
Forbidden - Forbidden
1985 wurde Forbidden in der kalifornischen Bay Area gegründet. Heute zählt die Band zu den technisch anspruchsvolleren Vertretern der amerikanischen Thrash-Metal-Szene. Mit Alben wie Forbidden Evil (1988) und Twisted into Form (1990) erspielte sich die Band einen Namen, der bis heute für komplexe Riffs, virtuose Gitarrenarbeit und progressive Songstrukturen steht. Neben Testament, Exodus, Death Angel und Vio-lence gehören Forbidden zu jenen Bands, die den eigenständigen, technisch versierten Sound des Bay-Area-Thrash entscheidend mitgeprägt haben.
Doch genug der Geschichtsstunde. Widmen wir uns dem eigentlichen Anlass: dem neuen, selbstbetitelten Album, das am 23.10.2026 via BLKIIBLK Records erscheint. Geschlagene 16 Jahre sind seit dem starken Vorgänger Omega Wave vergangen. Nun legen Forbidden endlich nach und schlagen mit ihrem neuen Werk ein weiteres Kapitel ihrer Bandgeschichte auf. Auch personell hat sich einiges getan. Neben Gitarrist Craig Locicero und Bassist Matt Camacho, die seit vielen Jahren zum festen Kern der Band gehören, sorgen Sänger Norman Skinner, Gitarrist Jeremy Von Epp und Schlagzeuger Chris Kontos für frischen Wind. Letzterer dürfte dem einen oder anderen vor allem durch seine Zeit bei Machine Head bekannt sein.
Musikalisch bleiben Forbidden dem Thrash Metal auf der neuen Scheibe weitgehend treu. Nach wie vor verbindet die Band Thrash mit progressiven Ideen, melodischen Akzenten und einer spürbaren Experimentierfreude – ganz so, wie man es bereits vom Debüt Forbidden Evil kennt.
Im Mittelpunkt steht, wie eigentlich immer bei Forbidden, die beeindruckende Gitarrenarbeit, die ich an der Band schon immer genial fand. Die Riffs haben es in sich: Raffinierte Rhythmuswechsel und technisch anspruchsvolle Soli sorgen für reichlich Nackenschmerzen. Das Zusammenspiel klingt druckvoll, präzise und erfreulich lebendig. Auch Norman Skinner setzt hinter dem Mikrofon frische Akzente. Mit seiner aggressiven und zugleich variablen Stimme verleiht er dem Material einen neuen Touch und passt sich den unterschiedlichen Songs überzeugend an. Nebenbei bemerkt, muss ich bei seinem Gesangsstil gelegentlich an Warrel Dane (RIP) von Nevermore denken.
Mit „Single Point Failure“ gelingt der Einstieg direkt auf Betriebstemperatur. Auch „Burning The Lungs Of Earth“ und „Mutually Assured Dysfunction“ zählen für mich zu den Highlights der Scheibe. Beide Tracks bringen genau die Durchschlagskraft mit, die ein modernes Thrash-Metal-Album im Jahr 2026 braucht. Mit „Divided By Zero“ legt die Band ordentlich nach und unterstreicht, dass neben den progressiven Elementen auch der klassische Thrash Metal nicht zu kurz kommt.
Etwas schwerer tut sich für mich der Song „Psyclops“. Er schlägt tatsächlich etwas gemächlichere Töne an und setzt auf ein schwerfälligeres, beinahe hypnotisches Songwriting. Damit beweisen Forbidden, dass sie nicht permanent Vollgas geben müssen. Mir persönlich ist das allerdings schon etwas zu experimentell für eine klassische Thrash-Metal-Band.
Auch „Sycophantasy“ sollte nicht unerwähnt bleiben. Der Song wartet mit einem Gastbeitrag von Brann Dailor auf, der vielen durch seine Arbeit mit Mastodon bekannt sein dürfte.
Eine etwas andere Seite zeigen die Bay-Area-Thrasher mit „Flower Of Life“. Der abschließende Track unterstreicht den Anspruch der Band, mehr zu liefern als eine nostalgische Rückkehr zu alten Glanzzeiten. Ich persönlich finde den Song erfrischend anders, auch wenn er für mich nicht zu den Highlights des Albums zählt.
Kommen wir zum Fazit: Bei einer Spielzeit von rund einer Stunde ist durchaus eine gewisse Ausdauer gefragt. Gerade im Mittelteil verliert die Platte stellenweise etwas an Zugkraft. Nicht jeder progressive Schlenker fügt sich nahtlos in den Gesamtfluss ein. Hier hätte ich mir zwischendurch gerne etwas mehr Doublebass-Gewitter gewünscht – diesen typischen Old-School-Thrash, der voll auf die Zwölf geht. Hätten Forbidden an manchen Stellen etwas mehr auf rohe Durchschlagskraft statt auf zusätzliche progressive Spielereien gesetzt, würden die Songs für mich womöglich noch stärker zünden. Gelegentlich wäre hier etwas weniger tatsächlich mehr gewesen.
Trotz dieser kleinen Schwächen ist die Scheibe echt nicht von schlechten Eltern. Unter dem Strich liefern Forbidden gegen Ende des Jahres ein starkes Comeback ab.
Anspieltipps: „Single Point Failure“, „Burning The Lungs Of Earth“, „Mutually Assured Dysfunction“
