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Lineup
MICHAEL BORMANN - Lead Vocals, Backing Vocals, Guitar
CHRIS IVO - Keyboards, Backing Vocals
MICHAEL MÜLLER - Drums
ANDREAS RIPPELMEIER - Lead Guitar, Backing Vocals
CHRISTOPH BAUMEISTER - Bass, Backing Vocals
Interviews
Voll auf Kurs - Michael Bormann im Interview
(c) Michael Bormann's Jaded Hard Promo
Vielleicht ist Erfolg am Ende auch gar nicht nur eine Frage davon, wie groß die Bühnen sind, auf denen man steht, sondern vielmehr davon, ob man seinen Traum leben darf.
Voll auf Kurs - Michael Bormann im Interview
Gerade in chaotischen Zeiten ist es wichtig, einen Kompass im Leben zu haben. Mit „South West“ hat das Szene-Urgestein Michael Bormann (u. a. ex-JADED HEART, ex-BONFIRE) vor einigen Wochen mit MICHAEL BORMANN'S JADED HARD sein neuestes Werk "South West" veröffentlicht. Wir tauschten uns mit Michael über Ziele, Erreichtes sowie das Leben auf dem Lande aus.
Hi Michael, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten. Erstmal Glückwunsch zum neuen Album „South West“. Ich habe Titel und Artwork aufgegriffen und in meiner Rezi geschrieben, dass der Kompass in deinem Leben immer auf „M wie Musik“ stand. Würdest du das unterschreiben? Und würdest du sagen, dass dich dieser Kompass trotz aller Rückschläge usw. letztlich doch immer auf Kurs gehalten und dich ans Ziel gebracht hat?
Hi Thorsten, vielen Dank, dass ich dir Rede und Antwort stehen darf. Das freut mich wirklich sehr! Du hast da vollkommen recht. Seit ich denken kann – oder zumindest, seit ich aktiver Musiker bin – gab es für mich eigentlich nur eine Richtung: Musik! Vielleicht nicht ganz von Anfang an, denn in meinen ersten Jahren, damals noch als Kind, stand natürlich der Spaß im Vordergrund. Alles andere hat sich erst im Laufe der Zeit entwickelt.
Ob ich mein Ziel erreicht habe? Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Wie definiert man das am besten? Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen und davon leben. Und ganz ehrlich: Was gibt es Geileres, als mit dem, was man liebt, seinen Lebensunterhalt zu verdienen? Ich kann selbst entscheiden, zumindest größtenteils, was ich wann, wie und wo mache. Das ist ein unglaubliches Privileg, für das ich sehr dankbar bin.
Aber … und das bitte ich nicht falsch zu verstehen: Den großen Traum, irgendwann einmal die Stadien dieser Welt zu bespielen wie die ganz Großen, habe ich leider nicht verwirklicht. Das ist aber vollkommen okay! Ich liebe mein Leben, habe mit meinen Songs unglaublich viel erreicht und bin nach wie vor mitten im Geschehen. Ich darf weiterhin Musik machen, auf der Bühne stehen und kreativ sein. Und das ist alles andere als selbstverständlich.
Vielleicht ist Erfolg am Ende auch gar nicht nur eine Frage davon, wie groß die Bühnen sind, auf denen man steht, sondern vielmehr davon, ob man seinen Traum leben darf. Und das kann ich definitiv von mir behaupten.
Was steckt denn tatsächlich hinter dem Albumtitel?
Der Titel entstand tatsächlich erst ganz zum Schluss. Seinen Ursprung hatte er im letzten Song, den ich für das Album geschrieben habe: Country Boy. Mir fehlte noch genau diese eine Nummer mit einem akustischen Touch in den Strophen. Also habe ich mich hingesetzt, ein bisschen gejammt, und dabei entstand schließlich der Song.
Die ersten Zeilen begannen mit „Grew up deep in the west“ – und der Rest ging mir dann ziemlich schnell von der Hand.
