
Motörhead - Kiss Of Death (20th Anniversary Edition)
Dieser Text wurde von Ronald Toplak verfasst:
Vor einiger Zeit tauchte plötzlich ein Video auf, das meine Freunde und ich längst verloren geglaubt hatten. Funkausstellung 1981. Motörhead spielen „The Hammer“. Im Hintergrund: wir.
Mitarbeiter des ZDF hatten uns vor die Kameras gestellt.„Macht Stimmung“, hatten sie gesagt. Wir machten Stimmung. Kopfschütteln bis zum Schleudertrauma. Mit einer Ernsthaftigkeit, als hinge die Zukunft des Rock ’n’ Roll von uns ab. Über 40 Jahre lang glaubten wir, diese Aufnahmen seien verschwunden. Dann spuckte das Internet sie plötzlich wieder aus. Da standen wir wieder. Jugendliche Gesichter, lange Haare, große Träume. Eine kleine Ewigkeit entfernt und doch nur einen Mausklick nah.
Warum ich das erzähle? Weil Motörhead eine neue Platte haben. Am 3. Juli erscheint „Kiss of Death (20th Anniversary Edition)“ über BMG. Eine liebevoll zusammengestellte Neuauflage des Albums von 2006, das damals bis auf Platz vier der deutschen Charts kletterte.
Und die Platte selbst? Sie gehört zu den unterschätzten Werken im gewaltigen Motörhead-Katalog. Als „Kiss of Death“ erschien, war die Band längst eine Legende. Viele Gruppen in diesem Alter leben von ihren größten Hits. Motörhead nicht. Die Songs klingen, als wollten Lemmy, Phil Campbell und Mikkey Dee noch einmal allen beweisen, dass sie immer noch die lauteste Band des Planeten sind.
Da ist das stampfende „Trigger“, das majestätische „Sword of Glory“ und vor allem „God Was Never on Your Side“. Ein Lied, das mit jedem Jahr größer geworden ist. Keine Rockpose, kein Machogehabe, sondern ein erstaunlich nachdenklicher Song über Glauben, Zweifel und die Endlichkeit. Heute hört er sich beinahe wie ein leiser Abschiedsgruß an.
Die neue Edition behandelt das Album deshalb nicht wie einen alten Katalogtitel, sondern wie ein Stück Rockgeschichte. Für die Neuauflage wurde „Kiss of Death“ in halber Geschwindigkeit direkt von den Originalbändern neu gemastert. Das sorgt für einen außergewöhnlich dynamischen, präzisen und wuchtigen Vinyl-Klang. Als hätte jemand die Scheiben noch einmal poliert, damit die Musik so kraftvoll leuchtet wie vor zwanzig Jahren.
Dazu kommen Bonustracks und ein Live-Mitschnitt vom Lowlands-Festival 2007, der eine Band zeigt, die noch immer klang, als könne sie jeden Saal in Schutt und Asche legen.
Wie schon auf dem Originalalbum sind außerdem hochkarätige Gastmusiker zu hören, darunter Mike Inez von Alice in Chains und C.C. DeVille von Poison. Kleine Details, die zeigen, welchen Respekt Motörhead weit über die eigenen Genregrenzen hinaus genoss.
Meine Freunde von damals sind übrigens alle noch da. Das allein ist schon ein kleines Geschenk des Lebens. Einer von ihnen besitzt sogar noch die Jacke, die er sich nach dem Auftritt im Sommergarten von der Band signieren ließ. Inzwischen ist er Doktor und forscht an erneuerbaren Energien. Ein Mann, der sich beruflich mit der Zukunft beschäftigt. Aber ich bin ziemlich sicher, dass ihm diese Autogramme fast so wichtig sind wie seine Promotion. Vergangene Woche feierte er 60. Geburtstag. Wir quatschten über Motörhead. Stolz kramte Galli, so unser Kosename, seine alte Kutte wieder raus. Zack. Plötzlich waren wir wieder 16.
Denn solche Dinge erzählen nicht, was wir geworden sind. Sie erzählen, wer wir einmal waren. Fast fünfzig Jahre höre ich nun Motörhead. Seit ich Platten kaufe, begleiten mich Lemmy und seine Mitstreiter durch mein Leben. Inzwischen sind die Musiker von damals tot.
Und doch leben sie weiter.
Auf Vinyl. In Lautsprechern. In einem alten Video von der Funkausstellung. Auf einer signierten Jacke. Und in ein paar inzwischen grau gewordenen Jungs, die im Sommer 1981 im Hintergrund von „The Hammer“ die Köpfe schüttelten, als gäbe es kein Morgen.
Schallplatten drehen sich im Kreis. Manchmal bringen sie uns genau dorthin zurück, wo alles begann. Wie eine Nadel, die am Anfang der Platte aufsetzt.
