengefügt?

„Flesh For The Kult Of Death“ hatte einen sehr wilden Entstehungsprozess. Wir hatten anfangs bereits Titel, Texte und teilweise auch Gesangslinien und haben darauf die Songs aufgebaut. Jonny und ich haben uns auf Homerecording-Basis Riffs hin und her geschickt. Daraus entstanden Songstrukturen und Demos. Für die weitere Ausarbeitung kam dann Erik ins Boot, der zunächst ebenfalls Demo-Versionen der Drums ausgearbeitet hat.
Simon nahm seine Beiträge ebenfalls auf Homerecording-Basis auf, und Jonny koordinierte die Produktion in seinem UNBOUND Studio.
Die finale Drum-Produktion fand in den NEVO-Studios in Schweden statt. Das ist ein schickes Studio mit einem noblen Aufnahmeraum. Erik hatte dort die Drums innerhalb von zwei bis drei Tagen im Kasten.
Den Mix wollten wir dieses Mal selbst machen, um dem Album eine eigene Handschrift zu geben. Es sollte dreckiger und brutaler klingen.
Um jedoch nicht vollständig mit der Tradition zu brechen, haben wir für das Mastering wieder Dan Swanö ins Boot geholt. Er fand unseren Mix bereits ziemlich gut und hat ihm mit seiner Arbeit noch den letzten Feinschliff gegeben.
Das Album klingt insgesamt natürlicher und weniger aufgeblasen!
Über solche Themen könnte man stundenlang philosophieren. Wir wollten eine eigene Handschrift. Ich mag Produktionen, die am Ende auch atmen. Dafür benötigt man bei der Anlage allerdings etwas mehr Lautstärke. Aber das ist letztlich Geschmackssache!

Wird das Studio-Line-up auch gemeinsam auf der Bühne zu sehen sein?

Das ist aktuell der Plan! Onwards into countless battles!

Ihr habt mit dem Titelsong „Flesh For The Kult Of Death“ einen ziemlich harten und meist schnellen Song als erste Single ausgewählt. Weshalb? Mit „Graverobber“ habt ihr beispielsweise auch einen sehr melodischen und eingängigen Song auf dem Album.

Der Titelsong ist eine Kampfansage und somit für eine Rückkehr genau die richtige Dosis! Er enthält auch einige Textfragmente, die eindeutig sagen: The Deathkult rages on!
Das komplette Album ist vielschichtig, und innerhalb der Genregrenzen haben wir uns auch in vielen Details ausgetobt.
Melodie ist nach wie vor ein wichtiger Bestandteil unserer „Formula of Death“. Die Menge, Dosierung und vor allem die Art und Weise sind jedoch gezielter gewählt. Die Aura klingt dunkler, morbider und auch brutaler.

Wie würdest du die Unterschiede zwischen „The Hour Of The Avenger“ und „Flesh For The Kult Of Death“ beschreiben? Mein Eindruck war, dass du rückblickend mit dem 2019er Album nicht mehr so ganz zufrieden bist.

„Flesh For The Kult Of Death” ist wieder mehr eine „To the bone“-Death-Metal-Scheibe. Ich habe bei diesem Album ein positives Grundgefühl und nicht den Gedanken, dass ich mich dafür verbiegen musste. Wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen, entsteht eine ganz andere Dynamik.
Das Album ist brutaler und dunkler, aber dennoch vielschichtig. Ein Genre-Album mit Wertigkeit und Echtheit!
Die Drums sind nicht einmal editiert. Wir haben sehr viel natürlich belassen! Ich hatte bisher noch nie mit einem Drummer gearbeitet, der so verbissen arbeitet wie Erik. In knapp zwei Tagen waren die kompletten Drums im Kasten.
Bei „The Hour Of The Avenger“ dauerte es über eine Woche, und am Ende war der „Human Touch“ näher an einem programmierten Kit als an einem echten Drummer.
„The Hour Of The Avenger“ und vor allem die danach (!) entstandenen Songwriting-Versuche waren von den damaligen Gitarristen der Versuch, alles stärker in eine glatte Melodic-Death-Ecke zu drängen. Die ganzen Projekte waren am Ende in der Recording-Software dermaßen aufgeräumt, dass jede Ecke und Kante fehlte. Das ist so, als würdest du einem Death-Metal-Head die Haare abschneiden!
„The Hour Of The Avenger“ hat dennoch seine Berechtigung in der Diskografie, und viele Supporter mochten die Scheibe. Es wäre also vermessen und Schwachsinn, sie schlechtzureden.
Ich muss jedoch offen sagen, dass sie am Ende nicht mehr meiner Vision von der Ausrichtung der Band entsprach.

