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Heavenwood - The Tarot Of The Bohemians - Part II

VÖ: 12. Juni 2026  •   Label  Mighty Music

Heavenwood - The Tarot Of The Bohemians - Part II

Düster, atmosphärisch und überraschend abwechslungsreich – Heavenwood melden sich mit einem starken Album zurück, das die lange Wartezeit mehr als rechtfertigt.


Manchmal gibt es Alben, bei denen man sich fragt, warum eine Band so lange für neues Material gebraucht hat. Bei Heavenwood ist die Antwort nach wenigen Minuten eigentlich klar: Weil man für so ein Album eben Zeit braucht. Zehn Jahre nach dem ersten Teil von The Tarot Of The Bohemians kehren die Portugiesen mit dem abschließenden zweiten Kapitel zurück – und das Warten hat sich definitiv gelohnt.

Schon die ersten Songs machen deutlich, dass Heavenwood ihren Stil über die Jahre nicht verloren haben. Die Band bewegt sich weiterhin irgendwo zwischen Gothic Metal, Doom und Dark Metal, klingt dabei aber frischer und abwechslungsreicher, als man es nach einer so langen Pause vielleicht erwarten würde. Schwere Gitarren treffen auf düstere Melodien, dazu kommen immer wieder stimmungsvolle Passagen, die dem Album eine ganz eigene Atmosphäre verleihen.

Besonders gut gefällt mir, dass die Songs trotz ihrer dunklen Grundstimmung nie langweilig werden. Während „Death“ und „Temperance“ zunächst recht schwer und langsam daherkommen, bringen Stücke wie „The Devil“ oder „The Stars“ deutlich mehr Melodie ins Spiel. Vor allem „The Moon“ entwickelt sich schnell zu einem echten Ohrwurm und zeigt, wie gut Heavenwood harte Gitarren mit eingängigen Refrains verbinden können.

Mastermind Ricardo Dias dos Santos hat es geschafft, die typische Melancholie der Band zu bewahren und gleichzeitig neue Akzente zu setzen. Die Mischung aus tiefen Growls, klaren Gesangspassagen und den immer wieder auftauchenden Chören sorgt dafür, dass das Album ständig in Bewegung bleibt. Mal wirkt die Musik schwer und bedrückend, wenige Minuten später öffnet sie sich wieder und lässt etwas Licht durch die Dunkelheit scheinen.

Auch die Produktion ist richtig gut gelungen. Die Gitarren haben ordentlich Druck, das Schlagzeug und der Bass sorgen für ein solides Fundament und trotzdem bleibt genug Raum für die vielen kleinen Details, die man oft erst nach mehreren Durchläufen entdeckt. Gerade dadurch gewinnt das Album mit jedem weiteren Hören hinzu.

Was The Tarot Of The Bohemians – Part II besonders stark macht, ist die Balance. Heavenwood schaffen es, düstere Atmosphäre, Melodie und Härte miteinander zu verbinden, ohne dass der Fluss der Platte verloren geht. Die Songs wirken wie einzelne Kapitel einer großen Geschichte und ergeben zusammen ein sehr stimmiges Gesamtbild.

Am Ende liefern Heavenwood nicht nur einen würdigen Nachfolger zum ersten Teil, sondern eines ihrer stärksten Werke überhaupt ab. Wer etwas mit Paradise Lost, Sentenced oder den dunkleren Momenten von Amorphis anfangen kann, sollte hier unbedingt reinhören. Dieses Album zeigt eindrucksvoll, dass eine Band auch nach über drei Jahrzehnten Bandgeschichte noch inspirierte und spannende Musik schreiben kann.

HEAVENWOOD - The Lighting-Struck Tower (official video)