SABATON - Interview in Hamburg (MAI 2019)

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SABATON - Interview in Hamburg (MAI 2019)
Red.: Hi, schön, dass wir uns hier treffen können. Ich muss zugeben, dass ich echt aufgeregt bin - das ist das erste Mal, dass ich das mache.
 
Joakim: Kein Problem, dann bin ich besonders sanft (grinst).
 
Red.: Besser is' das. Also, ich hatte bereits das Vergnügen, mir euer neues Album "The Great War" (Veröffentlichungsdatum: 19.07.2019, Anm. d. Red.) anhören zu dürfen, und es hat mir echt gut gefallen.
 
Joakim: Oh danke!
 
Red.: "Fields of Verdun" ist der erste Song, den ihr schon herausgebracht habt. Echt gut geworden! Aber die Melodie ist doch recht kompliziert verglichen mit anderen SABATON-Songs, oder?
 
Joakim: Ah ja, schön, dass dir das aufgefallen ist. Der Refrain war schreibtechnisch echt einer der schwierigsten. Ich habe den Song mit unserem ehemaligen Gitarristen Thobbe (Englund, Anm. d. Red.) geschrieben. Er ist zwar nicht mehr in der Band, aber wir mögen uns immer noch sehr. Also dachten wir uns “Lass' uns Bier trinken und Heavy Metal schreiben“ und dann fingen wir mit dem Hauptriff an und hatten diese Idee für eine Melodie, so ein bisschen JUDAS-PRIEST-mäßig. Und dann kamen wir zum Refrain und es wurde echt sehr schwierig. Weißt du, das ist eine Dreifach-Harmonie im Gesang zusammen mit dem Riff, das die ganze Zeit in Bewegung ist. Aber ich glaube, es ist ganz nett geworden, ich meine, es klingt ja immer noch nach SABATON. Immerhin haben wir versucht, da etwas Neues auszuprobieren.
 
Red.: Ich finde, dass es einer der stärksten Songs vom neuen Album ist, wobei da auch noch einige weitere echt gute Stücke bei sind. Ich hatte aber den Eindruck, dass ihr irgendwie (noch) mehr Chöre und Hall eingebaut habt als sonst schon. Klingt ein bisschen, als würde im Hintergrund immer ein Chor aus Soldaten mitsingen.
 
Joakim: Ja, dieses Atmosphärische und Verzögerungen und sowas. Stimmt. Wobei das tatsächlich eher mit der Nachbearbeitung durch unseren Produzenten Jonas (Kjellgren, Anm. d. Red.) zu tun hat. Denn sowohl von der Komposition als auch vom Aufnahmevorgang her unterscheidet sich "The Great War" nicht wirklich von den vorherigen Alben wie "Heroes", "The Last Stand", oder auch "Carolus Rex". Aber halt die Art, wie Jonas diesmal abgemixt und zusammengefügt hat. Und seien wir mal ehrlich: Mit SABATON kann man sich sicher sein, dass man nie zu wenig Chöre hört (lacht).
 
Red.: Da hast du wahrscheinlich recht. Eine andere Sache, die mir besonders aufgefallen ist, ist das Artwork des Covers: Die ersten Alben waren immer von einem Wappen geschmückt, während ihr seit "Heroes" angefangen habt, Personen - Soldaten - auf den Albumcovers abzubilden. Bei "Heroes" ist es die Szene zweier Soldaten im Faustkampf, bei "The Last Stand" sieht man einen einzelnen Soldaten abgebildet. Und auf "The Great War" schließlich zeigt ihr einen sitzenden Soldaten, der keine einzige Waffe trägt und sein offenbar blutendes Gesicht mit den Händen bedeckt. Kann man das als neue Entwicklungsrichtung bei SABATON bezeichnen? Werdet ihr persönlicher?
 
