Wenn man sich ANNISOKAY anhört, kann man in keiner Weise verstehen, warum Metalcore bei einigen Steinzeitmetallern einen so schlechten Ruf hat. Schon auf ihren ersten beiden Longplayer "The Lucid Dream[er]" und "Enigmatic Smile" haben die fünf Mannen um Dave Grundewald unter Beweis gestellt, dass die Städte Halle/ Saale und Leipzig nicht nur wahre Zentren der Kreativität sein müssen, sondern auch Heimstätten für ein ganz besonderes Lebensgefühl zwischen tiefster Melancholie und kämpferischer Trotzigkeit.
Dementsprechend trifft shoutige Aggressivität und grimmige, riffige Zornigkeit ('Smile') auf überaus melancholische, atmosphärische Melodien ('D.O.M.I.N.A.N.C.E.'). Dabei ist das Gute, dass ANNISOKAY sich und ihrem Stil treu bleiben und nur behutsam verändern. So kommt der Sound äußerst organisch daher, obwohl er überaus vielfältig ist und gerade bei mehrmaligem Hören dem Hörer immer wieder einzigartige Entdeckungsmomente beschert. Man nehme nur den Track 'Blind Lane', der auf der einen Seite hintergründig eingesetzte elektronische Elemente mit einem hohen Maß an eingängiger Hymnik verbindet.
In dem Song 'Thumbs Up, Thumbs Down' sorgt nicht nur Christoph von Freydorf von den EMIL BULLS für ein ganz besonderes akustisches Erlebnis, die ganze Songstruktur steckt voller hochkarätiger Überraschungen inklusive grooviger und crossovriger Partien. Ein wehmütiges, aber zugleich verhalten optimistisches Fanal ist zudem der Track 'Hourglass', 'Photographs' geht dagegen besticht durch seine quirlige Dynamik, durch seine nachdenklicheren Passagen und sein Pathos, während 'Gold' dann schon die brutale Groovigkeit bis zum Anschlag ausreizt. Um einiges versöhnlicher kommt dann zunächst der Rausschmeißer 'The Last Planet' daher, ehe er sich in orgiastischer Intensität entlädt. Natürlich darf man auch die Metalcore Knaller 'Loud' oder 'What's Wrong' nicht unerwähnt lassen, stehen sie doch für genuin eigenen Trademarks der Band, wobei der Opener zudem durch seine gröligen Choralparts, der zweitgenannte Track durch seine kraftvolle Dynamik zu bestechen vermag.
Fazit: Die modernen Metaller von ANNISOKAY stellen mit ihrem dritten Album "Devil May Care" ein weiteres Mal unter Beweis, dass sie gekonnt tiefste Melancholie mit kämpferischer Aggressivität und hymnischen Melodien zu verbinden vermögen, ohne sich wiederholen zu müssen. Stattdessen reichern Sie ihren Sound mit gut dosierten Ausflügen in benachbarte Genres an und bieten somit allerlei Abwechslung!