Ursprünglich hatte ich überhaupt nicht die Absicht, darin meinen eigenen Weg vom Westen in den Süden zu beschreiben. Es hat sich einfach so ergeben, dass der Song am Ende tatsächlich ein Stück meines Lebens widerspiegelt: meinen Weg von Duisburg nach Reutlingen. Manchmal entstehen die persönlichsten Songs eben ganz ungeplant.
Wer Innovation und moderne Einflüsse sucht, der wird bei dir eher nicht fündig. Was sind denn für dich die wichtigsten Zutaten, um einen Michael-Bormann-Song zu schreiben und dabei nicht einfach nur nach einem lauwarmen Aufguss von Bon Jovi und Paul Laine der 80er/90er zu klingen?
Tatsächlich habe ich da kein wirkliches Rezept, hahaha! Musik war schon immer in meinem Kopf und ist es bis heute. Viele Songs sind gedanklich bereits komplett fertig, bevor ich überhaupt ein Instrument in die Hand nehme. Wenn ich gerade keines zur Verfügung habe, singe ich meine Ideen einfach schnell ins Handy, damit ich sie später in Ruhe ausarbeiten und aufnehmen beziehungsweise produzieren kann.
Wenn ich allerdings für andere Bands schreibe – was ziemlich häufig vorkommt –, gehe ich ganz gezielt auf deren Wünsche und Vorstellungen ein. Da kann es dann um alles Mögliche gehen: Pop, Schlager, Country oder auch Metal. Ich passe mich da musikalisch gerne an und versuche, genau das umzusetzen, was gefragt ist. In solchen Fällen würde man meinen eigenen musikalischen Touch wahrscheinlich nicht unbedingt heraushören. 😉
In „Country Boy“ besingst du deine Vorliebe für das Landleben. Was hast du denn gegen das Leben in der Stadt? Hat das Landleben für deinen Beruf nicht auch Nachteile?
Da hast du mich etwas falsch verstanden. 😉 Mein Herz schlägt nach wie vor für die Großstadt! Ich bin absolut kein Landmensch. Die Schönheit, die viele meiner Freunde in der ländlichen Umgebung sehen, nehme ich ehrlich gesagt gar nicht so wahr. Und diese absolute Ruhe ist eigentlich auch nicht mein Ding.
Trotzdem liebe ich es mittlerweile, etwas ländlicher zu leben. Denn Reutlingen ist ja schließlich kein kleines Nest! 😂 Die Infrastruktur ist hervorragend, und genau das war mir wichtig. Es gibt unzählige Restaurants, Kneipen und jede Menge Möglichkeiten, etwas zu unternehmen. Mir fehlt es hier also an nichts.
Aber das Allerbeste ist definitiv das Wetter! Gerade 2026 hatten wir hier teilweise schon fast griechische Verhältnisse. So ein geiles Wetter kenne ich aus Duisburg einfach nicht. Und ganz ehrlich: Diesen Luxus kann man mit Gold nicht aufwiegen!
Also, ich liebe tatsächlich beides: die Großstadt im Herzen und das tolle Leben hier im Süden. 😊 Hahaha!
Weshalb hast du „Stop Those Rainy Days” vom “Slaves & Masters“-Album nochmal neu aufgenommen?
Der Song gehörte eigentlich schon immer zu meinen Favoriten, ist aber irgendwie nie so richtig aus dem Schatten herausgetreten. Das hatte unter anderem auch mit der damaligen Insolvenz von Seagull Records, vormals LONG ISLAND RECORDS, zu tun. Das Album fiel seinerzeit in die Konkursmasse und war dadurch schlichtweg nicht mehr greifbar.
Anyway, jedes Mal, wenn ich den Song nach längerer Zeit wieder gehört habe, haben mich diese besondere Atmosphäre und die Melodie aufs Neue begeistert. Lediglich die Länge hat mich immer ein wenig gestört. Irgendwann kam mir deshalb die Idee, daraus eine kürzere, radiotaugliche Version zu machen.