Joakim: Ja und nein. Pär (Sundström, Anm. d. Red.) und ich habe das Konzept von "The Great War" entwickelt, und für uns geht es da um eine wirklich dunkle Periode in der Geschichte. Ich meine, letztlich beschäftigen wir uns halt mit Geschichtsthemen und da hat alles seinen dunklen Touch. Aber in diesem Fall ist es nicht nur das Artwork, was diese Dunkelheit ausdrücken soll, sondern auch die Musik. Bei "Heroes" zum Bespiel geht es ja um Helden, das ist eine aufbauende kraftvolle Thematik. Ebenso bei "The Last Stand", da sind zwar auch die meisten Protagonisten gestorben, aber halt in einem heroischen Akt. Nach dem Motto "Scheiß' auf das Ergebnis, wir ziehen das jetzt durch". Aber bei "The Great War" jetzt ist es ein bisschen anders. Auch nach der ganzen Recherche, die wir betrieben haben, bleibt doch diese Stereotypie, dass es eben einfach eine Hölle war, die sich durch den Stillstand in den Schützengräben an der Westfront entwickelte. Egal für welche Seite jemand kämpfte, ich bin sicher, dass das einfach alle richtig Scheiße fanden. Deswegen ist das Album von der Musik her einfach auch etwas düsterer und atmosphärischer als jetzt zum Beispiel "The Last Stand". Und das zeigt sich eben auch in dem Artwork des Covers, es zeigt unsere Stimmung, während wir daran arbeiteten.
 
Red.: Ich freue mich gerade, dass du angesprochen hast, dass das Album insgesamt düsterer ist als seine Vorgänger. Denn meiner Meinung nach sticht ein Song in dieser Hinsicht komplett heraus. Ich bin ganz ehrlich, ich musste laut lachen, als ich den Song "Devil Dogs" über das (späte) Hinzukommen US-amerikanischer Marinesoldaten zum ersten Mal auf die Ohren bekam. Kann es sein, dass ich in dem Song den Spirit von "In The Navy" rausgehört habe? Es klang fast, als würdet ihr euch über die Amis ein bisschen lustig machen.
 
Joakim: (lacht) Ah, jetzt verstehe ich, wieso du lachen musstet. Die VILLAGE PEOPLE! Nein nein, das war auf keinen Fall die Intention. In dem Song feiern wir ja, was die US-Marine in Belleau Wood gemacht hat. Das ist wirklich ein sehr optimistischer, typischer SABATON-Song mit einer wesentlich leichteren Atmosphäre als bei vielen der anderen Songs. Aber so war es damals auch, als die Amis dazu kamen, sie sagten den im Rückzug begriffenen Franzosen "Los, seht zu, dass ihr hier rauskommt", denn offenbar hat man eben noch ziemlichen Elan, wenn man im Kampf neu dazu stößt. Ich meine, wenn du Wochen über Wochen im Schützengraben gewesen bist, kannst du da nicht schnell genug wegkommen, aber diese Typen kamen da neu an und wollten sich beweisen. Alle anderen traten den Rückzug an und sie sagten "Wir sind doch verdammt nochmal gerade erst angekommen!". (lacht)
 
Red.: Okay, aber das ist ja dann schon auch ganz schön typisch US-amerikanisch, dass sie sich ein bisschen präsentieren wollten.
 
Joakim: Ja, klar. (öffnet sich ein Dithmarscher) Hm, das ist echt gut.
 
Red.: Ja oder? Gut, lass uns für einen Moment vom neuen Album weggehen. Eine Sache, die ich mich schon lange frage, ist, wieso ihr eure Songs mit Ausnahme von "Swedish Pagans" live alle in einer tieferen Tonart spielt als auf Platte. Ist das für dich sonst zu anstrengend zum Singen, weil es zu hoch ist?
 