Vor einiger Zeit tauchte plötzlich ein Video auf, das meine Freunde und ich längst verloren geglaubt hatten. Funkausstellung 1981. Motörhead spielen „The Hammer“. Im Hintergrund: wir.
Mitarbeiter des ZDF hatten uns vor die Kameras gestellt.„Macht Stimmung“, hatten sie gesagt. Wir machten Stimmung. Kopfschütteln bis zum Schleudertrauma. Mit einer Ernsthaftigkeit, als hinge die Zukunft des Rock ’n’ Roll von uns ab. Über 40 Jahre lang glaubten wir, diese Aufnahmen seien verschwunden. Dann spuckte das Internet sie plötzlich wieder aus. Da standen wir wieder. Jugendliche Gesichter, lange Haare, große Träume. Eine kleine Ewigkeit entfernt und doch nur einen Mausklick nah.
Warum ich das erzähle? Weil Motörhead eine neue Platte haben. Am 3. Juli erscheint „Kiss of Death (20th Anniversary Edition)“ über BMG. Eine liebevoll zusammengestellte Neuauflage des Albums von 2006, das damals bis auf Platz vier der deutschen Charts kletterte.
Und die Platte selbst? Sie gehört zu den unterschätzten Werken im gewaltigen Motörhead-Katalog. Als „Kiss of Death“ erschien, war die Band längst eine Legende. Viele Gruppen in diesem Alter leben von ihren größten Hits. Motörhead nicht. Die Songs klingen, als wollten Lemmy, Phil Campbell und Mikkey Dee noch einmal allen beweisen, dass sie immer noch die lauteste Band des Planeten sind.
Da ist das stampfende „Trigger“, das majestätische „Sword of Glory“ und vor allem „God Was Never on Your Side“. Ein Lied, das mit jedem Jahr größer geworden ist. Keine Rockpose, kein Machogehabe, sondern ein erstaunlich nachdenklicher Song über Glauben, Zweifel und die Endlichkeit. Heute hört er sich beinahe wie ein leiser Abschiedsgruß an.
Die neue Edition behandelt das Album deshalb nicht wie einen alten Katalogtitel, sondern wie ein Stück Rockgeschichte. Für die Neuauflage wurde „Kiss of Death“ in halber Geschwindigkeit direkt von den Originalbändern neu gemastert. Das sorgt für einen außergewöhnlich dynamischen, präzisen und wuchtigen Vinyl-Klang. Als hätte jemand die Scheiben noch einmal poliert, damit die Musik so kraftvoll leuchtet wie vor zwanzig Jahren.
Dazu kommen Bonustracks und ein Live-Mitschnitt vom Lowlands-Festival 2007, der eine Band zeigt, die noch immer klang, als könne sie jeden Saal in Schutt und Asche legen.
Wie schon auf dem Originalalbum sind außerdem hochkarätige Gastmusiker zu hören, darunter Mike Inez von Alice in Chains und C.C. DeVille von Poison. Kleine Details, die zeigen, welchen Respekt Motörhead weit über die eigenen Genregrenzen hinaus genoss.
Meine Freunde von damals sind übrigens alle noch da. Das allein ist schon ein kleines Geschenk des Lebens. Einer von ihnen besitzt sogar noch die Jacke, die er sich nach dem Auftritt im Sommergarten von der Band signieren ließ. Inzwischen ist er Doktor und forscht an erneuerbaren Energien. Ein Mann, der sich beruflich mit der Zukunft beschäftigt. Aber ich bin ziemlich sicher, dass ihm diese Autogramme fast so wichtig sind wie seine Promotion. Vergangene Woche feierte er 60. Geburtstag. Wir quatschten über Motörhead. Stolz kramte Galli, so unser Kosename, seine alte Kutte wieder raus. Zack. Plötzlich waren wir wieder 16.
Denn solche Dinge erzählen nicht, was wir geworden sind. Sie erzählen, wer wir einmal waren. Fast fünfzig Jahre höre ich nun Motörhead. Seit ich Platten kaufe, begleiten mich Lemmy und seine Mitstreiter durch mein Leben. Inzwischen sind die Musiker von damals tot.
Und doch leben sie weiter.
Auf Vinyl. In Lautsprechern. In einem alten Video von der Funkausstellung. Auf einer signierten Jacke. Und in ein paar inzwischen grau gewordenen Jungs, die im Sommer 1981 im Hintergrund von „The Hammer“ die Köpfe schüttelten, als gäbe es kein Morgen.
Schallplatten drehen sich im Kreis. Manchmal bringen sie uns genau dorthin zurück, wo alles begann. Wie eine Nadel, die am Anfang der Platte aufsetzt.