Das war allerdings gar nicht so einfach! Ich musste mich mehrmals daran versuchen, bis ich mit dem Ergebnis wirklich zufrieden war.
And here we are! 😊 Ich persönlich finde die neue Version sogar besser als das Original. Aber das ist natürlich rein subjektiv!
Den letzten Song des Albums „Cheers To“ hast du „Holger Bussler“ gewidmet. Was kannst du uns dazu erzählen?
Die Grundidee zu diesem Song stammt von meinem Freund Holger Bussler, der leider nicht mehr unter uns weilt. Das ist mittlerweile etwa 12 oder 13 Jahre her.
Immer wenn wir gemeinsam im Studio saßen, spielte er diese paar Anfangsakkorde, die zumindest in ähnlicher Form auch heute noch im Song zu hören sind. Und jedes Mal habe ich zu ihm gesagt: „Daraus mache ich irgendwann mal einen Song!“
Und hier ist er nun. 😊
Inhaltlich ist das Ganze im Grunde ein kleines „Cheers“ auf das Leben. Wenn man irgendwann etwas älter geworden ist und schon so einiges erlebt hat – vieles, von dem man in jungen Jahren vielleicht glaubt, es längst zu kennen, obwohl man noch gar keine Ahnung davon hat –, dann darf man auch mal die Fünfe gerade sein lassen.
Man muss nicht immer alles bis ins kleinste Detail analysieren, nicht immer alles perfekt machen und nicht ständig alles hinterfragen. Manchmal sollte man einfach den Moment genießen und das Leben nehmen, wie es kommt.
Und irgendwie ist es auch eine schöne Erinnerung an Holger, dessen musikalische Idee nach all den Jahren nun doch noch ihren Weg in einen fertigen Song gefunden hat.
Also: Cheers auf das Leben, auf die Freundschaft und auf uns alle! 🥂😊
„One Step Back“ handelt, wenn ich es richtig verstanden habe, davon, dass man Entscheidungen auch revidieren kann, um auf einen besseren Weg zu kommen. Hattest du beim Schreiben des Songs ein konkretes Ereignis im Kopf? Und wie sehr lernst du im Allgemeinen aus deiner Vergangenheit?
Natürlich habe auch ich das alles schon durchlebt. Wer kennt das nicht? Man ist in einer Beziehung, und trotzdem fühlt sich manchmal einfach nichts mehr richtig an. Alles wird kompliziert. Eigentlich möchte man gar keinen Streit, kann aber gleichzeitig auch nicht einfach Ruhe geben.
Und ehe man sich versieht, ist man an einem Punkt angekommen, an dem es eigentlich schon viel zu weit gegangen ist – nur weil keiner nachgeben möchte.
Dabei wäre es manchmal so viel einfacher, kurz innezuhalten und einen Schritt zurückzugehen, anstatt immer weiter aufeinander loszugehen.
Denn manchmal ist ein Schritt zurück genau das, was es braucht, um anschließend gemeinsam zwei Schritte nach vorne machen zu können.
Wenn du dir für dein nächstes Album eine All-Star-Band zusammenstellen dürftest, wen würdest du einladen, um die Songs mit dir aufzunehmen und einzuspielen?
Das ist immer eine schwierige Frage, denn da gäbe es tatsächlich so einige Musiker, die für mich infrage kämen. Ich nenne einfach mal ein paar Namen, die mir spontan einfallen.
Dan Huff wäre für mich nicht nur als Gitarrist eine absolute Traumwahl, sondern auch als Produzent ein echtes Ass! An der zweiten Gitarre würde ich Doug Aldrich sehen, Tony Levin am Bass und David Bryan an den Keyboards.
Das wäre schon eine ziemlich coole Truppe, oder? 😎 Mir würden allerdings noch jede Menge weitere Musiker einfallen, mit denen ich liebend gerne einmal zusammenarbeiten würde. 😉
Michael Bormann´s Jaded Hard - SOUTH WEST - OUT NOW




