Den 1. Preis für das bescheuertste Cover des Jahres 2026 gewinnen TRANSATLANTIC RADIO jedenfalls schon mal. Doch man soll ein Buch ja niemals nach seinem Einband beurteilen. Und so lohnt es sich auch bei TRANSATLANTIC RADIO genauer hinzuhören…
Gut, diese Band eher unbekannter Musiker wird zwar als AOR-Supergroup angepriesen, aber eine führende Nuss-Nugat-Creme wurde in den 80ern auch als gesundes Frühstück beworben. Beides stellt sich schnell als klitzekleine Übertreibung heraus, aber musikalisch liefern TRANSATLANTIC RADIO, die vom schwedischstämmigen Produzenten Victor Brodén in L. A. gegründeten wurden, wirklich ordentlich ab. Während der Corona-Zeit wuchs in Brodén der Wunsch, eine Band zu gründen, die den Spirit und die Musik der 80er Jahre zurück auf die Bühne der Welt bringen würde. In dem schwedischen Sänger Mattias Osbäck und dem amerikanischen Gitarristen RJ Ronquillo (u. a. Ricky Martin, Santana, Stevie Wonder und Stone Sour) fand er schnell passende Mitstreiter. Fred Korn an den Keys und Chris Reeve, der bereits für Filter trommelte, an den Drums komplettieren die Besetzung. Das Resultat der gemeinsamen Arbeit lässt sich nun in den neun Songs auf dem Debütalbum nachhören.
Mattias Osbäck entpuppt sich als glückliche Wahl für dieses AOR-Projekt, da seine Stimme das gesamte Spektrum von kratzig-hart (erinnert teilweise sogar an Graham Bonnet) bis kuschelig-zart abdeckt und den verschiedenen Songs somit eine frische Note verleiht. Hinzu kommt, dass die Truppe wirklich einige feine Songs im Gepäck hat und man ist fast geneigt zu glauben, dass Bandleader Victor Brodén es ernst meint, wenn er das Album als seinen „Liebesbrief an die Musik, die sein Leben formte“ beschreibt. Mit „First To Be Last“ oder „All For You“ hätte man in den 80ern problemlos Stadien füllen können. Dass Brodén in seiner Jugend Bands wie GIANT, REO SPEEDWAGON oder FOREIGNER, die durchaus schon mal hörbar zitiert werden (z. B. „Fever Dream“), rauf und runter gehört hat, lässt sich nicht leugnen. Aber auch wer sich an jüngeren Frontiers Music-Bands wie STARDUST oder SPEKTRA erfreut, dürfte an TRANSATLANTIC RADIO Gefallen finden. Zwar bedienen sich TRANSATLANTIC RADIO aller typischen 80er-AOR-Zutaten, doch es wurde auch darauf geachtet, dass die Gitarren gegenüber den Keyboards nicht zu sehr in den Hintergrund geraten (z. B. „Wide Awake“). Der Einladung von „The Good Times“ für einige Minuten in die Unbeschwertheit abzutauchen folgt man gerne.
Es ist schade, dass man eine AOR-Perle wie „Midnight Transmission“ in solch einem Augenkrebs-erregenden-Billigartwork versteckt hat. Dem Produktmanager müsste man zur Strafe die gesamte Wohnung mit der entsprechenden Fototapete tapezieren. Musikalisch ist TRANSMISSION RADIO wirklich ein absolut hörenswertes Debüt gelungen und hier wurde weder am Songwriting, noch an der Umsetzung noch am Sound gespart. Sollte man unbedingt antesten und sein transatlantisches Radiogerät dabei möglichst bis zum Anschlag aufdrehen.