Joakim: Nee, es ist eher ein Sicherheits-Puffer. Es fing damit an, dass wir, um einen gewaltigeren Live-Sound zu erzielen, das Ganze einen Ton tiefer versuchten, denn live hast du ja keine Doppelspuren und sowas, durch die du einen fetteren Sound kriegst. Viele Bands nehmen das direkt so tief auf, wie sie es dann live spielen, das machen wir aber nicht. Wir nehmen im Studio mit normal auf E gestimmten Gitarren auf und spielen live dann einen Ton tiefer. Und als wir das ausprobierten, merkten wir, dass es für mich natürlich auch einfacher zu singen ist - nicht, dass ich es in der normalen Tonart nicht singen könnte, aber ich kann bei einer Live-Show ja auch mal einen richtig schlechten Tag haben, ich könnte total krank sein, und trotzdem kann ich dann noch eine vernünftige Show abliefern. Und bei "Swedish Pagans" haben wir vor der Aufnahme einfach vergessen, die Instrumente wieder höher zu stimmen. (lacht)
 
Red.: Aha! Eine andere Sache, APOCALYPTICA haben eine wunderbare Instrumentalversion von “Fields of Verdun“ gemacht. Ist es nicht mal an der Zeit für ein großes SABATON-und-Symphonieorchester-Konzert? Oder ein Konzert mit einem großen Chor?
 
Joakim: Oh, wir haben schon mit Orchestern gespielt, einmal 2015 in Wien und einmal auch mit einem größeren Symphonieorchester beim Masters of Rock 2017 in Tschechien, was schon ganz nett war. Aber ich persönlich finde immer, eine Band und ein Orchester zusammen zu klatschen kann cool werden, nur ist es grundsätzlich besser, wenn sie Songs dann auch schon von Anfang an für die Performance mit einem Orchester geschrieben wurden. Auf dem "Carolus-Rex"-Album zum Beispiel haben wir schon viele Songs, die Orchesterarrangements enthalten, welche dann vom Keyboard übernommen werden, insofern funktionieren die gut. Aber deswegen haben wir nun immer, wenn wir mal wieder bekniet wurden, doch noch einmal eine Orchesterversion zu machen, gesagt "Nein danke, verpisst euch" (lacht). Aber was wir halt sowieso bei SABATON haben, wo wir gar keine Ausrede brauchen, um es noch dazu zu klatschen, sind natürlich Chöre. Vor 2 Wochen ungefähr haben wir in Pilsen mit einem 20-köpfigen Chor zusammen performt, und das war meiner Meinung nach echt die beste musikalische Erfahrung überhaupt. Ich habe auch während des Soundchecks irgendwann einfach aufgehört zu singen und bin raus gegangen, um mir den Chorgesang in Ruhe anhören zu können.
 
Red.: Oh wow, das hätte ich ja wirklich gerne gehört!
 
Joakim: Also die Chance besteht, dass wir noch weitere Shows mit diesem Chor zusammen machen, aber natürlich kann ich da noch nichts versprechen. Ich wäre nur wirklich erstaunt, wenn das das letzte Mal gewesen sein sollte, dass diese Typen mit uns auf der Bühne gestanden haben.
 
Red.: Das sind gute Aussichten! Eine andere Sache, auf die ich gestoßen bin, während ich über euch recherchiert habe, ist etwas, was du mal in einem Interview von 2016 sagtest, nämlich, dass ihr eure Textinhalte versucht so zu wählen, dass die Leute heutzutage sich damit in gewisser Weise identifizieren können, deswegen macht ihr so viel über den Ersten und Zweiten Weltkrieg. Könnt ihr euch denn auch vorstellen, zum Beispiel mal was über die Golfkriege zu machen? Also etwas, was zeitlich gesehen noch frischer ist?
 
Joakim: Ja, wir haben da natürlich drüber nachgedacht, und mit "Panzer Battalion" - auch wenn der Song nach was Älterem klingt - haben wir sogar einen Song über den Zweiten Golfkrieg gemacht, und der Song "Reign of Terror" vom selben Album ist über den Ersten Golfkrieg. Aber dann kommen wir halt auch schon gefährlich nah an Politik heran, und davon wollen wir uns fernhalten. Wenn etwas gerade erst passiert ist, gibt es immer Propaganda und Medienreportagen darüber, und ich habe ehrlich gesagt viel größeres Vertrauen in Historiker, wenn es um die nachträgliche Bewertung von Ereignissen geht, weil die davon nichts mehr gewinnen können, wie sie Sachverhalte beschreiben. Weißt du, wir sind so schon kontrovers genug, weil wir über Krieg singen. Bestimmte Themen sind für bestimmte Länder einfach sensibel, sei es zum Beispiel der Zweite Weltkrieg für Deutschland oder auch die "Carolus-Rex"-Thematik, wo es um das Schwedische Imperium geht, für Schweden. Und egal welches Thema wir behandeln, wir haben immer eine gute Chance, irgendwo anzuecken. Daher ist uns relativ früh klar geworden, dass wir vielleicht besser bei Ereignissen bleiben, die zumindest so alt sind, dass sie bereits von Historikern untersucht wurden, und dass vor allem Soldaten, die wirklich in dem betreffenden Krieg gekämpft haben, bereits wieder nach Hause gekommen sind und die Möglichkeit haben, die Dinge aus ihrer Sicht zu schildern.
 
