Aus dem Süden Europas ist ein angenehmer Donner zu vernehmen. Die Italiener THUNDER RISING melden sich dieser Tage mit einem neuen Album zurück und lassen es ordentlich krachen.
Meine Version des Albums scheint eine andere Reihenfolge der Tracks zu haben als die CD-Version. Meine Version steigt mit dem kernigen „Master of Destiny“ ein, welches gegenüber der pop-rockigen Nummer „Can’t Forget Your Voice“ für mich auch die deutlich bessere Wahl für einen Opener wäre. Immerhin erinnert besagter Titel an BRAZEN ABBOT, was auch zur Vorliebe der Truppe für den Sänger Mark Boals passt. Dieser hat zwar nicht bei BRAZEN ABBOT geträllert, aber für YNGWIE MALMSTEEN, RING OF FIRE, ROYAL HUNT und scheinbar auch auf dem Debüt von THUNDER RISING im Jahr 2013.
Erinnert man sich nun noch daran, dass der Bandname möglicherweise dem gleichnamigen GARY MOORE Song „Thunder Rising“ entliehen wurde, hat man die musikalische Ausrichtung von „Horizon Line“ auch schon einigermaßen umrissen.
Alessio Spini macht einen guten Job als Frontmann, da seine Stimme sowohl zu den kernigen Hardrockern wie „Master of Destiny“ und „Personal Vampire“ als auch zu balladesken Nummern („Dreaming Song To You“, „The Prisoner“) und etwas poppigeren Nummern wie „Can’t Forget Your Voice“ passt. Seine italienische Herkunft kann der gute Mann allerdings nicht ganz verbergen, wenn er „The Priiiiiisoner“ schmettert. Mit „Prelude25“ gibt es dann einen Jon Lord-Hammondorgel-Gedächtnis-Song, der aber als instrumentales Zwischenspiel durchaus erfrischend ist, zumal Frank Caruso auch noch ein wenig auf seiner Gitarre frickeln darf. Mit „She can’t hold you back“ wird dann auch nochmal die Vorliebe für fetten 70er-Hardrock deutlich gemacht und Enzo Caruso greift nochmal kräftig in die Tasten. Die CD enthält noch ein weiteres Instrumental, welches mir aber nicht vorliegt.
Bisher hatte ich THUNDER RISING nicht auf dem Schirm, auch wenn ich festgestellt habe, dass ich das 2022er Album „Back To The Time Of Rock“ im digitalen Plattenschrank stehen habe. Und auch wenn das Album damals offenbar keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat, gilt der Albumtitel doch 1:1 auch für „Horizon Line“. Der Fünfer aus Italien hat sich mit Haut und Haar dem harten Rock verschrieben und liefert auf „Horizon Line“ auch ordentlich ab. Die Qualität einer Band wie BRAZEN ABBOT können THUNDER RISING zwar nicht über die gesamte Spielzeit liefern, aber der aktuelle Longplayer der Italiener sollte Fans von solidem Hardrock mit kräftigen 70er- und 80er-Jahre-Wurzeln auf jeden Fall aufhorchen lassen.