Inhaltlich geht es wieder um Tod, Kulte und Zerfall. Gibt es einen roten Faden? Und gibt es Bezüge zu älteren Alben?

Ja, ich denke, es gibt schon einige versteckte, nerdige Erinnerungen an die alten Werke – auch was die Vibes der Songs betrifft. Die Lyrics sind ganz klar die typische REVEL-IN-FLESH-Deathkult-Huldigung, aber auf diesem Album gibt es auch einiges an Message zwischen den Zeilen.
Booklet nehmen, Songs mitlesen, wirken lassen!

Du singst in all deinen Bands über Horror, Tod und Teufel. Insgesamt geht es also naturgemäß eher düster zu. Im aktuellen Rock Hard spricht die Psychologin Anne Löhr darüber, dass unter den „Touring Professionals“ etwa 27 Prozent schon einmal Suizidgedanken hatten. Wenn man so etwas liest, fragt man sich, was dich dazu bewogen hat, REVEL IN FLESH wiederzubeleben, anstatt einfach nur mit HEADS FOR THE DEAD und ROTPIT weiterzumachen. Schließlich setzt du dich mit einer neuen Mannschaft auch dem Druck aus, ein Album zu veröffentlichen, das zumindest theoretisch auf Ablehnung stoßen könnte.

„Touring Professionals“ sind in meinen Augen Musiker, die im Jahr 100 oder mehr Shows spielen, und zum Teil auch Musiker, die durch diesen Lebensstil entsprechend wenig Sicherheiten in ihrem Leben abseits der Musik haben. Das verursacht Kopfkino!
Ich bin definitiv kein „Touring Professional“. Über all die Jahre hinweg ist Musik für mich immer ein Hobby geblieben, allerdings auf sehr leidenschaftliche Weise. Ich liebe den ganzen Kram, und er ist ein Teil von mir! Im Prinzip geht es um die Fan-Perspektive und nicht um den Musiker-Gedanken.
Wenn du in einer Gruppe vorangehst, ein Album veröffentlichst, ein Statement abgibst, eine Show spielst, demonstrierst, dich für die Rechte anderer einsetzt etc., bietest du immer Angriffsfläche.
Da gibt es sehr viele Schattenseiten, vor allem auch, weil diese Szenerie und gewisse Business-Geschichten nicht immer nach dem Motto „Happy Family“ funktionieren und sich vermeintliche Freunde irgendwann als „Luftpumpen“ entpuppen.
Der Faktor „Feind in den eigenen Reihen“ kann es noch spannender machen.
Du musst so etwas wollen – oder es eben lassen!
Bei REVEL IN FLESH haben die damaligen Mitstreiter die Firma verlassen, das heißt, sie musste aufgelöst werden. Ich habe das nicht als Auflösung der Band gesehen, sondern als Chance, die Karten neu und vielleicht auch – für mich – besser zu mischen.
REVEL IN FLESH ist für mich seit etwa 14 Jahren ein fester Bestandteil meines Lebens. Jetzt wird das Thema mit einem neuen Album, einem neuen Line-up etc. wieder konkreter, und ich denke, dass die neue Scheibe schon zeigen wird, dass dieses Album seine Relevanz hat.
Am Ende geht es um die Musik! Die Hörer wollen Musik und keinen Bullshit!

Wie versprochen, gibt es „Flesh For The Kult Of Death“ sowohl auf CD als auch in zwei Vinyl-Versionen. Welche Version hättest du dir als Fan am ehesten zugelegt?

Tape!!! Eine Tape-/Kassettenversion ist ebenfalls in Arbeit. Ich liebe nerdigen Kram!
Jedes Format hat seine Berechtigung – auch das Streaming.
Ich denke, es geht darum, dass sich der Hörer mit der Musik und ihrer Wirkung beschäftigt. Wir leben in einer Zeit, in der die Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer wird. Musik soll eine Flucht aus dem Alltag sein. Deshalb halte ich nichts von der Diskussion darüber, welches Format mehr Wertigkeit besitzt.

