Zum Hauptinhalt springen

Sigh - Goh-ka

VÖ: 04. September 2026  •   Label  Peaceville

Sigh - Goh-ka

1990 in Tokio gegründet, hat die Band Sigh schon einige Lenze auf dem Buckel. Zuweit weg, nicht in den eigenen Schwerpunktgenres unterwegs, gehört hatte ich bis dato nie von ihnen. Ohne Reviewabsicht hatte ich mir beim Durchsehen der anstehenden Veröffentlichungen das Material auf Halde gelegt, um es zumindest mal kursorisch zu erfassen. Ein Familienmitglied ist ja wirklich von Japan und Mangas gefangen. Mich beeindruckte allerdings Anfang 2024 eine berufliche Reise nach Tokio. Im Drachenjahr geboren durfte ich zu Beginn eines Drachenjahres diese Stadt erleben. Es war ein Privileg. Nachdem ich Sigh ein paar Momente gönnte, entschloss ich mich zum Review. 
Den Verzug zwischen VÖ-Datum und Onlinestellung dieses Reviews kann ich erklären: Priorität hatte mein Beruf. Da war auch abends und an den Wochenenden seit Monatsbeginn kein Spielraum. Und Schlafensphasen brauche ich auch. Goh-ka hat mehrere Bedeutungen: das höllische Feuer, das Sünder versengt; das gewaltige Feuer, welches am Ende der Zeit die Welt niederbrennt und es bedeutet schlicht Karma. Kuso-shi soll ein japanisches Gedicht sein, was auf den buddhistischen Gemälden basiert, die die neun Stadien der menschlichen Verwesung darstellen. Ku bedeutet neun, so bedeutet Phase. Da ich die japanischen Schriftzeichen nicht kann, gibt es zumindest noch den Begriff Kuzushi. Dieser bedeutet das Brechen des gegnerischen Gleichgewichts im Kampfsport. Um auf die neun Bilder zurückzukommen. Ihr Zweck liegt darin, den Menschen über die Vergänglichkeit des Lebens zu menditieren. Der Tod ist unausweichlich, damit sollte sich der Mensch zur Erlangung von Freiheit von körperlicher Schönheit und weltlichen Dingen lossagen. Als Toter hat man nichts davon, als Reichster auf dem Friedhof zu liegen. 
Die bedingungslose Tat führt auf der anderen Seite zur Erinnerung durch die Überlebenden. 

Die japanische Sprache ist für uns "im Westen" sehr exotisch, die musikalische Basis bleibt aber gewohnt im 12 Tonbereich. Hier und da - und das mag man aus europäischer Sicht als Avantgarde beschreiben - sind traditionelle Klänge wie Flöte und Koto oder japanisch-anmutetende Rhythmik arrangiert worden (vgl. Unputenpu mit Mikael Åkerfeldt). Ich bevorzuge zur Meditation Ruhe oder typische yogische Klänge, Michael Hedges, das ein oder andere Ambient/Neo-Klassik Material, mit Metal kriegt man mich nicht auf die Yogamatte. Als Gedankenanstoß indess reicht ja die Erkenntnis, dass vier der elf Stücke die neun Stufen beinalten sollen. 
 
Fazit: Der/Die weltgewandte und -offene Metaller/-in sollte sich durchaus Sigh einmal annehmen. Als Einstieg sei das Musikvideo zur Single Unputenpu ans Herz gelegt. Und ein Blick in das Twilight Magazin Postfach zeigt zudem, dass mit Saiseiga ein weiterer japanischer Akt, diesmal Melodic Groove Metal vertretend, auf Reviewberücksichtigung wartet.        

Sigh - Unputenpu [Feat. Mikael Åkerfeldt]