Red.: Kommen wir nochmal auf das neue Album zurück. Der letzte Song ist eine vertonte Version des Gedichtes "In Flanders Fields" (geschrieben 1915 von dem kanadischen Lieutenant Colonel John McCrae, Anm. d. Red.). Mir fiel auf, dass wir auch hier wieder einen großen Unterschied zu euren bisherigen Alben haben, da zumindest die beiden Konzeptalben "Primo Victoria" und "Attero Dominatus" jeweils mit einem Spaß-Song enden. Im Gegensatz dazu ist endet das neue Album extrem ernsthaft.
 
Joakim: Ach, so meinst du das. Stimmt, das ist ein Riesen-Unterschied, so habe ich das bisher gar nicht betrachtet. "Coat of Arms" zum Beispiel hatte ja auch einen Spaß-Song am Ende, "Metal Ripper". Es macht einfach total Spaß und ist sehr befreiend, mal einen solchen Song zu schreiben und aufzunehmen, und glaub' mir, die Lyrics zu schreiben ist richtig lustig! Aber beim neuen Album konnten wir das einfach nicht, wie gesagt, das ist ein so dunkler Abschnitt der Geschichte. 
 
Red.: Aber ich schätze, das macht auch ein bisschen die Stärke des Albums aus. Ich meine, ihr lasst den Song am Ende stehen und man denkt sich einfach nur so "Oh Scheiße" und muss erstmal schlucken.
 
Joakim: Ja, das geht ja schon beim Song "The End Of The War To End All Wars" los. Da baut sich alles so dermaßen auf, Orchester, Chor, Rockband, alle schreien aus vollem Halse und versuchen lauter zu sein als alle anderen. Und größer konnte es nicht werden, also... je mehr wir bei "In Flanders Fields" wegnahmen, desto besser wurde es. Der Song fängt jetzt mit nur 5 Frauenstimmen an und im Verlauf kommen noch ein paar Stimmen dazu, aber die Kirchenorgel, die Streicher, die Gitarren, meinen Gesang, das alles haben wir dann einfach weggelassen.
 
Red.: Als ich den Song hörte, musste ich unwillkürlich an den irischen Song "The Fields of Athenry" denken. Könntet ihr euch vorstellen, mal was über die irische Geschichte zu machen?
 
Joakim: Jede Nation hat natürlich ihre interessante Geschichte, und selbst wenn wir jeden Monat für den Rest unseres Lebens ein neues Album machen würden, könnten wir nicht alles abdecken. Ich persönlich würde zum Beispiel auch gerne mal was über Alexander den Großen machen irgendwann. Aber Irland ist einfach noch ein ziemlich heikles Thema, vor allem wenn es um den Konflikt Katholiken gegen Protestanten oder auch die Unabhängigkeitsbewegung Nordirlands vom Vereinigten Königreich geht. Ich denke nicht, dass wir uns thematisch mal dort hinbewegen werden. Wir haben drei No-Gos, alles andere ist okay. Erstens: Wir wollen keine politische Stellung einnehmen oder damit verbunden werden. Zweitens: Wir haben keine religiöse Angliederung. Und drittens: Wir wollen nicht mit Absicht jemandem ans Bein pinkeln oder jemanden traurig machen, also, so richtig. Dass wir über ihre Vergangenheit lügen oder sowas, wir wollen da einfach korrekt sein. Aber wir werden uns nicht von den heftigen Themen fernhalten, ich meine, wir haben sogar einen Song über Slobodan Milosevic gemacht, aus der Sicht von Slobodan Milosevic! ("We burn" von dem Album Attero Dominatus, Anm. d. Red.) Wenn das Leuten nicht gefällt, Pech gehabt, das ist passiert (lacht). Also, egal, was es ist, das ist für uns die Grenze. Und ich meine klar, wenn wir jetzt über einen Krieg, sagen wir, gegen die Engländer sprechen, der Jahrhunderte her ist...
 
