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Crystal Lake - The Weight of Sound

VÖ: 23. Januar 2026   •   Label  Century Media Records

Bereits seit 2002 machen sich die Jungs von CRYSTAL LAKE daran, ihren vielseitigen Metalcore von Tokio aus in die Welt zu tragen. Mit The Weight of Sound veröffentlichen die Japaner nun bereits ihr sechstes Studioalbum und wollen zeigen, dass sich der Sound von CRYSTAL LAKE trotz diverser personeller Wechsel nicht verwässert hat, sondern vielmehr fokussiert und konsolidiert wirkt.

Die meisten kennen das Meme vom klassischen Aufbau eines Metalcore-Albums: ruhiges Intro, neun Songs absolutes Geballer, ruhiges Outro. Genau so machen es CRYSTAL LAKE nicht, denn man wird in Form von „Everblack“ direkt weggeblasen. Kompromisslos verzichtet die bereits 2024 erschienene zweite Singleauskopplung fast vollständig auf Clean-Anteile, bietet dafür aber leichte, experimentelle Facetten, die ein wenig an den progressiven Metalcore von VEIL OF MAYA erinnern. Mitgewirkt hat dabei kein Geringerer als David Simonich von SIGNS OF THE SWARM.

„BlüdGod“ (feat. Taylor Barber von SEVEN HOURS AFTER VIOLENT) war die erste Singleauskopplung und bewegt sich stilistisch irgendwo zwischen Industrial, Hardcore und Deathcore. Der sehr harsche, mechanische Grundcharakter des Songs wird dabei durch eine plötzliche elektronische Passage bewusst unterbrochen, die wiederum zum cleanen Ende hinleitet – ein gelungener Kontrast zur Brutalität zuvor.

Das anschließende „Neversleep“, bei dem Myke Terry (FIRE FROM THE GODS, VOLUMES) mitwirkte, erhebt ebenfalls keinen Anspruch auf Zurückhaltung. Nach einem bereits sehr harten, hardcorigen Einstieg bekommt man postwendend einen massiven Breakdown um die Ohren gehauen, nur um anschließend in Double-Time zur Schlachtbank geführt zu werden. Der gesamte Song fühlt sich an wie ein durchgehender Pit-Ritt, und am Ende muss man kurz überprüfen, ob man nicht doch völlig durchgeschwitzt aus dem Moshpit taumelt oder eigentlich noch zuhause sitzt. Ein brutaler, hochdynamischer Song, der live ein absolutes Brett werden dürfte.

Doch CRYSTAL LAKE können auch anders dynamisch: „King Down“ beginnt mit einem sehr groovigen Gitarrenriff, das trotz hohen Tempos einen deutlichen Stilwechsel zum vorherigen Song markiert. Der Track kommt bei aller weiterhin vorhandenen Härte insgesamt melodischer daher und entpuppt sich schnell als klarer Crowd-Mover, bei dem wohl einige mehr Zeit in der Luft als mit den Füßen am Boden verbringen werden.

Passend zum Titel von „The Undertow“ fühlte ich mich ein Stück weit in die Vergangenheit gesogen, denn der Sound wirkt angenehm nostalgisch nach frühen 2000er-Jahren. Metalcore, dem der Punk-Einfluss noch deutlich ins Gesicht geschrieben steht, dabei aber extrem gut aufgebaut ist. Kurze Gitarreneinschübe, treibende Passagen und starkes, prägnantes Shouting – ein Song, der einfach richtig Spaß macht. Das ruhige Outro stellt dabei einen bewussten Kontrast zum restlichen Verlauf dar.

„The Weight of Sound“, der Titeltrack des Albums, schürt naturgemäß Erwartungen. Entsprechend überraschend beginnt der Song mit einem ruhigen, gezupften Intro – alles klingt zunächst nach Metal-Ballade, fast schon pathetisch. Doch dann der Umschwung: Stellenweise kommen Linkin-Park-artige Vibes à la „Breaking the Habit“ auf, bevor sich der Song durch ein Wechselspiel aus Clean-Gesang und Geshoute in einen richtig guten, klassischen Metalcore-Track entwickelt. Das Spiel mit Erwartungshaltungen wird hier gekonnt inszeniert, denn zum Ende hin zieht die Härte erneut an, sodass sogar spürbare Melodic-Death-Metal-Einflüsse durchscheinen.

