
Joe Stump - Lord of the Strings
Der Shredlord Joe Stump meldet sich wieder mit einem weiteren Meisterwerk in seinem unverkennbaren Stil zurück: Ein Feuerwerk aus schwindelerregendem Shred und virtuosen, mit messerscharfer Präzision gespielten Soli in irrwitzigem Tempo. Ruhigere Passagen, in denen die Gitarre mit emotionalen Melodien die erzählerische Rolle übernimmt, kommen ebenfalls nicht zu kurz. Das Ganze wird durch fette Headbanger-Riffs ergänzt und stilvoll neoklassisch verpackt.
Das neueste Werk des legendären Joe Stump, auch bekannt als der Shredlord oder der Professor of Shred, steht in den Startlöchern und lädt gleichermaßen zum Hören wie zum Staunen ein. Der Opener heißt Full Throttle und wurde zugleich als erste Single veröffentlicht. Und genau das bekommt man geboten: Pedal-to-the-Metal-Sound, Shred auf Höchstdrehzahl und trotzdem eine Melodie, die im Gedächtnis bleibt. Im gleichen Fahrwasser bewegen sich auch Hyperbolic und Raise Your Glass, die eine weitere Portion des leckeren neoklassischen Heavy-Metal-Shred-Cocktails servieren.
Gerade als man beginnen würde zu glauben, das Album sei zwar ein technisches Meisterwerk, aber irgendwie trotzdem eindimensional, kommen einige Tracks, die genau das Gegenteil beweisen. Den of Vipers gehört dazu. Da zeigt der Shredlord, wie vielseitig seine Musik ist und wie schnell sie von brachialer Virtuosität in emotionale Tiefe umschlagen kann. Leipzig 1722 fängt mit akustischer Gitarre an und bildet damit einen dramatischen Kontrast zu den energiegeladenen Stücken davor und danach, was das allgemeine Klangbild des Albums spürbar verändert. Was Leipzig und die Zahl 1722 damit zu tun haben, ist aktuell noch ein Rätsel. Möglicherweise handelt es sich um eine Anspielung auf Johann Sebastian Bach und dessen Wirken in Leipzig zu Beginn der 1720er-Jahre. Das würde hervorragend zu den barocken Einflüssen passen, die seit jeher eine wichtige Zutat in Joe Stumps Kompositionen darstellen.
Die monströse Schlagkraft dieses Werks wäre ohne eine Produktion auf absolutem Weltklasseniveau kaum denkbar. Der Professor of Shred hat erwartungsgemäß sämtliche Gitarren- und Bassspuren selbst eingespielt. Die Drums sind leider programmiert, was man aber kaum bis gar nicht heraushört. Für das komplexe Drum-Programming sowie sämtliche Keyboard-Parts ist Joes langjähriger musikalischer und produktionstechnischer Weggefährte Francisco Palomo verantwortlich. Obwohl die Keyboards musikalisch eher im Hintergrund agieren, leisten sie einen wesentlichen Beitrag zum Sound des Albums und machen dessen Klangbild einzigartig. Palomo übernahm darüber hinaus auch das komplette Mixing und Mastering.
Das Ergebnis: ein infernalisches Trommelfeuer aus Metal-Eskapaden, fingerbrecherischer Geschwindigkeit und harten Kontrasten zu sanfteren Passagen, die die musikalische Dramaturgie abrunden. Man kann das Album als eine zusammenhängende Narration wahrnehmen und nicht einfach als Vehikel für Soli, was beim Soloalbum eines Gitarrenvirtuosen die größte Gefahr wäre. Definitiv empfehlenswert, egal ob für Gitarrenenthusiasten oder einfach für Liebhaber klassischen Heavy Metals.
