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Worm - Necropalace

VÖ: 13. Februar 2026   •   Label  Century Media Records

Was ist denn da passiert…?

Zugegeben, dass sich die hochspannenden und -interessanten Mannen vom nordamerikanischen Kontinent, der bandhistorisch von Florida bis Quebec reicht, nicht auf Dauer im Indie-Brennglas von 20 Buck Spin halten lassen würden, war klar. Insofern ist der Schritt zu Century Media kaum verwunderlich. Aber obwohl sich die Entwicklung vom tiefschwarzen Death-Doom hin zu mehr atmosphärisch-verspieltem Black Metal auf der “Bluenothing”-EP sowie auf der “Starpath”-Split mit Dream Unending bereits nachvollziehbar abzeichnete, hat “Necropalace” nur noch in Ansätzen etwas mit dem einzigartigen Underground-Highlight “Foreverglade” aus dem Jahr 2021 zu tun. Wer Worm mit diesem tonnenschweren, faulig-schwarzen Death Doom-Ungetüm aus den Sümpfen Floridas schätzen und lieben gelernt hat, der wird trotz der Weiterentwicklung auf EP und Split vor eine gewaltige Aufgabe gestellt.

“Necropalace” ist zwar immer noch doomig, über weite Strecke regiert allerdings atmosphärischer Mittneunziger - Black Metal, der so seinerzeit über Avantgarde Music, Adipocere, Holy Records oder auch Last Episode hätte erscheinen können. Nur handelt es sich bei Worm eben nicht um ein paar junge Wilde, sondern durchaus um gestandene Musiker. Herausragend ist dabei eigentlich nur das wirklich virtuose Lead- und Sologitarrenspiel, das es verdient, zum Abschluss des Albums beim finalen Fünfzehnminuten-Epos “Witchmoon: The Infernal Masquerade” von einer Ikone wie Marty Friedman gewürdigt zu werden. Auch wenn Gitarren-Liebhaber angesichts der Saitenhexereien mit der Zunge schnalzen, mir ist das in der Breite und Tiefe des über weite Strecken beliebigen Black Metals, der mehr überaltert und altbacken denn zeitlos klingt, zu wenig.

Förderlich wirkt sich auch nicht der Umstand aus, dass man, angefangen beim Artwork (Andreas Marschall war auch schonmal besser – Anm. d. Verf.) in optisch-visueller Hinsicht gleich sämtliche Klischees der zitierten Zeitspanne übernommen hat, die nur bedingt gut gealtert sind: Corpsepaint, Schwerter, Dolche und Rüschenhemden, barbusige und kunstblutbesudelte Frauenhaut, darüber ein Retro-Filter im Video – ist es Huldigung, Satire oder Slapstik?

Nun, ich bin weder Kaufmann, noch Marketing-Stratege aber ich wage zu bezweifeln, ob Worm mit “Necropalace” die Hoffnungen und Erwartungen eines Labels wie Century Media erfüllen werden, weil ich mir aufgrund der musikalischen Ausrichtung kaum vorstellen kann, dass derzeit für solche Musik und Image ein Markt existiert, der über die Reichweite von 20 Buck Spin hinaus geht. Ulver könnten grüßen lassen. Allerdings haben die Norweger bekanntlich ja trotz oder auch gerade wegen “Nattens Madrigal” ihren Weg gemacht.

Worm - Necropalace - Official Video
 
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