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Devin Townsend - The Moth

VÖ: 29. Mai 2026  •   Label  InsideOut Music/Sony Music
Devin Townsends Opus magnum wird nach mehr als einem Jahrzehnt Genese mit dem Titel The Moth veröffentlicht. Rational war er einige Male an dem Punkt, die Verwirklichung aufzugeben. Aber sein kreatives Umfeld sorgte dafür, dass er durchhielt und realisiert wurde. 
Devin Townsends Absicht zielte darauf ab, ein orchestrales, chorales und theatralisches Werk zu erschaffen, das dazu die nötige Größe hat, eine emotionale Transformation zu unterstreichen, die im Mittelpunkt des Ganzen stehen soll. Im Kern geht es ihm um nichts anderes als das Motiv der Selbstakzeptanz. „Die offensichtlichste Metapher für Veränderung innerhalb des Konzepts dieses Projekts war eine Motte: von der Raupe zu einem völlig anderen Wesen – einem, das so sehr vom Licht angezogen wird, dass es sich selbst verbrennt. Was bleibt, ist unveränderlich – allein der Geist.
Die mühevolle Entstehung wurde bereits skizziert. Dazu gehören vor allen Dingen Begegnungen mit Menschen. Als er um 2020 in den Niederlanden, genauer in Amsterdam, ein Akustikkonzert gegeben hatte, bot ihm der Leiter des North Netherlands Orchtestras & Choirs an, seinen Backkatalog mit orchestraler Opulenz zu bereichern. Devin Townsend mochte das Angebot, nahm aber statt der Hand gleich das ganze Ensemble, um lieber mit diesem etwas gemeinsames neues Eigenes zu entwickeln.
Lange, nicht nur musikalische, Wegbegleiter leisteten Gastbeiträge: die Gitarrenlegende Steve Vai, bei dem der damals 19 jährige Herr Townsend für das Soloalbum Sex & Religion am Mikrophon stand und mit dem Album den Einstieg ins professionelle Musikerdasein erreichte. Ein weiterer Gast ist Anneke van Giersbergen, die immer mal wieder auf Devin Townsends Liedern zu hören ist. Die Sängerin Lynn Wu hingegen ist mir bis dato noch nicht zu Ohren gekommen. 
Nicht zu leugnen ist, dass der Anspruch Devin Townsends nach orchestraler, choraler und theatralischer Wirkung vollständig erfüllt wurde. Auch die durch den Orchester- und Chorleiter versprochene Opulenz. Obwohl diese Herrn Townsend in seinen Arrangements zur Genüge innewohnt.  
Das Pressematerial ist leider nicht sehr auskunftsfähig, wo wann welcher Gastbeitrag zu vernehmen ist. Rätselsport. Steve Vais Finger auf den Saiten vermute ich am ehesten bei Enter The City, vielleicht auch noch bei dem bewusst dissonanten Gitarrensolo von Metamorphosis. Lynn Wus Stimme dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach bei Lexin und Lexin Returns zu hören sein. Anneke van Giersbergen hat - leicht heraushörbar - die meisten Einsätze: Covered by Causes, Stained Hearts, Prepare For War, War Beyond Words und Mothers, möglicherweise subtil auch bei The Big Snit. 
Noch frisch im musikalischen Gedächtnis ist Einar Solbergs letztes Album Vox Occulta - ebenfalls klassische Anteile mit zeitgemäßer, verzerrter Musik kombinierend. Wenn man so will ein Referenzpunkt oder Vergleichsobjekt. Devin Townsend bleibt seinem Stil sehr treu: Montagen, Brüche. Typisch auch das Lied The Mothers, was in einen Walzer wechselt. Die Wuchtigkeit ist sehr präsent. Allerdings beschleicht mich das Gefühl, sehr typisches Drumming, berechenbare Riffs oder Gitarrenläufe schon auf anderen Werken von ihm so oder ähnlich wahrgenommen zu haben. 
Am besten gefällt mir The Moth, unter den sehr zurückhaltend bandbegleitetenden Liedern. Auch der Opener Semi-Prologue gehört zu den sehr gelungenen Kompositionen. Sie ist nicht lang, aber großartig durch Melodieführung, Gesangslinie, dem Spannungsbogen bei Ochester und Chor. Eine der schönsten Nummern aus der Feder Devin Townsends, wie ich finde. Um den Irrealis der Vergangenheit zu bedienen: So hätte das ganze Album sein können. Aber er 'musste' ja immer wieder mit aller Wucht komponieren und arrangieren. Covert By Causes, mit Anneke van Giersbergen als Co-Sängerin, bietet angfänglich eine zurückhaltende Bandbegleitung, schöne Harmonien, träumerische Phrasierungen, dann kommt eine -  meiner Meinung nach unnötige - 'Massephase', der ruhige Ausklang versöhnt damit nicht, aber tut dem Lied gut. Wenn die Erinnerung nicht getrübt ist, wird auch ein Motiv aus Semi-Prologue zitiert. Home At Night ist beinahe klasssisch instrumentiert mit Orchester und Chor und ist auch ein sehr schönes Lied geworden. The Moth, bereits weiter oben schon angesprochen,  hat eine epische Stimmung und eine Klimax zum Schluss des Songs, dazu trägt es ein Motiv aus dem Opener. Clergy ist ebenfalls noch einer der sehr gut gelungenen Titel, auch wenn auch er sehr kurz geraten ist. Typische theatralische Townsend'sche Wuchtbrummentitel sind u. a. A Live in Review, The Big Snit und Enter The City.

Fazit: Ja, unbenommen ein Werk Devin Townsends. Ich hätte auf die "Flippigkeit", Montagelust und Wuchtigkeit verzichtet und stattdessen dem Orchester den Vorrang bei der Instrumentierung gelassen. Aber ich bin nicht Devin Townsend. Anhörbar ist es auf alle Fälle und hat auch ein paar große Momente. 
Devin Townsend - Home At Night
Devin Townsend & Steve Vai im Podcast