Red.: Naja gut, da hat es ja auch schon angefangen. Da gibt es garantiert ultra viel von damals, worüber man schreiben könnte. Aber klar, aktuell kocht das Ganze mit Blick auf den Brexit natürlich wieder hoch.
 
Joakim: Ja, manche von diesen Konflikten enden natürlich auch einfach nicht. Sie ruhen nur für einige Zeit.
 
Red.: Noch was anderes, schonmal von den Metaldays in Slowenien gehört?
 
Joakim: Ja sicher, da haben wir sogar schon gespielt!
 
Red.: Echt? Oh je, ich bin super schlecht informiert, dabei habe ich die letzten Tage nichts anderes gemacht als mich mit eurem Werk auseinander zu setzen. 
 
Joakim: Kein Problem (lacht). Wir haben ja auch schon viel mehr als tausend Shows in mehr als fünfzig verschiedenen Ländern gespielt. Wir haben da gespielt, als es noch Metalcamp hieß (2010, Anm. d. Red.) und dann zuletzt bei den Metaldays 2014, wenn ich mich nicht irre (er irrt sich nicht, Anm. d. Red.).
 
Red.: Oh super, na dann sehen wir euch doch sicher mal wieder dort.
 
Joakim: Ja, ich würde sehr gerne wieder dort hinkommen. Aber das verdammte Wasser in diesem See oder Fluss ist eiskalt (Fluss, Anm. d. Red.).
 
Red.: Das stimmt, aber es ist die beste Kater-Kur, die man sich wünschen kann.
 
Joakim: Ich habe dummerweise vor 10 Jahren oder so mal auf der Bühne versprochen, dass ich nach der Show da rein springen würde. Aber als ich da dann total verschwitzt und noch unabgekühlt ankam, war es ungefähr 3 Uhr nachts und echt nicht mehr so warm. Ich ging raus ins Wasser, aber mir wurde kalt und ich wollte zurück. Aber die Fans akzeptierten das nicht! Sie hoben mich hoch, brachten mich zurück und warfen mich ins Wasser...
 
Red.: Dann wissen wir ja, was wir das nächste Mal machen, wenn ihr bei den Metaldays seid.
 
Joakim: Ich werde mich sowasvon vom Wasser fernhalten. (lacht)
 
Red.: Eine letzte Frage, werden wir euch nächstes Jahr im Rahmen eurer "Great Tour" in Deutschland begrüßen können?
 
Joakim: Ich muss mich da echt diplomatisch ausdrücken, weil ich nicht zu weit gehen will. Aber lass es mich so ausdrücken: Aus irgendeinem Grund gefällt es den Festivalveranstaltern nicht, wenn wir uns für eine bestimmte Region mit einem Konzert ankündigen, bevor das in dieser Region liegende Festival, wo wir auch spielen, vorüber ist. Aber, auch wenn wir uns selber vielleicht nicht für die schlausten Leute auf diesem Planeten halten, so sind wir definitiv auch nicht die dümmsten. Und im Rahmen der "Great Tour" nicht nach Deutschland zu kommen, wäre doch reichlich dumm. (lacht)
 
Red.: Mit der Antwort kann ich leben. Haben wir eigentlich noch Zeit? Ein paar Minuten wohl noch. Ich habe mich gefragt, wie es zu deiner Zusammenarbeit mit den GRAILKNIGHTS gekommen ist.
 
