Was haben ABBA und JÄST gemeinsam? Richtig, beide Bandnamen bestehen aus vier Buchstaben und, wie bei den schwedischen Pop-Ikonen, stehen diese auch bei JÄST für die vier Bandmitglieder. Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten, denn musikalisch haben sich JÄST dem melodiösen Hard Rock/AOR verschrieben.
Bereits das eröffnende „Heartlight“, welches bereits 2024 als Single veröffentlicht wurde, weist dem Hörer sofort den Weg. Musikalisch geht es zurück in die 80er-Jahre, als Hard Rock, AOR und Classic Rock noch der heißeste Scheiß und (zumindest vermeintlich) ehrlicher und handgemachter war als heute. Die besondere Note erhalten die Songs zweifelsohne durch die kraftvolle Stimme von Frontfrau Jessica Conte, die zwischen Melissa Etheridge, Tina Turner, ROBIN BECK und HEARTs Ann Wilson changiert. Insofern überrascht es wenig, dass sich mit „Like The Way I Do“ ein Song von Melissa Etheridge im Repertoire des Quartetts befindet. Das ausdrucksstarke Organ von Conte passt sowohl perfekt zu einem schnelleren Song wie „Kiss Yourself Goodbye“ als auch zu einem Groover wie „Do You Wanna Dance“. Mit Songs wie "I Can See Clear Now" fischen JÄST allerdings auch hörbar im AVANTASIA-Kosmos. Da ist am Ende nicht nur Frontfrau Jessica eingegroovt.
Dass hier durchweg Profis (ex-GRAVE DIGGER, URIAH HEEP, ex-BONFIRE, ORDEN OGAN) am Werk sind, hört man zu jeder Sekunde. Und irgendwie erinnert das ganze Unternehmen ein wenig an D.A.T.O.G., auch wenn dort natürlich DIRKSCHNEIDERs Reibeisenstimme im Fokus steht. Dennoch: JÄST haben eine Mission. Sie wollen den ehrlichen, melodischen Classic/AOR Rock wieder ins Radio bringen – oder noch besser ins Bewusstsein der Fans. Das passende Material dafür haben sie zweifellos.
Was mir nicht so ganz klar wird, ist, weshalb JÄST die 2025er EP „5“ um vier Songs (das starke „Sweet Gasoline“, „An Ode To Infinity“, „Kiss Yourself Goodbye“ und „Do You Wanna Dance“) erweitert haben und diese nun unter dem Namen „JÄSTified“ als Debüt erneut anbieten. Eine Erklärung könnte sein, dass die EP vermutlich nur einem überschaubaren Hörerkreis bekannt war, so dass das starke Material von damals hier nochmals verwendet wurde. Wie auch immer… (die Erklärung findet ihr im Interview mit Axel).
Mit „JÄSTified“ präsentieren sich JÄST erstmals in Albumlänge und während die neuen Nummern einerseits gut zu den bereits bekannten Titeln passen, setzen sie durchaus auch neue Akzente. Wem der Sinn nach handgemachter Musik mit eingängigen Melodien, kernigen Gitarrenriffs und unüberhörbarem 80er-Jahre-Einschlag steht, der wird mit „JÄSTified“ ganz sicher glücklich.
Versprochen!