Finntroll sind vermutlich der spannendste Kulturexport Finnlands. Nicht nur, dass die bekloppten Folkmetaller voll einen am Bregen haben, sie zelebrieren es auch noch ausgiebig in schwedischer Sprache mit hartem, düsterem Heavy Metal, der durch Vodka getränkte Melodien finnischer und osteuropäischer Folksmusik komplementiert wird. Dabei sind die Advokaten der Trolle Skandinaviens zuverlässig wie die ehemalige Bundesbahn. Alle drei Jahre ein neues Album, der Schnitt kann sich sehen lassen. So starten Finntroll 2013 mit "Blodsvept" erneut durch, um das christliche Europa im Sturme zu erobern, Troll sei Dank!
Was uns auf "Blodsvept" erwartet ist ehrlich gesagt kein Pradigmenwechsel, was aber durchaus seine Vorzüge hat. In der gewohnten Art und Weise von "Nifelvind" und "Ur jordens djup" beschwören die verrückten Finnen ihre Trollheere und verbreiten eine gemütliche, aber auch düstere Sumpf- und Tundrastimmung. Der Opener "Blodsvept" geht straight los und lädt sofort zum Headbangen und Mitschunkeln ein. Dieses hohe und spannende musikalische Niveau kann von Anfang bis Ende durchgehalten werden. Mein persönlicher Anspieltipp und Liebling ist "När Jätter Marschera". Auch wenn ich dem schwedischen nur soweit mächtig bin, dass ich mit Sicherheit die Behauptung aufstellen kann, dass es textlich auf dem Album erneut um Krieg, Blut und Trolle geht, tut dies dem Hörgenuss im Allgemeinen natürlich kein Abbruch. Das trollische Schwedisch passt wunderbar in das Gesamtkonzept, außerdem sind Trolle ja auch germanische und keine finnischen Sagengestalten.
Der Folk Humpa mit düsterem Metal und bösen Growls in schwedischer Sprache funktioniert auch auf dem sechsten Studioalbum einwandfrei. Mal groovy mit abwechslungsreichen Melodien wie bei "Rösets Kung", mal drückend kriegerisch durch eine ballernde Doublebase wie bei "Skövlarens Död", mal weit und offen, fast hymnenhaft wie bei "Häxbrygd" schaffen es Finntroll erneut einen richtig amtlichen Langspieler zu veröffentlichen. Ein absolutes Muss für jeden folkverrückten Metalhead!