Ihr habt erneut mit Juanjo Castellano Rosado zusammengearbeitet. Welche Vorgaben hast du ihm für das Artwork gemacht? 


Das Artwork hatte eine lange Entstehungsgeschichte – Fragmente davon gab es bereits vor der Pandemie. Es gab viel Austausch über das Konzept und zahlreiche Veränderungen in unterschiedlichsten Formen.
Am Ende gab es bei der Farbanpassung noch Probleme, sodass unser Layouter vom Label ebenfalls noch gute Beiträge dazu geleistet hat.
Juanjo Castellano ist unser (!!!) Dan Seagrave. Er ist seit Album Nummer Eins Teil der Band. Alle seine Artworks bilden diese spezielle Deathkult-Landschaft. Wenn ihr die Cover nebeneinanderlegt, wirken sie wie aus einem Guss.
„Flesh For The Kult Of Death” hat diese „Nightrealm“-Farbgebung. Gleichzeitig ist es in jeder Hinsicht ein klassisches Castellano-Artwork – sehr Old School in allen Belangen.
Die Skelettfigur in der „Salem’s Lot“-Pose war eine Huldigung an Castellanos Lieblings-Horrorfilm.
Ich liebe es, wenn Bands nerdige Trademarks verfolgen, und REVEL IN FLESH hat eine eigene Optik.
REVEL IN FLESH war die erste deutsche Band, die mit Castellano gearbeitet hat. Viele andere kamen danach …

Gibt es Pläne, die alten Alben noch einmal beziehungsweise erstmals neu aufzulegen – vor allem auf Vinyl?

Monatlich kommen mehrmals Anfragen von Sammlern nach Restbeständen, und leider gibt es nichts mehr. Zum Jahresende laufen auch die letzten alten Vertragsverpflichtungen aus, sodass die Alben „Death Kult Legions“ und „Emissary Of All Plagues“ wieder im Eigentum der Band liegen.
Von Album Nummer zwei bis einschließlich Nummer vier gibt es offiziell jeweils nur eine 500er-Vinyl-Pressung. Teilweise waren diese schon wenige Wochen nach der Veröffentlichung ausverkauft. Unser damaliger Geschäftspartner hatte seinerzeit nicht die Ressourcen für einen Repress, besaß aber weiterhin die Rechte.
Es ist ein leidiges Thema, aber ich möchte mich darüber nicht beklagen. Im Leben passieren manchmal Dinge, die vieles durcheinanderwirbeln. Jede Zusammenarbeit hatte auch ihre guten Seiten.
Es ist ein Zeichen von Wertigkeit, dass Sammler mittlerweile bereit sind, hohe Preise für die Erstpressungen zu zahlen.
Das Ziel ist jedoch, die besagten Vinyls mittelfristig wieder zugänglich zu machen.

Zum Abschluss: Was steht für REVEL IN FLESH in diesem Jahr und 2027 noch im Terminkalender?

Wir stecken momentan richtig tief im Album-Release. Das Ziel ist natürlich, in der Konzertlandschaft wieder anzugreifen. Die „Konkurrenz“ hat während unserer „Pause“ nicht geschlafen, aber wir sind bereit, haben Bock, und der Deathkult wird Ärsche treten!
Es gibt bereits Pläne für weitere Shows und Festivals im Jahr 2027.
Zunächst steht jedoch unsere Release-Show bei der PARTY.SAN HERBSTOFFENSIVE am 19. September 2026 ganz oben auf der Agenda.
Wir hören uns aktuell auch sehr intensiv durch die Songs von Album eins und zwei. Es gibt Ideen, und jetzt gibt es auch wieder Mitstreiter, die meine Vision teilen.
Es bleibt spannend! Danke für euren Support!
THE DEATHKULT RAGES ON!

Danke, dass du dir die Zeit genommen hast.

Gerne! 😊

Mit "Flesh For The Kult Of Death" schlagen REVEL IN FLESH am 18. September endlich ein neues Kapitel in der Geschichte dieser wichtigen deutschen Death Metal Institution auf. Die Vorbestellungen laufen - zugreifen!
REVEL IN FLESH "Flesh For The Kult Of Death" - official lyric video