Joakim: Wir waren 2008 zusammen auf Tour. Aber "Pumping Iron Power" war absolut nicht meine Idee. Sie kamen auf mich zu und sagten "Wir haben hier was, das dir gefallen könnten; oder wahrscheinlich eher nicht. Hast du Lust mitzumachen?". Und ich fand das irgendwie cool, das ist so 80er-mäßig, ein kitschiger Spaß und gleichzeitig auch ein richtig guter Song. Also sagte ich zu. Aber dann haben sie gefragt, ob ich Bock hätte, auch ein Video dazu zu drehen, und ich nur so "Scheiße nein!". Ich hasse es ja schon, SABATON-Videos zu drehen. Dann fragten sie, ob ein Comic-Superhelden-Video okay wäre, darauf war meine Reaktion "Ja! Auf jeden Fall, Hauptsache, ich muss nicht vor eine Kamera treten".
 
Red.: Wie bitte, du hattest keine Lust, dich in ein Superheldenkostüm aus Latex stecken zu lassen?
 
Joakim: Ach der Teil hätte ja sogar Spaß gemacht. Weißt du, ich liebe es Musik zu machen, ich liebe Aufnehmen, und ich liebe Live-Performances, aber vor der Kamera fühlt es sich für mich einfach falsch an. Ich bin ein schlechter Schauspieler, und für mich ist das Schauspielern, dabei fühle ich mich einfach nicht wohl. Deswegen ist meine Art, damit umzugehen, wenn wir Musikvideos drehen, einfach so laut zu schreien, wie ich kann.
 
Red.: Also, ich muss sagen, dass ich jetzt, wo ich mich wirklich eingehend mit euch und eurem musikalischen Werk auseinandergesetzt habe, glaube zu verstehen, was ihr macht. Ich als Pazifistin hatte früher, ehrlich gesagt, nichts für eure Musik übrig, aber inzwischen habe ich den Eindruck, dass ich euren Ansatzpunkt begreife, und das ist ziemlich interessant. Und ganz davon abgesehen halte ich auch viel von deinen musikalischen Fähigkeiten als Sänger und auch als Songwriter.
 
Joakim: Wir sind nicht da, um zu urteilen. Wie gesagt, wir wollen keine politische Stellung beziehen. Klar, militärisch oder nicht-militärisch ist natürlich eine politische Frage. Aber... die Worte, die ich in dem Zusammenhang am ehestens als weise bezeichnen würde, stammen von General Norman Schwarzkopf, der mal gesagt hat "Ein Soldat, der seinen Sold wert ist, sollte gegen Krieg sein". Aber natürlich müssen wir uns auch bewusst sein, dass es Dinge gibt, für die es sich zu kämpfen lohnt.
 
Red.: Genau. Ich will nicht sagen, dass ihr mich überzeugt habt, dass Krieg etwas Gutes ist. Aber ich habe definitiv einiges über Geschichte gelernt, während ich mich mit eurer Musik und euren Texten auseinandergesetzt habe.
 
Joakim: Wenn das dein Interesse geweckt hat, solltest du auf jeden Fall den SABATON History Channel auschecken, da bin ich aktuell echt enthusiastisch. Es geht da im Hauptteil wirklich um Geschichte, auch wenn unsere Musik vielleicht im Hintergrund ist. Und am Ende erklären wir dann immer noch ein bisschen, wie wir auf die Story gekommen sind, wie der Song gemacht wurde, ob wir jemanden getroffen haben, der damit zu tun hat und so weiter. Solltest du dir echt mal angucken!
 
Red.: Das mache ich, sobald ich einen kleinen SABATON-Entzug durchgeführt habe nach der ganzen Recherche. Mein Schädel brummt.
 
Joakim: Ja, dann brauchst du jetzt erstmal SABATON-Detox. (lacht)
 
Red.: Vielen Dank für das Gespräch auf jeden Fall, es war mir eine Freude, dich kennen zu lernen.
 

Line Up

Hannes Van Dahl – Drums
Joakim Brodén – Lead Vocals
Pär Sundström – Bass
Tommy Johansson – Lead Guitar
Chris Rörland – Lead Guitar