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Megadeth - Megadeth

VÖ: 23. Januar 2026   •   Label  BLKIIBLK
Statement ohne Meilenstein?

Wenn eine Band beschließt, mit einem letzten Album ihre langjährige erfolgreiche Karriere zu beenden, dann muss dieses besagte letzte Album ein absoluter Kracher werden! Ist "Megadeth" ein Kanoneneinschlag, was einen Krater samt bleibenden Eindruck hinterlassen wird oder eher ein Flammenmeer, das vielleicht irgendwann sogar der Regen löscht?

Fakt ist, dass Mastermind Dave Mustaine schon alleine wegen des fehlenden Albumtitels für sich gesehen ein Statement setzen wollte. Ob dagegen das 16. Studioalbum wirklich das Zeug zum Meilenstein hat, werden entweder die Fans durch erfolgreiche Plattenverkäufe bestätigen, oder wie so oft der obligatorische Zahn der Zeit.

Im ersten Fall sollten die Verkaufszahlen wie immer sehr hoch sein, denn alleine schon die Marke MEGADETH birgt nicht nur für Qualität, sondern zieht eigentlich schon von alleine. Dazu kommt, dass sich kaum einer das allerletzte Album eines Megasellers und Giganten entgehen lassen will. Folglich wird das kein belastbarer Wert sein, was Aufschluss über den musikalischen Erfolg des Abschlussalbums von MEGADETH liefert.

Dann bleibt also noch der Zahn der Zeit. Diese Zeit haben wir hier natürlich nicht. Daher bleibt nur meine persönliche subjektive Einschätzung zu einem Werk, was eine Ära beenden soll - 43 Jahre MEGADETH.

Beim Hören des Albums schwingt daher für mich immer ein gewisser Abschied mit. Das selbstbestimmte Ende eines von Krankheiten geplagten Dave Mustaines, der nicht nur erfolgreich den Kehlkopfkrebs besiegt hat, sondern auch täglich mit Arthritis zu kämpfen hat und sich mit einer Titanplatte im Nacken herumschlagen muss. Zudem kommen vor und während der Produktionsphase verschiedene Schicksalsschläge in seiner Familie hinzu, die ihn ebenfalls dazu veranlasst haben, auf den Zenit seiner Schaffenskraft die Reißleine zu ziehen. Schließlich wird er irgendwann 70, wenn das ganze Touren rund um "Megadeth" mal beendet sein sollte.

Ein Abschied. Aber treten MEGADETH wirklich auf dem Höhepunkt ihres Schaffens ab?

Versteht mich nicht falsch, das Album ist in der Tat sehr stark und auf höchsten Niveau. Es gibt Songs, die definitiv das Zeug zum Publikumsliebling haben könnten, wie zum Beispiel die Singleauskopplungen "Tipping Point" oder "Let There Be Shred", aber jeder dieser Songs klingt mir manchmal zu perfekt, zu konstruiert. Die Formel "Megadeth" ist in den letzten Jahrzehnten zur Perfektion gereift, und das hört man ihnen auch an. Aber was heißt das genau? Hätte das letzte Album dann lieber rauer und am besten "Back To The Roots" ausfallen sollen, damit es das besagte Statement setzen, den Erfolgs-Zenith bestätigen kann?

Ich glaube, das braucht es nicht.

Wie schon die erfolgreichen Single-Auskopplung "I don’t Care" eindrucksvoll zeig: Mastermind Dave Mustaine ist es schnurz-piep-egal, wie das Album draußen ankommt. Er macht seit Jahrzehnten konsequent das, was er für richtig hält. Auch vor einem regen Austausch seiner hoch talentierten Gitarristen macht er ja bekanntlich nicht halt. Der neue und gleichzeitig letzte Leadgitarrist Teemu Mäntysaari brilliert auf "Megadeth" mit beeindruckenden Qualitäten, was die Band zukünftig sogar noch mal hätte voranbringen können.

Aber, er braucht das nicht.

Nein, wer auf einem Album mit Gott spricht (Hey God?!), hat es nicht nötig, sich von der medialen Landschaft was indoktrinieren zu lassen.
Dave entscheidet, in welchem Stil die Songs des Abschiedsalbum auf die Menschheit losgelassen werden und sonst keiner.