„Crossing Nails“ wurde dagegen sehr klassisch gebrüht. Die Mischung aus Hardcore und Metalcore ist geradlinig umgesetzt und erzeugt trotz moderner Produktion ein deutliches Oldschool-Gefühl.

Für „Dystopia“ holte sich die Band Unterstützung von Jesse Leach von KILLSWITCH ENGAGE. Der Titel verspricht bereits Düsterkeit und Emotionalität, und genau das liefert der Song auch. Die kontrastreiche musikalische Reise führt von deathcore-esken Passagen über klassische Metalcore-Elemente bis hin zu einem sehr ruhigen Outro, das mit tiefem, cleanem Gesang eine extrem depressive Grundstimmung transportiert.

Bei „Sinner“ kamen mir in den ersten Sekunden Bilder eines Sci-Fi-Planetenüberflugs in den Kopf, bevor das anschließende klangliche Massaker diese schnell in eine tobende Warhammer-40k-Schlacht verwandelte. Doch genug der Vergleiche: Im Vordergrund wütet solider, klassischer Metalcore, während sich im Hintergrund ein kleines elektronisches Thema herumtreibt. Ein langer, ruhiger Zwischenteil baut Spannung auf, bevor es in den Breakdown geht – klassisch, aber wirkungsvoll.

Noch einmal tief durchatmen, bevor das bei „Don’t Breathe“ zur Herausforderung wird. Der Song geht direkt brutal los, sodass der erste kleine Lufthauch sofort vom Chorus wieder eingefangen wird. Rhythmische Schnappatmung inklusive, damit hier auch ja niemand zur Ruhe kommt. Spürbar sind erneut die Industrial-Noten, eingebettet in einen druckvollen Metalcore-Sound mit ordentlich Härte. Im letzten Drittel folgt ein abrupter Wechsel, der in einem Moment kompletter Stille gipfelt, bevor ein kleines Gitarrenthema langsam zum Ende hin ausfadet.

„Coma Wave“ beschließt das Album und erfüllt zumindest hier wieder das eingangs erwähnte Meme. Ein ruhiges Piano-Intro mit Clean-Gesang eröffnet den Song, wobei Johns eher tiefe Stimme einen schönen Kontrast zu den sonst häufig baritonlastigen Metalcore-Stimmen bildet. Doch gerade wenn man sich entspannt zurücklehnen möchte, erlebt der Track noch ein echtes Intensitätscrescendo mit harten Riffs und ordentlich Geshoute – ein würdiger, nachhallender Abschluss.

The Weight of Sound ist kein Album, das sich langsam entfaltet oder um Aufmerksamkeit bittet – es reißt sie sich. CRYSTAL LAKE wirken hier fokussierter denn je, spielen mit Erwartungen, brechen sie bewusst und schaffen es trotzdem, ein in sich geschlossenes Album abzuliefern. Die Mischung aus kompromissloser Härte, elektronischen Akzenten und gezielt gesetzten Ruhephasen sorgt dafür, dass sich die Platte nie erschöpft anfühlt, sondern konstant Spannung hält.

Nicht jeder Song will gefallen oder hängen bleiben, aber genau darin liegt eine große Stärke dieses Albums: Es fühlt sich ehrlich an, roh, manchmal unbequem – und genau deshalb intensiv. The Weight of Sound funktioniert im Pit genauso wie im Kopfhörer nach dem Konzert, wenn der Körper langsam runterfährt, der Kopf aber noch arbeitet. Ein Album, das fordert, mitnimmt und nachwirkt – und ein starkes Zeichen dafür, dass CRYSTAL LAKE noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung angekommen sind.

 
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