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Xorsist – Aberrations

VÖ: 24. April 2026  •   Label  Hammerheart
Der Boden in und um Stockholm ist noch immer sehr fruchtbar. Dort, wo früher Bands wie DISMEMBER, ENTOMBED, UNLEASHED & Co. neue musikalische Maßstäbe gesetzt haben, wachsen und gedeihen auch über 30 Jahre später noch prächtige Pflanzen. Eine davon hört auf den Namen XORSIST.

Das Quartett aus Schwedens Hauptstadt rasiert jedem Modemetaller schon mit dem Eröffnungsriff von „Rest Impending“ ordentlich den Schädel. XORSIST zeigen von der ersten Sekunde an, um was es bei ihnen geht: Death Metal der alten Schule mit sägenden HM2-Riffs und singenden Leadgitarren, die wie ein heißes Messer durch weiche Butter schneiden. Mit Gitarrist Gustav Ryderfelt und Bassist Birk Castenmalm hat die Band gleich zwei Sänger in ihren Reihen, was sich in unterschiedlichen Gesangsstilen äußert. Einerseits gibt es abgrundtiefe Growls, andererseits wütendes Gebell. Die Songs sind fast ausnahmslos abwechslungsreich arrangiert und es wird zwischen wilder Raserei und kraftvollem Midtempo variiert. All diese Facetten bekommt der Fan bereits im Opener geboten. Positiv ist, dass der Sound niemals matschig klingt. Trotz des traditionellen HM2-Sounds klingen die Instrumente jederzeit differenziert. Stellenweise erinnern die Bass-Sounds sogar an BENEDICTION in „Dark is the Season“.
Mir gefallen XORSIST besonders dann sehr gut, wenn sie sich auf Grooves und gemäßigtes Tempo einigen, wie etwa in „Souls to Mourn“ oder der tollen zweiten Hälfte von „An Elegy Unfolds“, in der es nicht nur akustische Einschübe gibt, sondern auch dezente Keyboards im Hintergrund. Diese verleihen dem Song nochmal eine zusätzliche Tiefe, wie man es vielleicht auch von EDGE OF SANITY kennt. Wer auf gemäßigte DISMEMBER-Songs steht, der wird auch „Of Where I Reside“ lieben. In dem Song erinnert vor allem die Gitarrenarbeit an „Massive Killing Capacity“-Zeiten. Die Mischung aus schweren Riffs und wilder Raserei wird in „His Shrouded Gaze“ besonders deutlich. In „Disbelief“ darf sich Basser Castenmalm besonders gut hörbar austoben, was dem Song eine schöne Tiefe verleiht. Wenn Kirk Hammett einst behauptet haben sollte, dass Soli im Metal tot seien, dann belehren XORSIST ihn eines Besseren. Neben allen Gewaltausbrüchen finden die Schweden immer wieder Gelegenheit, um mit gellenden Soli und erfrischenden Leads für Abwechslung zu sorgen. Zudem gibt es mit „Draped in Sorrow’s Cloth…“ und „…And Aged in Embers“ zwei gelungene Akustik-Instrumentals, die dem Hören eine kurze Verschnaufpause gönnen.
Anfangs dachte ich, dass „Aberrations” in der zweiten Hälfte etwas abfallen würde. Mittlerweile würde ich meinen eigenen ersten Eindruck aber nicht mehr so ohne weiteres unterschreiben. XORSIST halten auf ihrem Hammerheart-Debüt das Niveau über die gesamte Spielzeit und dürften, nicht nur wegen des neuen, noch stimmigeren Logos, bei Old-School-Todesmetallern für Verzückung sorgen. Klar, „Aberrations” wird keine großen Wellen schlagen, sich nicht zum Kultalbum der Death Metal Szene mausern und auch keine neuen Trends bewirken. Trotzdem ist „Aberrations” ein gelungenes Album mit Herz und harten Songs. XORSIST liefern mit ihrem dritten Album ein absolut reifes, handwerklich einwandfreies, abwechslungsreiches und insgesamt stimmiges Death Metal Album ab. Sollte man sich nicht entgehen lassen.
Xorsist - Faceless (Official Video) 2026
Xorsist - An Elegy Unfolds (Official Audio) 2026