Wie gesagt, das neue Album ist in sich gesehen sehr stark und kompositorisch auf allerhöchsten Niveau ausgefallen, was Fans der letzten 25 Jahre vermutlich eher gefallen dürfte, als Verehrer legendärer Frühwerke, wie "Rust In Peace" oder "Countdown To Extinction".
Auch wenn einige Reviewer von einer Best-Of seiner Karriere sprechen, repräsentiert "Megadeth" für mich eher die modernen MEGADETH ab 2001, als die Welt wieder einen Helden brauchte.

"Megadeth" ist dennoch sehr abwechslungsreich ausgefallen, es gibt Hymnen ("Puppet Parade"), Midtempokracher ("I Am War") und die obligatorischen Highspeednummern, wie der geschickt gewählte Opener "Tipping Point". Mir persönlich gefallen aber eher die schnellen thrashigen Tempokracher, wie "Made To Kill" und "Let There Be Shred" am besten, alleine aufgrund ihrer intelligenten Arrangements. Die Formel ist perfekt! Fast alle Songs bewegen sich auf einem verdammt hohen Niveau, was in der Vergangenheit nicht immer der Fall war. Die Hit-Dichte ist deutlich höher, als noch auf den dennoch starken Vorgänger "The Sick, the Dying... and the Dead!" aus dem Jahre 2022. Weniger progressiv, mehr direkt. Den Abschluss bildet "My Last Note" - sein würdevoller persönlicher Abschied inklusive der sicher nicht ganz unbeabsichtigt gewählten Textzeile "Fade To Black". Mit dem anschließenden Bonus-Track "Right The Lightning" schließt sich zudem der Kreis zu Daves Vergangenheit - vielleicht ein Friedensangebot? Obwohl Dave in Interviews ja stets betont, dass es sich wider Erwarten nicht um ein Coverstück handelt, da er ihn damals schließlich selbst geschrieben habe.

Kommen wir auf die Anfangsfrage zurück - ist es ein würdevoller Abschied, ein Meilenstein mit Statement? Ja und nein. Ja - ein würdevoller Abschied, mit hochkarätigem Songwriting und hoher Hit-Dichte mit leichten Reminiszenzen an seine Vergangenheit inklusive Verabschiedung. Ein Meilenstein? Aus meiner Sicht nicht, auch wenn das vermutlich erst die Zeit zeigen wird. Es sind zwar sehr gute Songs drauf enthalten, aber "Megadeth" hat nicht die besten Tracks, die Megadave in seiner langjährigen Karriere zum besten gegeben hat. Es ist ein weiteres sehr gutes Werk in der langen Historie des Rotschopfes.

Auch fehlt das besondere Etwas, etwa eine Überraschung, die man so noch nie von dieser Band gehört hat, oder zumindest schon lange nicht mehr vernommen hat, um ein Statement für die Ewigkeit zu setzen. Eine Ode an die treue Fanschaft. "Ride The Lightning" mit MEGADETH zu intonieren, erscheint mir da ein wenig zu einfach.

Es ist für mich also nicht der erhoffte Meilenstein einer Band, die beschlossen hat, auf einem hohen Niveau ihres Erfolges aufzuhören, sondern nur ein weiteres hochklassiges Album was auch bereits vor vier Jahren hätte veröffentlicht werden können. Vielleicht waren meine Erwartungen aber auch zu hoch, vielleicht muss ich das 16te Studiowerk einfach noch 15-mal mehr hören, um die Qualitäten von "Megadeth" richtig zu erkennen.

Da wären wir also wieder bei den Zeichen der Zeit. Kann man eigentlich jetzt schon sagen, dass ein Album zum Meilenstein wird? Man kann nur Tendenzen erahnen. Und auf sein Bauchgefühl hören. Mein Bauchgefühl sagt mir allerdings, es ist ein starkes Album, aber um ein Meilenstein in der Diskographie von MEGADETH zu werden, ist es einfach zu vorhersehbar. Die Ausreißer fehlen. Die Ausreißer, die ein Album zur Legende werden lassen. Bei MEGADETH allerdings vielleicht auch schwierig, da es einfach zu viele legendäre Alben der Anfangstage gibt, dessen Qualität in Gänze bisher nie mehr erreicht wurde.
 
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