Stadtbekannt.at – Unnützes WienWissen

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  • Genre: Reiseführer
  • V.Ö.: 15 Dezember 2013
  • Holzbaum
  • Bewertung: Stadtbekannt.at – Unnützes WienWissen

„Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen?“ flötete Reinhard Fendrich seinerzeit liebestrunken auf allen Radiosendern. Guten Gewissens kann ich diese Frage verneinen; ich habe Wien noch nicht einmal bei Tage gesehen. Eigentlich beschränkt sich mein Wissen über die Donaumetropole auf diverse Folgen „Kommissar Rex“ und die Tatsache, dass es bei uns eine Wiener Dampfbäckerei gibt. Stadtbekannt.at haben sich nun die Mühe gemacht und all das unnütze Wissen über ihre Stadt in einem kleinen Büchlein zusammengefasst.

Meine ursprüngliche Idee war es, das Buch von einer ausgesprochenen Wien Kennerin besprechen zu lassen, nennen wir sie einfach mal Ajani Pantsman. Diese Geheimwaffe der deutschen Konsumindustrie hat die Stadt der Mozartkugeln und Sachertorte mehrmals besucht und in Rekordzeit alle möglichen und unmöglichen Sehenswürdigkeiten abgehakt. In Wien kennt man sie daher – so hört man – als den „Bunten Blitz mit den schwarzen Füßen“. Anderweitige Verpflichtungen führten jedoch dazu, dass nun doch ich mit der erfreulichen Aufgabe betraut wurde die Auswahl hauptstädterischer Anekdoten, Randnotizen und Lebensgeschichten genauer unter die Lupe zu nehmen.

Auf knapp 130 Seiten kann der Leser zwischen den Kategorien „Historisches“, „Kaiserliches“, „Musikalisches“, „Kulinarisches“, „Tierisches“, „Intimes“, „Sprachliches“ und „Unterhaltsames“ navigieren. Wobei letzte Kategorie eigentlich auch alle anderen Kategorien beschreibt, denn unterhaltsam sind sie alle. Tja liebe deutsche Bürokraten. Eine Lektion in Sachen Unkompliziertheit erteilen euch die Wiener mit ihrer Umbenennung des „Schlesingerplatzes“ in den „Schlesingerplatz“, um so den nicht mehr tragbaren ehemaligen Reichstagsabgeordneten Josef Schlesinger aus dem Stadtbild zu entfernen. Wie genau das geht, liest man auf S. 13. Und ob die Umstellung vom Links- auf den Rechtsverkehr im Jahre 1938 mit der politischen „Neuausrichtung“ nach dem Anschluss an das Deutsche Reich im März des Jahres zusammenhing, lässt sich zwar anhand des Büchleins auch nicht herausfinden, aber man möchte ja auch noch ein paar Geheimnisse für sich haben können (S.22). Und wenn man davon ausgeht, dass die Wiener auch nach dem Ableben der Kaiserin Sisi (S.40) weiterhin Kokain als Hustenmedikation konsumiert haben, dürfte es ohnehin niemanden gestört haben ob man nun rechts oder links, vorwärts oder rückwärts fährt.

Und wenn ein Völkchen ihren Kaiser in hohem Bogen aus einem Bordell hinauswirft (S. 49), dann wundert es auch nicht, dass ein Nachbar der BAWAG Bank im Januar 2007 einen dort verübten Banküberfall samt Geiselnahme durch den EAV Hit „Bababa Banküberfall“ musikalisch untermalte, indem er seine Boxen in die Fensterbank stellte und die Anlage ordentlich aufriss (S.53). Dass man in der Kategorie „Kulinarisches“ an der Sachertorte nicht vorbeikommt dürfte klar sein (S.65), aber Wien hat mehr zu bieten: Schwedenbombe (S.64), Tichy (S.65) oder das beliebte Owanes Astouatzatur (S.65). Natürlich darf auch das Wienerschnitzel in dieser Kategorie nicht fehlen (S.67). Und die Älteren unter uns dürften sich auch noch an die Schnitzelkette „Wienerwald“ erinnern. Auch in Hildesheim hatten wir seinerzeit eine Filiale, doch dann sorgten die steigenden Schnitzelpreise für den Niedergang der Kette. Wie sagte Otto einst so schön (oder war es Rudi Carell?) in Abwandlung des Werbespruchs des Unternehmens: „Heute bleibt die Küche warm, der Wienerwald der macht uns arm!“

Intimes und sprachliches hängt bei den Wiener ja häufig zusammen, zumindest für den Hochdeutschen. Denn im Grunde klingt aus dem Mund einer Wienerin fast jede Äußerung irgendwie versaut. Na ja, ob wir hier womöglich harmlose Höflichkeiten jahrelang mit frivolen Anzüglichkeiten verwechselt haben, kann man in den entsprechenden Kapiteln erfahren. Apropos Anzüglichkeiten. Auch in Sachen Gleichberechtigung sind uns die Wiener mal wieder voraus. Immerhin haben die Bezirke 1-4, 8, 20 und 22 weibliche Artikel, während lediglich die Bezirke 7 und 9 männlich sind (S.111).

Nun liebe Wien-Fans, knapp 130 Seiten WienWissen liegen nun hinter uns und am Ende behalten die Autoren Recht, wenn sie sagen, dass es genau die Dinge sind, die man nicht wissen muss, aber wissen will, die Wien so attraktiv machen. Mit ihrer kurzweiligen Zusammenstellung von Geschichte und Geschichten haben die Autoren eine wertvolle Ergänzung zum herkömmlichen Reiseführer geschaffen. Wer also seine Geschichtszahlen und Fakten durch Anekdoten und Kapriolen des Wiener Stadtlebens zum Leben erwecken möchte, der sollte schnellsten einen Eintrag auf seinem Weihnachtswunschzettel vornehmen.

Und wir werden unsere Korrespondentin mit den bunten Klamotten auf den Weg schicken, um die Kapitel des Buches innerhalb von drei Stunden abzuarbeiten…

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