
Avaland - Chemical Poetry
Bei Avaland geht es auf Chemical Poetry wieder ordentlich zur Sache. Die Franzosen setzen auf Symphonic Power Metal mit viel Orchester, großen Chören und gleich mehreren Stimmen. Dazu kommen harte Gitarren, düstere Melodien und immer wieder Einflüsse, die man in diesem Genre nicht unbedingt erwartet. Die Fantasy-Geschichte aus den vorherigen Alben wird ebenfalls weitergeführt. Man merkt schnell, dass hier einiges zusammenkommt.
Bei „Fate“ gefällt mir besonders das Zusammenspiel der beiden Sänger. Sie wechseln sich ab, singen miteinander und sorgen dafür, dass der Song nie langweilig wird. Es geht ziemlich theatralisch zu, aber das passt zum Stil der Band. Dazwischen gibt es genug klassische Power-Metal-Momente mit starken Melodien und Gitarren, die ordentlich Druck machen.
„Face The Eternal“ geht für mich noch einmal einen Schritt weiter. Die schweren Riffs und die großen Chöre passen richtig gut zusammen. Dazu kommen die Growls von Helle von IGNEA, die einen schönen Kontrast zum Klargesang bilden. Gerade dieser Wechsel macht den Song für mich besonders interessant. Er zeigt auch, dass Avaland nicht nur auf große Melodien und Orchester setzen, sondern durchaus härter werden können.
Bei „Beauties & Beasts“ musste ich erst einmal schmunzeln. Mit Swing, Bläsern und den Chören klingt das Ganze fast wie eine kleine Show. Das ist schon ziemlich speziell, aber langweilig wird es damit definitiv nicht. Mir gefällt, dass Avaland solche Ideen einbauen, statt einfach einen Power-Metal-Song nach dem anderen abzuliefern.
Mein Highlight ist „Trinity“. Über zwölf Minuten sind natürlich eine Ansage, aber der Song hat genug zu bieten, um mich bei der Stange zu halten. Es gibt harte Riffs, ruhige Passagen, große orchestrale Momente und auch hier wieder Growls. Der Track nimmt sich Zeit, ohne für mich unnötig in die Länge gezogen zu wirken. Danach haben es „Fallen Leaves“ und „Faded Away“ nicht gerade leicht, aber auch die beiden Songs können sich hören lassen. Vor allem der ruhigere Abschluss gefällt mir gut.
Manchmal ist auf Chemical Poetry ganz schön viel los. Die vielen Stimmen, Chöre und Orchesterparts machen die Songs zwar abwechslungsreich, sorgen aber auch dafür, dass nicht jeder Moment sofort hängen bleibt. Ich finde, dass die großen Arrangements gelegentlich etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen als die einzelnen Songs. Das ist bei einer Metal-Oper vielleicht auch nicht überraschend. Die Produktion von Joost van den Broek passt jedenfalls gut dazu und bringt die vielen Elemente ordentlich zusammen.
Wer auf Metal-Opern wie bei Avantasia, Fantasy-Geschichten und bombastischen Symphonic Power Metal steht, sollte bei Avaland definitiv mal reinhören. Chemical Poetry ist nicht unbedingt ein Album, das ich jedem empfehlen würde, aber wenn man mit diesem Stil etwas anfangen kann, gibt es hier einiges zu entdecken. Mir gefällt vor allem, dass die Band neben den großen Chören und orchestralen Passagen auch immer wieder härtere Momente einbaut. Eine starke Scheibe, bei der sich ein genauerer Durchlauf lohnt.
